Giulio Andreotti im Jahr 2006 © Max Rossi/Reuters

Der langjährige italienische Regierungschef Giulio Andreotti ist tot. Der Politiker starb am Montag im Alter von 94 Jahren in Rom, teilte seine Familie mit. 

Er war über Jahrzehnte einer der mächtigsten Politiker Italiens und einer der prominentesten Vertreter der italienischen Christdemokratie. In den Jahren 1972 bis 1992 war er siebenmal Regierungschef; als Minister gehörte er 33 verschiedenen Regierungen an.  

Andreotti war während seiner aktiven politischen Zeit in zahlreiche Affären verstrickt. Im Jahr 2003 wurde er nach jahrelangen Prozessen vom Verdacht der Zusammenarbeit mit der Mafia freigesprochen, nachdem ihn ein Gericht im Jahr zuvor noch zu 24 Jahren Haft verurteilt hatte. Andreotti war vorgeworfen worden, im Jahr 1979 in die Ermordung des Journalisten Mino Pecorelli verwickelt gewesen zu sein.

Im vergangenen Jahr wurde Andreotti mehrfach mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert. Medienberichten zufolge litt er unter Herzrhythmusstörungen.

Seine politische Karriere begann Andreotti nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. 1947 wurde er ins Parlament gewählt, 1954 war er erstmals Minister. Zunächst wurde er Innenminister, später Finanz-, Verteidigungs- und Außenminister. 1972 führte Andreotti erstmals eine Regierung. Auch in den letzten Jahren vor seinem Tod mischte der Senator auf Lebenszeit noch in der Politik des Landes mit.