Südkoreanische Unternehmer können möglicherweise schon bald in die von Nord- und Südkorea gemeinsam betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong zurückkehren: Angeblich ist Pjöngjang bereit, über eine Wiedereröffnung des Industriekomplexes zu reden, wenn die betroffenen Unternehmer zu einem Besuch in den Norden kämen. Das berichteten nordkoreanische Medien mit Bezug auf eine Behördenerklärung. Das südkoreanische Ministerium für Wiedervereinigung hält nicht viel vom Vorgehen Pjöngjangs. Es rief Nordkorea auf, mit Südkoreas Regierung zu verhandeln, nicht mit Zivilisten.

Der Industriekomplex Kaesong liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Südkoreanische Unternehmen beschäftigen hier normalerweise mehr als 50.000 Menschen, vor allem aus dem Norden. Obwohl Kaesong für  Pjöngjang eine wichtige Quelle für ausländische Devisen ist, hatte die Regierung im April seine Arbeiter von dort abgezogen und Südkoreanern die Einreise verboten.

Der Konflikt um Kaesong steht im Zusammenhang mit den politischen Spannungen in der Region: Pjöngjang war in den vergangenen Monaten wegen verschärfter Sanktionen auf Konfrontationskurs mit Südkorea und den USA gegangen und hatte unter anderem mit einem Atomschlag gedroht.

Nordkorea zeigt sich versöhnlicher

Zuletzt sucht Nordkorea die Annäherung: Das Land fuhr nicht nur seine aggressive Rhetorik zurück, es ließ auch an der Küste in Stellung gebrachte Raketen wieder abbauen und entsandte einen hohen Militärführer zu Gesprächen nach China. Nordkoreas wichtigster Verbündeter war zuvor im Streit um Pjöngjangs Atomprogramm deutlich auf Distanz gegangen.

Nach chinesischen Angaben sagte der Gesandte in Peking, Nordkorea sei bereit, "den Rat Chinas zu akzeptieren" und Gespräche "mit den betreffenden Parteien" zu führen. Weiter hieß es, Nordkorea wolle sich auf seinen wirtschaftlichen Aufbau konzentrieren und sei bereit, dafür ein friedliches Umfeld zu schaffen.