Der Wächterrat im Iran will Mahmud Ahmadinedschad vor Gericht bringen. Laut einem Sprecher informierten die Geistlichen und Juristen die Justiz über den Verstoß des scheidenden Präsidenten gegen das Wahlgesetz. Ahmadinedschad soll seinen Vertrauten Esfandiar Rahim Maschaie am Samstag bei der Anmeldung seiner Kandidatur für das Präsidentenamt ins Innenministerium begleitet haben. Das iranische Wahlgesetz verbietet jedoch, dass Vertreter des Staates einen bestimmten Kandidaten fördern. Zudem dürfen staatliche Mittel nicht zur Unterstützung eines Bewerbers eingesetzt werden.

Damit droht Ahmadinedschad der Verlust seines Einflusses auf die Politik des Landes. Er selbst darf nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren.

Der Vorstoß des Präsidenten, einen Kandidaten für die Wahl einzuführen, sei kriminell, sagte der Sprecher des Wächterrates, Abbas Ali Kadchodai, laut einem Bericht des Nachrichtenportals Chabaronline. Ahmadinedschads Verhältnis zum geistlichen Oberhaupt Ajatollah Ali Chamanei gilt als angespannt. 

Chamenei gehört wie Ahmadinedschad dem konservativen Lager an, das sich 2009 mit der umstrittenen Wiederwahl Ahmadinedschads gegen die Reformer durchgesetzt hatte. Nach den Wahlen war es zu den schwersten Unruhen seit der Revolution 1979 gekommen.

Bereits als Bewerber anerkannt ist der Chefunterhändler bei den internationalen Atomgesprächen, Said Dschalili. Er gilt als konservativer Hardliner und Verbündeter Chameneis.

Am Wochenende hatte nach Medienberichten der frühere iranische Staatschef Akbar Hashemi Rafsandschani überraschend seine Kandidatur angemeldet. Er war von 1989 bis 1997 Präsident des Irans. Er dürfte einige Stimmen aus dem Reformerlager für sich gewinnen.

Der Iran wählt am 14. Juni einen Nachfolger von Präsident Ahmadinedschad. Etwa 20 Bewerber haben bislang Interesse an einer Kandidatur signalisiert, darunter der frühere iranische Unterhändler bei Atomverhandlungen, Hassan Ruhani. Der Wächterrat prüft die Qualifikation und entscheidet über die Zulassung der Kandidaten.