Korea-KriseNordkorea zieht Raketen von Abschussrampen ab

Wochenlang gab es nur Kriegsdrohungen. Nun soll Pjöngjang zwei Musudan-Raketen von den Startrampen geholt haben. Auch die "höchste Gefechtsbereitschaft" gilt nicht mehr.

Nordkorea hat nach US-Angaben zwei Mittelstreckenraketen von ihren mobilen Abschussrampen an der Ostküste des Landes abgezogen. Die Raketen des Typs Musudan seien in ein Depot gebracht worden, hieß es aus Regierungskreisen. Ein Regierungsvertreter sagte, die USA gingen nicht davon aus, dass die Raketen bald wieder einsatzbereit seien.

Nordkorea hatte die zwei Raketen Mitte April  an die Küste verlegt. Die USA und Südkorea rechneten damit, dass Pjöngjang neue Raketentests vorbereitete. 

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Auch südkoreanische Regierungsbeamte bestätigten den Raketenabzug. Allerdings sei ihr derzeitiger Standort unbekannt, zitierte die Nachrichtenagentur Yonhap einen hochrangigen Beamten. Nach den Angaben aus Südkorea soll das Regime in Pjöngjang auch seine Ende März ausgerufene "höchste Gefechtsbereitschaft" wieder aufgehoben zu haben, und zwar bereits Ende April. Eine Bestätigung aus Nordkorea gab es dazu nicht.

US-Außenminister John Kerry hatte die Regierung in Pjöngjang vor einem Raketentest gewarnt und einen derartigen Schritt als "riesigen Fehler" bezeichnet. Musudan-Raketen haben eine Reichweite von 3.000 bis 3.500 Kilometern und könnten damit beispielsweise den US-Stützpunkt auf der Pazifikinsel Guam erreichen.

Der Konflikt mit Nordkorea hatte sich seit dem dritten Atomtest des Landes im Februar zugespitzt. Pjöngjang hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen den Waffenstillstandsvertrag von 1953 aufgekündigt, den USA einen atomaren Erstschlag angedroht und den Kriegszustand mit Südkorea erklärt. 

Militärmanöver vor der koreanischen Halbinsel

US-Präsident Barack Obama trifft die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye am heutigen Dienstag in Washington. Ein Schwerpunkt ist dabei der Streit über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm. Die USA und Südkorea haben zudem am Sonntag mit neuen Übungen zur U-Boot-Abwehr vor der koreanischen Halbinsel begonnen – nur wenige Tage nach der Beendigung von gemeinsamen Feldübungen, die jährlich stattfinden. Die Übungen sollen bis Freitag dauern.

Nordkorea drohte mit militärischen Schritten, sollte sein Territorium verletzt werden. Das Land werde "sofortige Gegenmaßnahmen ergreifen, sollte auch nur eine einzige Kugel in unsere Gewässer fallen", wurde das südwestliche Frontkommando der Volksarmee von den Staatsmedien zitiert.

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Leserkommentare
    • Mavel
    • 07. Mai 2013 8:31 Uhr

    Ich hoffe, die Medien lernen daraus und geben dem Ganzen beim nächsten Mal nicht so viel Aufmerksamkeit. Nicht dass es noch Trittbrettfahrer gibt...bei Bahnunfällen gilt dieser Codex schon lange.

  1. Werden die USA die frisch stationierten Raketensystem von Guam auch wieder abziehen? Werden die F22-Kampfflugzeuge, die in Korea stationiert wurden, wieder nach Hause fliegen?

    Oder wurde die Eskalation genutzt, um vorgeschobene Positionen zu besetzen?

    Im April 2013 kam eine Studie des australischen Strategic Policy Institute
    (ASPI) über die neuen Luft- und Seekriegspläne des US-Militärs zu dem
    Schluss: „Das Pentagon hat begonnen, über das Undenkbare
    nachzudenken: eine militärische Strategie für einen siegreichen
    potenziellen Krieg gegen China.“

    Die Bundesakademie für Sicherheitspolitik" (BAKS) wird sich Anfang Juni mit Kriegssimulationen gegen China befassen: http://www.german-foreign...

    Die Reporter A. Entous und Julian E. Barnes haben im Wall Street Journal vom 3. April enthüllt, dass das Weiße Haus einen detaillierten Plan abgesegnet hat, das sogenannte „Playbook“, ein Drehbuch, mit dem die Spannungen mit Nordkorea während der 2-monatigen amerikanisch-südkoreanischen Manöver eskaliert werden sollten.

    (“U.S. pledges further show of force in Korea”, The Wall Street Journal, 29. März 2013)

    Nachdem Nordkorea wie erwartet reagierte, wurden moderne Raketensystem auf Guam stationiert. Das ging diesmal viel viel schneller, als die Stationierung der Patriots in der Türkei. War das bereits vorbereitet? Guam liegt näher an China als an Nordkorea und China ist nicht erfreut.

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    "Werden die USA die frisch stationierten Raketensystem von Guam auch wieder abziehen? Werden die F22-Kampfflugzeuge, die in Korea stationiert wurden, wieder nach Hause fliegen?"
    Warum um alles in der Welt sollten die USA das tun?

  2. Frankreich hat gerade eine neue Atomwaffen-Rakete getestet. Der Test ging schief - Rakete ist in der Luft explodiert:

    http://www.welt.de/politi...

    Natürlich ist es etwas ganz anderes, wenn Frankreich Atomraketen testet, das ist mir schon klar, das sind ja die Guten.

    Das die französischen von Raketen von Atom-U-Booten verschossen werden, die sich weltweit in Meeren verstecken, ist unerheblich. Die nordkoreanischen Raketen sind ausschließlich in Nordkorea stationiert.

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    Ja, es ist anders zu beurteilen, wenn es Frankreich (statt Nordkorea) macht. Haben Sie daran Zweifel?

    Es ist schon ein Unterschied ob man echte Atomraketen abfeuert, wie Nordkorea. Oder ob man Langstreckenraketen ohne Nuklearen Sprengkopf abfeuert...

  3. So lange China nicht vorhat Guam mit ballistischen Mittelstreckenraketen anzugreifen dürfte ihnen eine einzelne THAAD Batterie herzlich egal sein...

    Die 2 F-22 dürften wieder auf ihrem Heimatflughafen in Japan stationiert sein, macht im Endeffekt aber keinen Unterschied da die USA in der Lage sind eine ganze Menge Flugzeuge schnell in die Region zu verlegen falls dies notwendig sein sollte.

    Über Frankreich kann man denken was man will, vertrauenswürdiger als der Kim-Clan ist das Land allemal.

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  4. "Werden die USA die frisch stationierten Raketensystem von Guam auch wieder abziehen? Werden die F22-Kampfflugzeuge, die in Korea stationiert wurden, wieder nach Hause fliegen?"
    Warum um alles in der Welt sollten die USA das tun?

    Eine Leserempfehlung
  5. Komisch, jetzt wo der Peng-Peng-Style-Typ jetzt ganz leise einen Rückzieher macht, wird doch offensichtlich wie hohl seine Drohungen war. Klar, in Nordkorea selbst wird es die Bevölkerung kaum mitbekommen, aber wie gedenkt er denn jetzt zukünftig zu drohen? Der Rest der Welt dürfte doch seinen markigen Worten kaum noch glauben schenken. Das müsste Kim Jong-Uncool doch auch wissen.

    Wird er beim nächsten mal einfach auf diese schnöseligen Drohgebärden verzichten und direkt - da das eigene Land eh halb-verhungert ist und im gegenwärtigen vorgesehen Fahrplan störrisch in Richtung Wand fährt - die Endzeit auf der koreanischen Halbinsel einläuten? Ein Ende mit Schrecken also?

  6. Ja, es ist anders zu beurteilen, wenn es Frankreich (statt Nordkorea) macht. Haben Sie daran Zweifel?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Raketentests"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, ff
  • Schlagworte Barack Obama | Nordkorea | Park Geun Hye | Rakete | Südkorea | USA
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