ParlamentswahlAnschläge überschatten Wahlauftakt in Pakistan

Pakistan steht vor einem historischen Regierungswechsel, doch die Wahl wird von Gewalt begleitet: Bei Anschlägen auf säkulare Kandidaten starben mehrere Menschen.

In der pakistanischen Stadt Karachi warten Wähler, um ihre Stimme abzugeben.

In der pakistanischen Stadt Karachi warten Wähler, um ihre Stimme abzugeben.   |  © Asif Hassan /AFP/Getty Images

In Pakistan sind bei Anschlägen während der Parlamentswahlen mehrere Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Nach Angaben der Polizei wurden bei einem Sprengstoffanschlag in der südpakistanischen Stadt Karachi mindestens elf Menschen getötet und mehr als 30 verletzt. Ziel sei ein Büro der säkularen Awami-Nationalpartei (ANP) gewesen. Andere Quellen berichteten, die Bombe sei in der Nähe eines Wagens explodiert, in dem ein Kandidat der ANP unterwegs war. In der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar seien bei einem Bombenanschlag Nahe eines Wahllokals acht Menschen verletzt worden, berichtete der Chef eines Krankenhauses.

Die meisten der Verletzten bei dem Anschlag in Karachi seien Kinder, sagte die Verwaltungsleiterin eines Krankenhauses. Auch unter den Toten sei ein Kind.

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Die ANP war im Wahlkampf immer wieder von den pakistanischen Taliban (TTP) angegriffen worden. Die mit der Al-Kaida verbündete TTP hält die Wahl für unislamisch und hatte für den Wahltag Selbstmordanschläge angekündigt. Bei Attentaten auf Kandidaten und Parteibüros wurden seit April mehr als 120 Menschen getötet. Die Wahl findet deshalb unter großen Sicherheitsvorkehrungen statt, mehr als 620.000 Polizisten, Paramilitärs und Soldaten sind im Einsatz.  

Es ist das erste Mal seit der Unabhängigkeit Pakistans im Jahr 1947, dass eine zivile Regierung nach dem regulären Ende ihrer Amtszeit durch eine gewählte Nachfolgerin abgelöst wird. 272 der insgesamt 342 Parlamentssitze werden neu vergeben. 

Umfragen zufolge hat die Muslim-Liga (PML-N) des ehemaligen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif die besten Aussichten auf einen Wahlsieg. Sharif war in den neunziger Jahren bereits zweimal Regierungschef. Er wurde vom Militär gestürzt, inhaftiert und musste schließlich das Land verlassen. Nun strebt er nach 14 Jahren wieder an die Macht. In der Schlussphase des Wahlkampfs hatte aber die Partei Tehreek-e-Insaf (PTI) des früheren Kricket-Stars Imran Khan aufgeholt und liegt nun knapp hinter Sharif. Der regierenden Volkspartei (PPP) sagen die Umfragen eine schwere Niederlage voraus.    

Journalist des Landes verwiesen

Noch bis zum Nachmittag sind mehr als 86 Millionen Bürger aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Vorläufige Ergebnisse werden am Sonntag erwartet.

Unmittelbar vor der Wahl hat die pakistanische Regierung den Büroleiter der New York Times ausgewiesen. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf eine Anordnung des Innenministeriums, Declan Walsh sei das Visum wegen "unerwünschter Tätigkeiten" aberkannt worden. Bis zum Ende des Wahltages müsse Walsh das Land verlassen. Die New York Times nannte den Vorwurf "vage und nicht durch Fakten gestützt" und appellierte an das Ministerium, die Anweisung zurückzunehmen. Die pakistanischen Behörden äußerten sich zunächst nicht. 

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Polemik. Danke, die Redaktion/sam

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, kk
  • Schlagworte Pakistan | Parlamentswahl | Nawaz Sharif | Militär | Anschlag | Attentat
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