Luftangriffe in SyrienIsraels Botschaft an Teheran

Die Luftschläge in Syrien zeigen: Israel will seine Interessen verteidigen. Die Angriffe sind genauso gegen die Hisbollah wie den Iran gerichtet. von , und

Die israelischen Luftschläge in Syrien sind mehr als nur ein kleiner Eingriff in den Bürgerkrieg des Nachbarlandes. Im Kern markieren sie das Ende der Nichteinmischung in den Arabischen Frühling. Und sie deuten an, wohin sich der Konflikt nun entwickeln kann: zu einer Konfrontation zwischen Israel und dem Iran – mit Schauplatz in Syrien

Erst vor wenigen Tagen war eine (iranische) Drohne über israelischem Territorium abgeschossen worden. Möglicherweise hat auch dies dazu beigetragen, dass Israel nicht länger stillhalten wollte. Die Angriffe vom Wochenende sollen einer Waffenlieferung für die libanesische Hisbollah gegolten haben.

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Schon in der Vergangenheit hatte Israel keinen Zweifel daran gelassen, dass es alles tun würde, solche Lieferungen zu verhindern. Dass chemische Waffen in die falschen Hände geraten, tritt angesichts der konkreten Bedrohung fast in den Hintergrund: Präzisionsraketen mit einer Reichweite von einigen Hundert Kilometern, die aus dem Libanon abgefeuert werden könnten, sind für Israel klar das drängendere Problem.

Bislang hatte sich Israel aus dem syrischen Bürgerkrieg weitgehend herausgehalten, obwohl Israel und Syrien offiziell ohnehin seit 1973 im Kriegszustand sind. An der schwer bewachten Grenze war es jedoch ruhig geblieben. Und man wollte weder für oder gegen das Assad-Regime noch für oder gegen die Rebellen Partei ergreifen, weil alle Varianten Risiken bergen. Man muss sich etwa klarmachen, wem eine Schwächung Assads derzeit innerhalb Syriens nutzen würde: Auf Seiten der kämpfenden Opposition haben Kräfte die Oberhand, die Israel eben auch nicht wohlgesonnen sind.

Hisbollah könnte ihr Zuhause verlieren

Doch es gibt auch eine prominente Stimme, die das bereits ganz anders einschätzt. Amos Yadlin, der ehemalige Chef des israelischen Militärnachrichtendienstes und Direktor des Think Tanks Institute for National Security Studies der Universität Tel Aviv, sieht durchaus Vorteile für Israel in der jetzigen Lage. Die aktuelle Krise übe einen enormen Druck auf Syriens Machthaber Assad aus. Einerseits werde die syrische Armee durch die Angriffe Israels geschwächt. Zudem werde die Achse Teheran-Damaskus-Beirut-Gaza zerrüttet. Die Hisbollah könnte dadurch ihr Zuhause verlieren, sagt Yadlin.

Wie stark die syrische Armee betroffen war, ist indes schwer einzuschätzen. Manche Experten sagen zwar, bei den Angriffen seien auch syrische Elitetruppen getroffen worden. Bestätigen lässt sich dies jedoch nicht.

Ebenso wenig ist abzusehen, wie Syrien reagiert. Der syrische Vize-Außenminister Faisal al-Mekdad bezeichnete die Angriffe gegenüber CNN als "Kriegserklärung". Zudem beschuldigte das Außenministerium Israel, mit "terroristischen Gruppen" in Syrien wie der islamistischen Al-Nusra-Front zusammenzuarbeiten, und schrieb an den UN-Sicherheitsrat: Wenn Israel die Angriffe fortsetze, bedrohe das den Frieden und die Sicherheit in der gesamten Region. Auch der syrische Informationsminister Omran al-Subi hielt flammende Reden gegen Israel. Die syrische Regierung werde alles tun, um ihr Volk zu schützen, sagte er. Manche Experten schließen darum einen Vergeltungsschlag Syriens nicht aus.

Leserkommentare
  1. für Israel hat.

    [...]

    Landplünderungen seit über 50 Jahren, Verfolgung vom Moslems auf dem Tempelberg, morden von Zivilisten in Gaza.

    Jetzt werden mal eben die Grenzen vom Nachbarstaat Syrien verletzt.

    [...]

    Gekürzt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen Kommentarstil. Danke, die Redaktion/sam

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    • F262
    • 06. Mai 2013 16:16 Uhr

    Achja ?!
    Welcher Staat beliefert denn radikale Islamisten mit Waffen??
    Die dann Raketen auf ZIVILISTEN schießen??
    Im welchen Staat leben die Menschen unfrei, wo die Mullahs das sagen haben ???
    Syrien hat auch unangekündigt Israel angegriffen (Jom-Kippur-Krieg)
    Also bei Ihnen ist die Realität abhanden gekommen!!!

    http://www.kriegsberichte...

    Sie werden feststellen, dass die meisten Toten in Nahost auf das Konto Israels gehen.

  2. "Im Kern markieren sie das Ende der Nichteinmischung in den Arabischen Frühling."
    In Libyen gab es bereits Luftschläge, sogar in einer stärkeren Form. Man muss die Situation zwischen Israel und Syrien nun wirklich nicht künstlich historisieren, vor allem nicht zu diesem Zeitpunkt.

    ""Unser Arm reicht überall hin" – das ist die Botschaft des Landes an den Iran."
    Die geringe Entfernung zwischen Syrien und Israel lässt solche Militärschläge zu. Der Iran hingegen liegt so weit entfernt, dass die selben militärischen Mittel nicht eingesetzt werden können. Wie sollen dann die jetzigen Angriffe dem Iran verdeutlichen können, dass der israelische Arm bis dort hinreiche? Tschuldigung, aber dieser Zusammenhang wirkt sehr bemüht.

    An vielen weiteren Stellen wirkt der Artikel mangelhaft analysiert und wirkt eher wie ein Kommentar. Ein aufgeblähter, leider.

    12 Leserempfehlungen
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    also wirklich. Die Zeit würde sogar einen unprovozierten Atomschlag gutschreiben. Ist ihr Job.

  3. Und wieder. Israelfeindliche Kommentare lassen nicht lange auf sich warten.
    Ich selbst war nie in der Region, habe jedoch Bekannte, die dort einige Zeit lebten. Ihre Aussage: Die Konflikte sind zu zahlreich, die Situation zu komplex, als dass man sie als Außenstehender so einfach verstehen könnte.

    Israel lebt in einem Pulverfass. Und es ist mächtig, trotz seiner vergleichsweise geringen Größe. Was bleibt ihnen übrig, als sich aktiv einzumischen, damit man nicht überrannt wird?

    Ohne dass dies irgendeine Art von Kriegsverbrechen legitimiert, muss doch anerkannt werden, in welch verzwickter Situation sich dieses kleine, hochgerüstete Land befindet.

    Israel wehrt sich nicht aus purer Aggression, sondern aus dem Zwang, der aus dem puren Vernichtungswillen der umliegenden Staaten resultiert.

    Kein Herz, aber Verständnis für Israel.

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    Sie schreiben Israel befände sich in einer verzwickten Situation für das es nichts könne. Es ist ein so kleines Land und dabei so stark bewaffnet, dass es einfach um sich schießen muss. Richtig? Sie sprechen von Zahlreichen Feinden, die sich einfach so gegen Israel gewandt haben und Israel ist das bis an die Zähne bewaffnete Opfer, welches Ohne Absprache mit Bündnispartnern (oder vielleicht doch) sich rausnimmt In einen Konflikt Einzugreifen, der nicht in unmittelbarer Bedrohung zu Ihm steht. Nach Ihrer Argumentation ist es legitim los zu schlagen, wenn es so aussieht, das der "Feind" es vor einem tun könnte. Unter diesen Voraussetzungen, würden wir uns alle zusammenschießen. So hat es Israel auch schon mit Ägypten im 6. Tage krieg gemacht, weil es aufgrund der Macht Ägyptens davon ausging angegriffen zu werden. Kann einem schon leidtun. In meinen Augen ist Israel ein kleiner tollwütiger Köter, der wild um sich beißt, wenn man Ihm zu ebenbürtig wird.
    Es muss sich bedroht fühlen aufgrund SEINES Verhaltens.

  4. Die friedliebenden Kräfte in Israel haben glücklicherweise die Überhand und sind bereit zu handeln, sobald Gefahr am Horizont auftaucht. Als winziger Staat kann Israel keinen Angiff abwarten, man wäre sofort existentiell bedroht. Völkerrechtlich kann deshalb keine Frage bestehen, ob der Veteidigungsangriff auf die Waffenlieferung an die Hizbollah legitim war. Jeder Staat hat das Recht auf Selbstverteidigung und aufgrund der geringen Grösse Israels beginnt dieses legitime Recht nicht erst an den Landesgrenzen. Speziell bei einem zu erwartenden Angriff eines Koloss wie dem Iran müssen beizeiten deutliche Signale gesendet werden.

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    die Sie in Ihrem Kommentar verbreiten. Nach Ihrer Auffassung dürfen die "friedliebenden Kräfte in Israel" so ziemlich alles, so sie nur ihr Existenzrecht bedroht sehen - nach Ihrem Gusto auch länderübergreifend.
    Völkerrechtlich sei das keine Frage ? Die Frage wird gar nicht erst zugelassen, oder wie ??

  5. 5. Wer...

    ...die Durchlieferung von Waffensystemen von undemokratischen Regimen (Iran) an Terrororganisationen (Hizbollah) duldet oder befördert, wie es das Regime in Damaskus auf seinem Restterritorium unverfroren tut, der darf sich nicht wundern, wenn Israel an seine vitalen und berechtigten Interessen denkt, und den Nachschub auch einmal kurzerhand unterbindet.

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    Israel behauptet lediglich, dass es diese Raketen gegeben hat. Warum sollten wir Israel das glauben? Die sind bis aufs Blut verfeindet mit dem Iran. Soweit ich mich erinnern kann, behauptet Israel alle paar Wochen die krudesten Dinge über den Iran. Bewahrheitet und bewiesen worden ist nie was davon.

    Zumal es sich hier NICHT um einen gerechtfertigten präventiven Angriff handelt. Denn sowas gibt es nicht. Wer ein anderes Land bombardiert, erklärt diesem den Krieg. Da gibt es nicht zu rütteln. Israel hat internationales Recht gebrochen und Punkt.

    Präventiv ein land bombardieren? Muss jetzt jedes land, dass Raketen hat die eventuell bis nach Israel reichen Angst haben, dass die Flieger kommen?

    Zumal es an Feigheit kaum zu überbieten ist, das vom Bürgerkrieg geschwächte Syrien gerade jetzt anzugreifen.

    • F262
    • 06. Mai 2013 16:16 Uhr

    Achja ?!
    Welcher Staat beliefert denn radikale Islamisten mit Waffen??
    Die dann Raketen auf ZIVILISTEN schießen??
    Im welchen Staat leben die Menschen unfrei, wo die Mullahs das sagen haben ???
    Syrien hat auch unangekündigt Israel angegriffen (Jom-Kippur-Krieg)
    Also bei Ihnen ist die Realität abhanden gekommen!!!

    8 Leserempfehlungen
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    • FLH80
    • 06. Mai 2013 16:28 Uhr

    Die Lieferanten sind die großen Rüstungsproduzenten der Welt.
    Allen voran die USA, Russland, aber auch Deutschland und Frankreich u.a.!!
    Die Libyer liefern momentan die vor 2 Jahren gelieferten Waffen weiter an "ihre Freunde" in Syrien, die Saudis und Kataris machen ebenfalls munter mit oder bezahlen die Rechnungen... Die Iraner machen das wahrscheinlich ebenfalls genau so...
    Die Ansicht, dass es bei den Empfängern gute Waffenempfänger auf der einen Seite und böse auf der anderen gibt, können Sie getrost ins Reich der politischen Märchen verbannen.
    Wer Waffen produziert und (direkt oder indirekt) an Kriegsparteien in Syrien oder an ihre Unterstützer liefert, egal an wen, macht sich mitschuldig an dem Morden!!

    • FLH80
    • 06. Mai 2013 16:18 Uhr

    wodurch ist denn bewiesen, dass die Angriffe wirklich Raketen aus iranischer Produktion stammen und nicht vielleicht (wahrscheinlicher!) aus russischer.
    [...] Für den Abschuss von Raketen braucht man eine Menge an Hilfstechnik... (s. die Patriot-Batterien der Bundeswehr in der Türkeit). Es müsste ja doch mit dem Teufel zugegangen sein, wenn die Israelis 35 km hinter den Golanhöhen jetzt erst mitbekommen hätte, dass da ganze Batterien von iranischen Raketenbasen stehen...
    Nein, meiner Meinung nach geht es offen um Israel gegen Syrien und um die Vormachtstellung in der Region.
    Iran ist ein Popanz, mit dem Israel (nach gründlicher, medialer Vorbereitung) der Weltöffentlichkeit alles verkaufen kann...

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Polemik. Danke, die Redaktion/sam

    4 Leserempfehlungen
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    "Nein, meiner Meinung nach geht es offen um Israel gegen Syrien und um die Vormachtstellung in der Region."
    Was ja auch nicht NUR negativ wäre. Immerhin repräsentiert Israel auf wenigen Quadratkilometern die Demokratie, inmitten einer riesigen Wüste diktatorischer Regime. Wir sollten schon für die Vormachtstellung der Demokratie sein, ansonsten könnten wir ideolgisch einpacken.

  6. Es ist beklemmend zu sehen, wie im Nahen Osten militärische Gewalt die Außen- und Innenpolitik scheinbar aller Nationen durchdringt und bestimmt. Clausewitz sah den Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln an. Hier scheinen kriegerische Mittel die Politik vollständig er- oder besser zersetzt zu haben. Das alleinige Streben nach militärischer Dominanz über die andere Nation, Konfession oder Ethnie, der Nachbar als Feind und das Denken in Null-Summen-Spielen wird den Nahen Osten kurz über lang in eine entsetzliche Tragödie führen. Es ist immer wieder tragisch, dass Menschen offenkundig nicht in der Lage sind, aus der Geschichte zu lernen. Europas entsetzliche Kriege scheinen außerhalb des alten Kontinents niemanden zu interessieren.

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    • Apoxx
    • 06. Mai 2013 17:49 Uhr

    Sie haben leider Recht obwohl man doch gerade von Israel erwarten sollte, von einem Volk, das die Folgen des Zweiten Weltkrieg am stärksten erleiden musste, alles menschenmögliche zu tun um ganau so etwas zu verhindern.

    Vielleicht ist aber auch genau der Punkt nie wieder "Opfer" werden zu wollen, deshalb massiv aufzurüsten und sich über alle internationale Konventionen zu stellen und nicht nur Verteidungskriege zu führen, mit der Folge irgendwann dann aber die Rückendeckung der Verbündeten zu verlieren, oder den Hass aller Nachbarländer derart zu fördern, der direkte Weg Richtung (Welt-)Krieg.
    Klingt doch ziemlich nach der deutschen Geschichte, oder?

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