SiedlungsbauIsrael genehmigt 300 neue Wohnungen im Westjordanland

Wenige Tage nach Berichten über einen Siedlungsstopp bewilligt Israel neue Baupläne: In der Nähe von Ramallah sollen fast 300 Wohnungen entstehen.

In der Siedlung Beit El werden illegal errichtete Wohnungen geräumt (Archiv).

In der Siedlung Beit El werden illegal errichtete Wohnungen geräumt (Archiv).  |  © Menahem Kahana/AFP/Getty Images

Israel hat nach Armeeangaben den Bau neuer Wohnungen im besetzten Westjordanland genehmigt. In der Siedlung Beit El nahe Ramallah sollen 296 Wohnungen errichtet werden, sagte ein Armeesprecher.

Die Bau-Ankündigung kommt überraschend: Vor wenigen Tagen hatte es Berichte des staatlichen Armeesenders gegeben, dass Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Unterbrechung des Siedlungsbaus beschlossen habe. Demnach sollten alle Ausschreibungen für Aufträge beim Siedlungsbau blockiert werden, um Rücksicht auf die Bemühungen der USA zu nehmen, die die Friedensgespräche mit den Palästinensern wieder in Gang bringen wollen.

Anzeige

Die Organisation Peace Now kritisierte den geplanten Bau in Beit El. "Das Vorhaben zeigt, dass Netanjahu die ganze Welt täuscht", sagte Peace-Now-Sprecherin Hagit Ofran. "Einerseits erweckt er den Eindruck, den Siedlungsbau abbremsen zu wollen, andererseits genehmigt er ein enormes Bauprojekt", sagte sie.

Die Genehmigung erfolgte im Zusammenhang mit einer Einigung vom vergangenen Juni: Jüdische Siedler, die sich ohne Erlaubnis in Beit El niedergelassen hatten, hatten eingewilligt, ihre Wohnungen ohne Widerstand zu räumen, wenn im Gegenzug neue errichtet würden.

Die israelischen Behörden sehen Häuser als illegal an, die ohne Genehmigung der Regierung gebaut werden. Die internationale Gemeinschaft bewertet die jüdischen Siedlungen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem generell als illegal.  

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. welches 1948 von jordanien erobert wurde und von wo, genauso wie in ostjerusalem, die ansässigen juden vertrieben wurden.

    6 Leserempfehlungen
  2. ... wundern sich alle. Aber wenn die israelische Regierung sich einen Dreck um UN und jede halbwegs vertrauenswürdige Stimme in der Weltgemeinstschaft schert (Verbot/Unzulässigkeit des Siedlungsbaus).

    Die Palästinenser werden jeden Tag diskriminiert, eingesperrt, müssen darum betteln, dass Hilfsgüter aus dem Ausland von der israelischen Regierung durchgelassen werden. Das Militär ignoriert kriminelles und rassistisches Verhalten von einigen Siedlern (besonders Hügeljugend). Palästinesisches Land wird vom Militär aus "sicherheitsgründen" beschlagnahmt und am Ende doch für Außen-/Vorposten verwendet, die am Ende "legalisiert" werden zu Siedlungen. Die Liste ist sehr lang.

    Wen wundert es dann wirklich, dass es genügend Nährboden für (verachtungswürdige) Terroristen gibt? Einer, der sich darüber wundert? Einen Hund, den man oft genug schlägt beißt irgendwann zu.

    Und wenn jemand militärisch chancenlos ist, dann schadet er dem "Gegner" so weit er kann. Und wenn er so schwach ist wie die Palästinenser, dann richtet er sich auch leider gegen die Zivilbevölkerung.

    18 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Bashu
    • 09. Mai 2013 16:29 Uhr

    wie ich sie auch sehe.

    Durch militärische Unterdrückung schaden die Israelis ihrem "Gegner" zwar materiell, aber moralisch und mental bauen sie ihn auf! Die palästinensische Jugend ist dadurch aber wahrscheinlich so radikalisiert, dass auch eine Beschwichtigungspolitik nicht wirksam wäre. Die Geister, die ich rief....

    Vor 60 Jahren hätten beide Seiten aufeinander zugehen können und einen gemeinsamen (nicht explizit-jüdischen und nicht explizit-arabischen) Staat schaffen können, einen Staat für alle Menschen in Palästina. Man würde jetzt vielleicht in Frieden und Reichtum leben.

  3. Wann immer ich in der ausländischen Presse etwas über das israelische Siedeln lese oder mit Ausländern darüber ins Gespräch komme, stelle ich fest, dass es außerhalb Deutschlands wesentlich weniger Verständnis für das israelische Siedeln gibt. Die Welt versteht die Siedler nicht. Was denken die? Was erlauben die sich! -
    Seit meiner Kindheit höre ich von Siedlungen. Ich bin sicher, dass eine Umfrage im gesamten westlichen Teil der Welt, Israel eingeschlossen, den Rückbau aller Militäreinrichtungen und die Schlüsselübergabe fertiger Häuser an ausgewählte oder ausgeloste Palästinenserfamilien, bis auf den Status zurück, auf den Oslo zielte, als topp-favorisierte Option ergäbe. Ich denke, man müsste das wirklich mal machen. Die Welt hat doch die Nase voll: Illegales Siedeln, internationale Proteste, Zusicherungen der Israelischen Führung, kurze Pause, illegales Siedeln, internationale Proteste, Zusicherungen der Israelischen Führung, kurze Pause, und so weiter, immerfort, seit X Jahren. Das geht dem ganzen Westen zwar gehörig auf die Nerven, aber Israel wird dadurch immer größer und ein Staat der Palästinenser immer unwahrscheinlicher. Keine andere Nation siedelt. Die Zeiten sind vorbei. Das ist Konsens, und zwar seit Langem. Wenn Israel es wünscht oder braucht, kann eine explizite UN-Resolution womöglich einstimmig verabschiedet werden, kein Staat der Welt würde sich der Stimme enthalten.

    19 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Bashu
    • 09. Mai 2013 16:37 Uhr

    Das ist mMn die Strategie. Die Staat errichtet doch nicht mit viel Geld Siedlungen, um sie irgendwann wieder auf internationalen Druck an die Palästinenser zu verschenken, das wäre absurd.

    Wenn man nur genug Leute dort angesiedelt hat und genug Palästinenser zurückgedrängt hat: Wer wird noch bleiben, um Forderungen zu stellen? Wer wird all die Siedler nach jahrzehnten wieder vertreiben wollen?

    Hier wird auf Zeit gespielt und Fakten werden geschaffen. Mit viel Fingerspitzengefühl bewegt sich Israel jenseits des Randes der Legalität, aber immer nah genug daran, dass die Schutzmacht Amerika nicht abspringt. Und mit USA im Rücken kann die UN meckern wie sie möchte.

  4. Deutschland und Polen haben ein um Klassen besseres Verhältnis als Israel und die Palästinenser, das bezweifelt keiner. Was aber würde die Welt, von Polen mal ganz zu schweigen, sagen, wenn Deutschland dort siedelte? Ich finde das musste mal gesagt werden. Fazit: Aus Israel ist anstatt des wunderbaren Reichs Zion ein illegales Gebilde geworden, das stetig wächst.

    13 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • L.J.
    • 09. Mai 2013 11:20 Uhr

    Keine schlechte Idee, ich hol mir den Hof in Oberschlesien einfach wieder von dem meine Grosseltern vertrieben wurden und hiesse dort die D-Flagge. Ne mal ehrlich, wir dürfen wenn nur leise Kritik üben an Isreals Siedlungspolitik, sonst kommt doch eh wieder die Keule, also lasse siedeln wo sie wollen, macht doch eh jeder was er will ausser wir.

    aber man kann sich als Deutscher ganz legal in Polen ansiedeln, genau so, wie man sich als Pole in Deutschland ansiedeln kann. Ich hätte auch nichts gegen Siedlungen der Israelis im Westjordanland, wenn man auch die Palästinenser in Israel sich ansiedeln lassen würde. Das ist eh die einzige verbliebene Lösung. Weg mit der Zwei-Staaten-Lösung. Stattdessen ein gemeinsamer Staat mit gleichen Rechten für beide Bevölkerungsteile.

    • L.J.
    • 09. Mai 2013 11:20 Uhr

    Keine schlechte Idee, ich hol mir den Hof in Oberschlesien einfach wieder von dem meine Grosseltern vertrieben wurden und hiesse dort die D-Flagge. Ne mal ehrlich, wir dürfen wenn nur leise Kritik üben an Isreals Siedlungspolitik, sonst kommt doch eh wieder die Keule, also lasse siedeln wo sie wollen, macht doch eh jeder was er will ausser wir.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Siedeln 2"
  5. Immer wieder neue Provokationen über das "Verwaltungshandeln". Israel weiss, dass es die ehtnische Säuberung auf dem weichen Weg durchsetzen muss: "Soft Ethnic Cleansing".

    Und, liebe Zeit-Redaktion: Die Erkennung und Bezeichnung dieses Musters kann nicht immer auf "Antisemitismus" reduziert werden. In Israel ist vielmehr "Antipalästinismus" eine halboffizielle Staatsdoktrin.

    10 Leserempfehlungen
  6. Grandios wie sich der alte Rassismus mal wieder seinen Weg in die Mitte der Gesellschaft bahnt. In manchen Teilen der Welt dürfen wohl nach Ansicht der aufgeklärten Europäer hier im Forum Juden nicht leben - also auch keine Häuser bauen.

    Aber noch makaberer ist es, dass hier Deutschlands ExGebiete im Osten mit Judäa und Samaria verglichen werden. Dies ist ja gerade ein Beispiel FÜR die Anerkennung der Siedlungen. Nach arabischer Logik ist nämlich Ostpreussen von den ehemaligen Sowjetländern besetzt und demnach sind diese dort also die Siedler.

    Wer also gegen die Tatsache hetzt, dass Juden im Kernland Israels leben, die Ostgebiete aber (richtigerweise) wegen Reparation in den Händen der Siegermächte belassen will, der hat da wohl einige Schwierigkeiten die richtige Analogie zu bilden.

    Hätte Israel 1948 alle Araber vertrieben, so wie es die Russen mit den Deutschen gemacht haben, hätte Israel jetzt Ruhe.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...wäre jetzt also mal klassischer Semitismus, oder?

    Mir scheint, der Rassismus in Israel besteht leider immer wieder in anderer Hinsicht - nämlich in der offenbar weithin herrschenden Meinung, Juden dürften alles machen, was sie wollten.

    Vor kurzem, glaube, sogar hier in der ,,Zeit" selbst gab es einen Artikel drüber, haben ein paar arabischstämmige Menschen es mal vorführenderweise genauso gemacht, wie radikale, jüdische Siedler: Sie haben einfach an einem Ort ihre Zelte aufgeschlagen und begonnen, ein Lager zu bauen. Ohne Waffen, wohlgemerkt.

    Kurze Zeit später kam die israelische Armee und räumte diese neue ,,Siedlung" rigoros.

    Angesichts der Tatsache, dass es eine ganze Reihe von jüdischen Siedlungen in der Region Palästina gibt, die selbst nach israelischem Recht illegal sind, die aber unangetastet existieren oder nur mit Samthandschuhen behandelt werden frage ich mich: Wo besteht da der wirkliche Rassismus, die wirkliche Ungleichbehandlung?

    Auch besteht nachweislich, ebenfalls schon in deutschen Medien dargestellt, eine weit verbreitete Haltung in Israel gegenüber arabischstämmigen Menschen, aber auch etwa afrikanischstämmigen, die man in Deutschland ohne weiteres als rassistisch und fremdenfeindlich bezeichnen und bekämpfen würde.

    [...]

    Rassismus gegen Juden in Israel?
    Nö, in diesem Staat sind sicher nicht die Juden das Ziel der Rassisten.

    Bitte beachten: Man kann alles ganz normal nachprüfen, was ich schrieb.

    Gekürzt. Bitte beachten Sie, dass wir auf diese Seite nicht verlinken möchten. Die Redaktion/jk

    • kael
    • 09. Mai 2013 12:05 Uhr

    "Grandios wie sich der alte Rassismus mal wieder seinen Weg in die Mitte der Gesellschaft bahnt" (Zitat Ende)

    Ihre Unterstellung - "alter Rassismus" - sollten Sie doch bitte einmal erläutern. Ich bin nämlich zu dumm, den unmittelbaren Zusammenhang von Kritik (am Häuserbauen) und Rassismus zu begreifen.

    • Vibert
    • 09. Mai 2013 12:11 Uhr

    hat verschiedene Gesichter, nicht wahr?
    Und Inr Vergleich mit Preussen (?)... Na geschenkt.. Wenn einem sonst nichts mehr einfällt, Unrechtes rechtfertigen zu wollen....

    wischen Polen und Deutschen zum Vorbild nehmen. Trotz verheerender Geschichte herrscht jetzt Niederlassungsfreiheit für beide Seiten.

  7. ...wäre jetzt also mal klassischer Semitismus, oder?

    2 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, ff
  • Schlagworte Benjamin Netanjahu | Behörde | Palästinenser | Israel | Regierung | Westjordanland
Service