Luftangriffe bei DamaskusSyrien droht Israel mit Vergeltung

Syrien hat Israel nach nächtlichen Bombardierungen in Damaskus scharf attackiert und den UN-Sicherheitsrat zum Handeln aufgefordert. Präsident Obama verteidigt Israel.

Israelische Luftangriffe auf Ziele in Syrien lassen die Gefahr einer regionalen Eskalation des seit zwei Jahren andauernden Bürgerkriegs steigen. Ein ranghoher israelischer Verantwortlicher bestätigte, dass die Luftwaffe seines Landes Angriffe auf eine für die libanesische Hisbollah-Miliz bestimmte Waffenlieferung geflogen hat.

Die "aus dem Iran stammenden Waffen" seien in der Nähe des Flughafens von Damaskus beschossen worden, sagte der Verantwortliche, der namentlich nicht genannt werden wollte. Der israelische Rundfunk berichtete unter Berufung auf westliche Geheimdienstvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Fateh-110. Diese Raketen haben eine Reichweite von etwa 300 Kilometern. Syrien diene als "Transitland" für iranische Waffenlieferungen an die Hisbollah.

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Im syrischen Staatsfernsehen hieß es dagegen, israelische Raketen hätten einen Militärstandort in der Ortschaft Dschamraja  am nördlichen Rand der Hauptstadt Damaskus getroffen. Angaben über mögliche Verletzte oder Tote gab es nicht. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, dass die Kasernen einer Elite-Einheit des Militärs und der Republikanischen Garde sowie eine Forschungseinrichtung angegriffen worden seien.

Syrien warnt mit Vergeltung

Das syrische Kabinett sagte nach einer Sondersitzung, die Luftangriffe hätten "die Tür zu allen Möglichkeiten weit geöffnet". Die syrische Regierung werde alles tun, um das syrische Volk zu schützen, sagte Informationsminister Omran al-Subi. Die Lage in der Region sei nun gefährlicher geworden.

Der syrische Vize-Außenminister Faisal al-Makdad wurde noch deutlicher und bezeichnete die Luftschläge als "Kriegserklärung" Israels. Dem US-Nachrichtensender CNN sagte er, Syrien werde zu gegebener Zeit Vergeltung üben.

Sein Ministerium schickte ein Schreiben an den UN-Sicherheitsrat und an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Wenn Israel seine Angriffe fortsetze, werde das die Spannungen in der Region erhöhen, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana aus dem Brief. Dies könne zu einem Krieg führen, der Frieden und Sicherheit in der Region wie auch auf der ganzen Welt bedrohe.

Der UN-Sicherheitsrat müsse nun seiner Verantwortung gerecht werden und die israelischen Angriffe stoppen, hieß es in dem Brief.  Das syrische Außenministerium beschuldigte Israel zudem, mit "terroristischen Gruppen" in Syrien wie der islamistischen Al-Nusra-Front zusammenzuarbeiten.

Obama verteidigt Israel

Auch Ägypten verurteilte die Luftangriffe als Aggression und Bedrohung der Sicherheit in der Region. US-Präsident Barack Obama sprach dagegen Israel das Recht zu, Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden, nahm aber keinen Bezug auf die Angriffsmeldungen. Der britische Außenminister William Hague mahnte, die jüngsten Ereignisse zeigten "die wachsende Bedrohung des Friedens in der ganzen Region durch die Syrienkrise".

Israelischen Regierungskreisen zufolge hatte es bereits in der Nacht zum Samstag einen Luftangriff auf ein Ziel in Syrien gegeben, um Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden. Ein US-Regierungsvertreter sprach von einem Angriff auf ein Gebäude. Syrische Rebellen hatten dagegen angegeben, dass die Attacke einem Fahrzeug-Konvoi gegolten habe, der Raketen an die Hisbollah im Libanon liefern sollte.

Schon im Januar hatte die syrische Armee Israel vorgeworfen, das militärische Forschungszentrum in Dschamraja angegriffen zu haben. Eine offizielle Bestätigung aus Jerusalem gab es dafür nicht, allerdings hatte  Verteidigungsminister Ehud Barak die Attacke seinerzeit indirekt eingeräumt, indem er kurz darauf sagte, das wenige Tage zurückliegende Ereignis sei ein "weiterer Beweis, dass wir meinen, was wir sagen".

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Leserkommentare
  1. Ich sehe hierin einen erneuten Missbrauch bzw. die Überdehnung des Präventivschlagbegriffs. Dass Israel wieder mal angebliche Waffenlieferungen an die Hisbollah als Grund angibt, könnte genauso gut ein Vorwand, für den Beginn eines militärischen Eingreifens in den laufenden Konflikt in Syrien sein. Im Übrigen besagt das Völkerrecht, dass Militärschläge bei entfernten Gefahren nicht zulässig sind.

    Wann hat ein aggressives, das Völkerrecht und Atomwaffensperrverträge missachtendes Regime, dem sogar “rassistische Momente“ bescheinigt werden, die „rote Linie“ überschritten? Wie reagieren seine Verbündeten darauf? Wie lange wartet man mit Embargos, Sanktionen, Resolutionen und Anklagen?

    Bis zum Auslösen eines überregionalen Konfliktes oder gar eines Atomkrieges?

    Die Einberufung eines Gremiums auf höchster Ebene und eine klare Botschaft an den Aggressor, ist das Mindeste und Dringendste, was hier vonnöten wäre.

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    Langsam eskaliert die Situation.
    ""The new Israeli attack is an attempt to raise the morale of the terrorist groups which have been reeling from strikes by our noble army," Syrian television said, referring to recent offensives by President Bashar al-Assad's forces against rebels.
    The British-based Syrian Observatory for Human Rights quoted eyewitnesses in the area as saying they saw jets in the sky at the time of the explosions.
    It said the blasts hit Jamraya as well as a nearby ammunition depot. Other activists said a missile brigade and two Republican Guard battalions may also have been targeted in the heavily militarized area just north of Damascus."

    http://www.reuters.com/ar...

    NTV berichtet: Obama: Israel ist im Recht

    Über mögliche Verletzte oder Tote lagen zunächst keine Informationen vor..
    US-Präsident Obama hatte Israel ganz allgemein das Recht zugesprochen, Waffenlieferungen an die Hisbollah-Miliz zu unterbinden.

    http://www.n-tv.de/politi...

    Offensichtlich nutzt Israel "das Recht der Selbstverteidigung", nachdem der Friedensnobelpreisträger Obama grünes Licht gegeben hat.

    Fazit: wenn es nicht so tragisch wäre, obskurer geht es nicht mehr.

    Jetzt kämpfen, um einen Spruch von Herrn Joffe zu erweitern, die USA und AlKaida sowie Israel die Arabische Liga Seit an Seit.

    Obama schweigt und selbst Westerwelle bekommt Recht. Der Flächenbrand beginnt.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Polemik. Danke, die Redaktion/sam

    Wieso sollte die int. Staatengemeinschaft, wer immer das auch seien mag, den jüd. Staat zügeln. [...]

    Wenn das jüdische Volk eine Lehre aus dem Holocaust gezogen hat, ist es, dass es keinen auf der Welt um Erlaubnis bitten muss, sich selbst zu helfen.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf relativierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/sam

    oder etwa doch? Man sieht mal wieder ,wenn zwei das Gleiche tun,ist es eben noch nicht dasselbe. Die Einen haben anscheinend Narrenfreiheit,während die Anderen umgehend an den Pranger und womöglich als Gefahr abgestempelt werden.Solange die grösste Weltmacht dahintersteht,wird dort über Recht und Unrecht entschieden,so muss man auch deren Einmischung in die inneren Angelegenheiten einew souveränen Staates,denn das ist Syrien immer noch ,eine Selbstverständlichkeit ,auch für unsere -Merkel- Regierung?

  2. ohne dass es dafür ein UNO-Mandat gibt.

    Und die Meldungen darüber tauchen irgendwo unten bei "ferner liefen" auf. Ketzerische Frage: Wäre das Presseecho ebenso flau, wenn Syrien Präventivschläge gegen israelische Ziele geflogen hätte?

    Immerhin ist das da unten ein Pulverfass. Wenn das hochgeht, hat das weit reichende Auswirkungen. Ich finde, die Platzierung der Meldung reflektiert nicht deren Wichtigkeit.

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    • thikwa
    • 05. Mai 2013 15:26 Uhr

    Seit dem Überraschungsangriff Syriens auf Israel am 6. Oktober 1973 befinden sich Israel und Syrien, das seitdem jedes Friedensangebot von Israel (Land für Frieden) abgelehnt hat, im Kriegszustand. Es ist also völkerrechtlich völlig legitim, dass Israel Angriffe in Syrien fliegt.

  3. Langsam eskaliert die Situation.
    ""The new Israeli attack is an attempt to raise the morale of the terrorist groups which have been reeling from strikes by our noble army," Syrian television said, referring to recent offensives by President Bashar al-Assad's forces against rebels.
    The British-based Syrian Observatory for Human Rights quoted eyewitnesses in the area as saying they saw jets in the sky at the time of the explosions.
    It said the blasts hit Jamraya as well as a nearby ammunition depot. Other activists said a missile brigade and two Republican Guard battalions may also have been targeted in the heavily militarized area just north of Damascus."

    http://www.reuters.com/ar...

    NTV berichtet: Obama: Israel ist im Recht

    Über mögliche Verletzte oder Tote lagen zunächst keine Informationen vor..
    US-Präsident Obama hatte Israel ganz allgemein das Recht zugesprochen, Waffenlieferungen an die Hisbollah-Miliz zu unterbinden.

    http://www.n-tv.de/politi...

    Offensichtlich nutzt Israel "das Recht der Selbstverteidigung", nachdem der Friedensnobelpreisträger Obama grünes Licht gegeben hat.

    Fazit: wenn es nicht so tragisch wäre, obskurer geht es nicht mehr.

    Jetzt kämpfen, um einen Spruch von Herrn Joffe zu erweitern, die USA und AlKaida sowie Israel die Arabische Liga Seit an Seit.

    Obama schweigt und selbst Westerwelle bekommt Recht. Der Flächenbrand beginnt.

    17 Leserempfehlungen
  4. 4. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Polemik. Danke, die Redaktion/sam

    • Lyaran
    • 05. Mai 2013 14:21 Uhr

    Nachdem der erste Test gelungen war und niemand aufmuckte folgte nun der zweite Streich. Was auch immer da angegriffen wurde wird man wenn überhaupt wohl erst später erfahren. Fest steht aber das in einem anderen Land ein Ziel angegriffen wurde. Israel hat sich wohl daran gewöhnt nach belieben die souveränität anderer Länder verletzen zu können ohne das irgendwelche Folgen zu befürchten währen, ausser mehr Anschlägen vielleicht.
    Ich sehe diese Region noch lange nicht in Frieden. Hoffentlich müssen wir uns in 30-40 Jahren nicht mit einem Terror-Staat Israel befassen.

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    • thikwa
    • 05. Mai 2013 15:47 Uhr

    Seit Anfang 2011 tobt im Nachbarstaat Israels ein Bürgerkrieg, bei dem bisher nach Einschätzung der UN bis zu 70 000 Menschen gestorben sind. Das syrische Regime setzt nach einem Bericht von Human Rights Watch systematisch Folter ein, im Sinne von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Im Zuge des Bürgerkrieges wird von zahlreichen Massakern berichtet, auch seiten der Freien Syrischen Armee. Die syrischen Streitkräfte verfügen über Chemiewaffenbestände mit geschätzt 500-1000 Tonnen Sarin und Tabun, dazu über entsprechende Scud-D Trägerrakten mit bis zu 700km Reichweite. Sollten diese Waffen in den Hände der Hisbolla fallen, würde dies eine immense Bedrohung für die Bevölkerung Israels darstellen. Ich finde es erschreckend, wie vor diesem Hintergrund hier in den Kommentaren das Bild der Lage so verdreht wird, dass Israel nun als "Terror-Staat", "Aggressor" und "Kriegstreiber" dargestellt wird.

  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/sam

    • conure
    • 05. Mai 2013 14:42 Uhr

    "Retired U.S. Army Colonel Lawrence Wilkerson, who once served as Secretary of State Colin Powell’s Chief of Staff, believes that the chemical weapons used in Syria may have been an Israeli “false flag” operation aimed at implicating Bashar Assad’s regime...........
    Wilkerson said that the evidence that it was Assad’s regime that had used the chemical weapons was “flaky” and that it could very well have been the rebels or Israel who were the perpetrators. Asked why Israel would do such a thing, Wilkerson said: “I think we’ve got a basically geostrategically, geopolitical inept regime in Tel Aviv right now.”"Haaretz

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    verschwörungstheorie.com?

  6. Wieso sollte die int. Staatengemeinschaft, wer immer das auch seien mag, den jüd. Staat zügeln. [...]

    Wenn das jüdische Volk eine Lehre aus dem Holocaust gezogen hat, ist es, dass es keinen auf der Welt um Erlaubnis bitten muss, sich selbst zu helfen.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf relativierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/sam

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    sowie andere religiöse Schriften sind in der internationalen Politik einen feuchten Dreck wert. Danke.

    Ein Übergriff, egal welchen Staates auf einen andeen ist unentschuldbar, auch wenn der Aggressor Israel heißt.

    • AndreD
    • 06. Mai 2013 14:47 Uhr

    Syrische Flugzeuge attackieren eine israelische Waffenfabrik und sagen, dass sie das hätten tun müssen, weil die Israelis damit die Palästinenser hätten angreifen können.

    Wie hätte die Weltgemeinschaft reagiert?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, sre, jt
  • Schlagworte Israel | Barack Obama | Syrien | CNN | Hisbollah | UN-Sicherheitsrat
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