AfghanistanMerkel beginnt schwierigen Truppenbesuch

Die Kanzlerin besucht überraschend die Bundeswehr in Afghanistan. Im Mittelpunkt der Reise dürfte aber nicht der geplante Abzug stehen, sondern der Tod eines Soldaten.

Fast eine Woche nach dem Tod eines deutschen Soldaten in Afghanistan ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem überraschenden Truppenbesuch eingetroffen. Merkel landete am frühen Morgen in Begleitung von Verteidigungsminister Thomas de Maizière im Bundeswehr-Hauptquartier in Masar-i-Scharif.

Die Reise der Kanzlerin war schon vor dem Todesfall des deutschen Soldaten geplant, wurde aber aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheim gehalten. Eigentlich sollte der geplante Abzug der Bundeswehr im Mittelpunkt des Afghanistanbesuchs stehen, nun sind es auch die erlittenen Verluste, über die die Kanzlerin sprechen muss. Den deutschen Soldaten in Kundus versprach sie, dass sich Deutschland trotz der schwierigen Lage weiter für das Land engagieren werde. "Wir werden ein Auge darauf haben, dass der politische Prozess hier vorangeht", sagte sie.

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Nach ihrem Eintreffen im Feldlager flog Merkel per Hubschrauber nach Kundus, um den Ehrenhain für verstorbene deutsche Soldaten zu besuchen. Vor knapp einer Woche war in der Provinz Baghlan ein Elite-Soldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) getötet worden. Es war das erste Mal, dass ein KSK-Soldat in Afghanistan starb.

In Kundus wollte Merkel auch mit KSK-Soldaten zusammenkommen. Die Bundeswehr will das Feldlager dort im Herbst an die Afghanen übergeben und den verlustreichen Einsatz in der Unruheprovinz nach knapp zehn Jahren beenden. Die Bundesregierung verwies in den vergangenen Monaten immer wieder darauf, dass sich die Sicherheitslage in Afghanistan durch den Einsatz der Bundeswehr stabilisiert habe.

"Trauer und Betroffenheit"

Als anstehende Aufgaben nannte Merkel die Vorbereitung der Präsidentschaftswahl im April 2014 und den Aufbau der Wirtschaft. "All das vollzieht sich zum Teil mühselig, zum Teil etwas langsamer als wir uns das wünschen", sagte Merkel. "Aber es ist unabdingbar dafür, dass der militärische Einsatz nicht alleine stehenbleibt, sondern dass er wirklich Erfolg hat."

Der deutsche Soldat war während eines Angriffs von Aufständischen im Norden Afghanistans getötet worden, ein weiterer Bundeswehrsoldat wurde verletzt. Die deutschen Spezialkräfte waren zur Unterstützung afghanischer Soldaten nördlich von Baghlan unterwegs gewesen, als Aufständische das Feuer eröffneten.

Merkel hatte "mit Trauer und Betroffenheit" auf die Todesnachricht reagiert. Den deutschen Sicherheitskräften sei "für ihren schweren und oft gefährlichen Einsatz in Afghanistan zu danken", mit dem sie "zu unserer Sicherheit und zu einem stabileren Afghanistan" beitrügen. Mit dem jüngsten Angriff stieg die Zahl der deutschen Soldaten, die in Afghanistan ums Leben gekommen sind, auf 53, 35 von ihnen wurden durch Kämpfe oder Anschläge getötet. Derzeit sind etwa noch 4.300 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stationiert.

Deutschland stellt nach den USA und Großbritannien derzeit das drittgrößte Kontingent der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf. Der Kampfeinsatz der Nato soll zum 1. Januar 2015 enden. Verteidigungsminister de Maizière hatte Mitte April angekündigt, dass danach noch 600 bis 800 Bundeswehrsoldaten in dem Land bleiben sollen.

Ihre Hauptaufgaben sind dann Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte. Laut dem Verteidigungsminister will Deutschland zunächst auch wie bisher als Führungsnation in Masar-i-Scharif präsent bleiben.

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Leserkommentare
  1. Auch nach über 10 Jahren Krieg, müssen sich westliche Politiker wie Diebe in das Land schleichen.

    Eindringlicher kann man den Misserfolg nicht dokumentieren.

    24 Leserempfehlungen
  2. Die Politik sollte sich ernsthafter um die wichtigen Probleme unseres Landes kümmern. Die werden verschleppt, vertagt, vertan.
    Truppenbesuche erinnern mich mehr an längst vergangene Zeioten, als der Krieg das Mittel der Wahl in der Politik war. Welche Schlüsse sollten Bürger aus diesem Verhalten ziehen? Mehr Konflikte kämpferisch anzetteln, damit die Politiker das wahrnehmen - das kann doch nicht gewollt sein.

    11 Leserempfehlungen
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    >> Truppenbesuche erinnern mich mehr an längst vergangene Zeioten, als der Krieg das Mittel der Wahl in der Politik war. <<

    ... aus längst vergangenen Zeiten scheint gerade wieder voll im Trend zu sein.

    Gauck und de Maizière plädieren für mehr gesellschaftliche Akzeptanz von Kampfeinsätzen. Merkel hat schon, als sie noch gar nicht Kanzlerin war, gezeigt wo sie steht, als sie sich vor dem Irakkrieg an Bushs Seite stellte. Heute faselt sie von "Ertüchtigung" und meint damit Waffenlieferungen an mehr als fragwürdige Partner.

    Die Zeiten, als Kriegseinsätze als Mittel aus der Vergangenheit galten, scheinen zu Ende zu gehen.

  3. Kriegsfregatten im persischen Golf lassen keine "Betroffenheit", sondern Durst nach neuen Kriegen der manifestierten Kriegstreiberin Merkel

    (verschenkt Atomwaffen Uboote an nuklear bewaffnete Religionsgemeinschaften, unterstützt Al-Kaidas Schattenarmee in Syrien, Finanziert das Regime in Myanmar bei seinen muslimischen Progromen und die Öldiktaturen der Saudis, Al-Thanis und Khalifas bei der blutigen Unterdrückung der Bevölkerung mit Waffenlieferungen wie Leopard Panzern)

    mit ihrem Kabinett der Scheinheiligen der Westerwelle und ihrem Priester-Präsidenten. April sollte Abzug aus Mali sein, jetzt heist es Dauerpäsenz auch dort. Afghnistan wird dauerbesetzt bleiben, ebenso wie Deutschland und Palästina.

    15 Leserempfehlungen
  4. 4. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die von den Hinterbliebenen als pietätlos verstanden werden können. Danke, die Redaktion/jk

    13 Leserempfehlungen
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    Die Opferzahlen schwanken zwischen 14 und 142, die Opfer waren "Taliban und Kriminelle", so die damals befragten afghanischen Anwohner oder "abgeschlachtete Bauern", so Ihre Darstellung.
    Wo auch immer die Wahrheit liegt...
    http://www.abendblatt.de/...

  5. noch vor der Wahl, bei der in Afghanistan wöchentlich Zivilisten massakriert werden, indem die ISAF-Helden Hellfireraketen auf Wohnhäuser abfeuern und mit ihrer "Doubletab-Technik" warten bis Zivile Helfer die zerfetzten Leichname von Frauen und Kindern aus den Trümmern zerren, nur um dann noch eine Rakete hinterherzuschicken und diese "Sympatisanten" auszumärzen?

    Keine Meinung dazu Frau Merkel? Aber schickes oliv-grünes Outfit (kotz!).

    10 Leserempfehlungen
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    >> Wie wärs mit einer klaren Stellung zum Drohneneinsatz [...] Keine Meinung dazu Frau Merkel? <<

    ... eine Meinung hat sie schon, nur ist das mal wieder eine dieser Merkel-Meinungen, die nur hinter vorgehaltener Hand verkündet werden. Wenn Merkel offen sagen würde, was sie so alles vorhat, müsste sie vermutlich hierzulande im Tarnanzug rumlaufen.

    "Demnach will die Bundesregierung in Zukunft Drohnen kaufen, die auch bewaffnet werden können. "Eine mögliche Bewaffnung der Plattform ist Teil der Überlegung", bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums."

    Netterweise wird noch betont, dass ein Einsatz nur im Rahmen des GG infrage käme - allerdings muss man Selbstverständlichkeiten normalerweise nicht eigens betonen:

    "Dennoch wären diese Flugroboter in der Bundeswehr auch für den Kampfeinsatz gedacht. Ein Einsatz sei aber lediglich gemäß des Grundgesetzes und des vom Bundestag mandatierten Auftrags möglich, heißt es aus dem Verteidigungsminsterium."

    http://www.sueddeutsche.d...

  6. dass der politische Prozess hier vorangeht"

    Ja Frau Dr. Bundeskanzlerin, der politische Prozess!
    Nur um diesen geht es schließlich am Hindukusch.

    Ach, und natürlich unsere Freiheit, die wird dort ja auch noch verteidigt...

    Na ja, Wahlkampfsprüche halt, wir werden uns bis September wohl noch so einigen Mumpitz anhören müssen.

    10 Leserempfehlungen
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    • AndreD
    • 10. Mai 2013 13:28 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/jk

  7. Soldaten in einen Krieg schicken, und dann mit "Trauer und Betroffenheit" reagieren, wenn einer um kommt?

    Ist es denn so überraschend, dass in einem Krieg Menschen sterben?

    Ist es denn so ungewöhnlich, dass der Tod keine nationalen Unterschiede macht?

    Nein! Diese Regierung hat Soldaten in den Tod geschickt und gibt sich nun "traurig und betroffen"!

    Das ist Heuchelei, dass ist Kokettieren mit dem Leid der Betroffenen, billigster Wahlkampf - ekelhaft.

    14 Leserempfehlungen
  8. was nach einen Afghanistan Abzug mit den freien Kapazitäten passieren soll und warum man sich mit "allen vieren" gegen eine humanitäre Intervention in Syrien wehren will.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, zz
  • Schlagworte Angela Merkel | Bundesregierung | Nato | Afghanistan | Anschlag | Ausbildung
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