Wahlen : Wer wird Irans nächster Präsident?

Nur Männer, alle konservativ und nur ein Reformer: Irans Elite will die Wahl unter sich ausmachen. Doch es gibt Nuancen im Politikstil. Von Adnan Tabatabai

Am 14. Juni wählen die Iraner einen neuen Präsidenten. Acht Kandidaten hat der mächtige Wächterrat dafür zugelassen – und zwei wichtige Politiker vorsorglich aus dem Kandidatenkreis ausgeschlossen: Ali Akbar Hashemi Rafsandschani, der ein pragmatisches Verhältnis zum Westen pflegen will, und Esfandiar Rahim Mashaie, der im Ruf steht, dem religiösen Teil der Elite misstrauisch gegenüberzustehen.  Rafsandschani hat seinen Ausschluss  inzwischen kritisiert, die Führungsriege nannte er laut einer Oppositions-Website "inkompetent und ignorant".

Das letzte Wort in der Kandidatenfrage ist daher möglicherweise noch nicht gesprochen. Doch auch auf die ausgewählten acht lohnt ein genauer Blick, auf ihre unterschiedlichen politischen und beruflichen Hintergründe. Zwar sind die Männer weitgehend systemkonform, andererseits können Nuancen Gewichtungen der Teheraner Politik verschieben, auch im problematischen Verhältnis gegenüber dem Westen. Die Kandidaten im Einzelnen:

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Kommentare

12 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Grundlegende Ziele stehen da nicht zur Wahl, nur Personen

Ob der nächste Präsident sehr, wenig oder eher mittelmäßig konservativ ist und ob er die gleiche grundsätzliche Politik eher diplomatisch oder eher konfrontativ verfolgt, sind Detailfragen.

Iraner, die sich mehr politische und gesellschaftliche Freiheiten wünschen, und diese Menschen wurden 2009 sicher nicht alle systemkonform gefoltert, erhoffen sich von diesen Kandidaten nichts.

Wie man bei einer Vorauswahl der Kandidaten durch die konservative Elite auch nur davon sprechen kann, der Iran sei zwar "keine Musterdemokratie, aber ...", ist mir ein Rätsel.

Mir geht es um politische Grundrichtungen, nicht ums Wahlsystem

Die Bandbreite an möglichen politischen Positionen, die zueinander im Kontrast stehen, ist im Iran relativ schmal, gesellschaftspolitisch Liberale haben gar keine Chance.

In unseren westlichen Demokratien kann man zwar die Demokratie nicht abwählen, wohl aber Vertreter unterschiedlicher politischer Positionen.

Ich weiß, dass manche Kreise das gerne gleichsetzen, um undemokratischen Regierungen einen hübscheren Anstrich zu verpassen, doch ich gehöre nicht dazu.

merkwürdige Argumentation

Verstehe ich sie hier richtig: Da man in Deutschland die demokratischen und bundesstaatlichen Strukturprinzipien nicht in toto abwählen kann, haben wir letztlich genauso wenig eine echte Demokratie wie der Iran? Das wäre dann allerdings eine...bemerkenswerte Schlussfolgerung.

Mitfavorit Said Dschalili hat übrigens in seiner ersten Wahlkampfrede davon gesprochen, die Wurzeln des zionistischen Regimes auszutrocknen.