Israelische Luftangriffe auf Ziele in Syrien lassen die Gefahr einer regionalen Eskalation des seit zwei Jahren andauernden Bürgerkriegs steigen. Ein ranghoher israelischer Verantwortlicher bestätigte, dass die Luftwaffe seines Landes Angriffe auf eine für die libanesische Hisbollah-Miliz bestimmte Waffenlieferung geflogen hat.

Die "aus dem Iran stammenden Waffen" seien in der Nähe des Flughafens von Damaskus beschossen worden, sagte der Verantwortliche, der namentlich nicht genannt werden wollte. Der israelische Rundfunk berichtete unter Berufung auf westliche Geheimdienstvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Fateh-110. Diese Raketen haben eine Reichweite von etwa 300 Kilometern. Syrien diene als "Transitland" für iranische Waffenlieferungen an die Hisbollah.

Im syrischen Staatsfernsehen hieß es dagegen, israelische Raketen hätten einen Militärstandort in der Ortschaft Dschamraja  am nördlichen Rand der Hauptstadt Damaskus getroffen. Angaben über mögliche Verletzte oder Tote gab es nicht. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, dass die Kasernen einer Elite-Einheit des Militärs und der Republikanischen Garde sowie eine Forschungseinrichtung angegriffen worden seien.

Syrien warnt mit Vergeltung

Das syrische Kabinett sagte nach einer Sondersitzung, die Luftangriffe hätten "die Tür zu allen Möglichkeiten weit geöffnet". Die syrische Regierung werde alles tun, um das syrische Volk zu schützen, sagte Informationsminister Omran al-Subi. Die Lage in der Region sei nun gefährlicher geworden.

Der syrische Vize-Außenminister Faisal al-Makdad wurde noch deutlicher und bezeichnete die Luftschläge als "Kriegserklärung" Israels. Dem US-Nachrichtensender CNN sagte er, Syrien werde zu gegebener Zeit Vergeltung üben.

Sein Ministerium schickte ein Schreiben an den UN-Sicherheitsrat und an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Wenn Israel seine Angriffe fortsetze, werde das die Spannungen in der Region erhöhen, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana aus dem Brief. Dies könne zu einem Krieg führen, der Frieden und Sicherheit in der Region wie auch auf der ganzen Welt bedrohe.

Der UN-Sicherheitsrat müsse nun seiner Verantwortung gerecht werden und die israelischen Angriffe stoppen, hieß es in dem Brief.  Das syrische Außenministerium beschuldigte Israel zudem, mit "terroristischen Gruppen" in Syrien wie der islamistischen Al-Nusra-Front zusammenzuarbeiten.

Obama verteidigt Israel

Auch Ägypten verurteilte die Luftangriffe als Aggression und Bedrohung der Sicherheit in der Region. US-Präsident Barack Obama sprach dagegen Israel das Recht zu, Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden, nahm aber keinen Bezug auf die Angriffsmeldungen. Der britische Außenminister William Hague mahnte, die jüngsten Ereignisse zeigten "die wachsende Bedrohung des Friedens in der ganzen Region durch die Syrienkrise".

Israelischen Regierungskreisen zufolge hatte es bereits in der Nacht zum Samstag einen Luftangriff auf ein Ziel in Syrien gegeben, um Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden. Ein US-Regierungsvertreter sprach von einem Angriff auf ein Gebäude. Syrische Rebellen hatten dagegen angegeben, dass die Attacke einem Fahrzeug-Konvoi gegolten habe, der Raketen an die Hisbollah im Libanon liefern sollte.

Schon im Januar hatte die syrische Armee Israel vorgeworfen, das militärische Forschungszentrum in Dschamraja angegriffen zu haben. Eine offizielle Bestätigung aus Jerusalem gab es dafür nicht, allerdings hatte  Verteidigungsminister Ehud Barak die Attacke seinerzeit indirekt eingeräumt, indem er kurz darauf sagte, das wenige Tage zurückliegende Ereignis sei ein "weiterer Beweis, dass wir meinen, was wir sagen".