ParlamentswahlSharif erklärt sich zum Wahlsieger in Pakistan

Ungeachtet von Anschlägen sind viele Pakistaner zur Wahl gegangen. Der frühere Premier Sharif reklamiert den Sieg für sich. Seine Partei liegt in Teilauszählungen vorn.

Der frühere Ministerpräsident Nawaz Sharif während einer Kundgebung vor Anhängern in Lahore

Der frühere Ministerpräsident Nawaz Sharif während einer Kundgebung vor Anhängern in Lahore  |  © Arif Ali/AFP/Getty Images

Begleitet von Bombenanschlägen und Schießereien haben die Pakistaner ein neues Parlament gewählt. Ersten Teilauszählungen zufolge liegt die Mitte-rechts-Partei des ehemaligen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif in Führung. Demnach sind der  Pakistanischen Muslim-Liga-Nawaz (PML-N) 119 der 272 Sitze in der Nationalversammlung sicher. Sharif erklärte sich am Abend bereits zum Sieger. Die PML-N habe die Wahl gewonnen, sagte er vor Anhängern in Lahore.

Den Teilergebnissen zufolge wird die Partei PTI des früheren Kricket-Stars Imran Khan zweitstärkste Kraft. Dahinter liegt die regierende Volkspartei PPP. Das offizielle Ergebnis steht jedoch noch aus.

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Etwa 86 Millionen Menschen waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die pakistanische Wahlkommission kritisierte den Verlauf der Parlamentswahl in der Millionenmetropole Karachi. Die Wahl dort sei nicht frei und fair verlaufen, teilte die Kommission mit. Was die Einschätzung der Kommission für die Gültigkeit der landesweiten Abstimmung bedeutet, blieb zunächst unklar. Zahlreiche Wähler in Karachi hatten über Einschüchterungsversuche und Unregelmäßigkeiten geklagt.

Dennoch wurden aus entlegenen Provinzen ebenso wie aus den Großstädten lange Schlangen gemeldet, die Schließung der Wahllokale wurde um eine Stunde nach hinten verschoben. "Es gibt einen starken Andrang, die Beteiligung ist nach unserem Eindruck höher als beim letzten Mal", sagte der CDU-Europaabgeordnete Michael Gahler aus Islamabad. "Die Drohungen der Extremisten scheinen in Islamabad keine Wirkung zu entfalten." Es werde eine Beteiligung um 60 Prozent erwartet, sagte ein Sprecher der Wahlkommission. 2008 waren es 44 Prozent.

Wahl von Anschlägen überschattet

Wie bereits der Wahlkampf war auch der Tag der Abstimmung von schweren Gewalttaten begleitet. In der Handelsmetropole Karachi wurden Medienberichten zufolge elf Menschen getötet und rund 40 verletzt. Ziel des Anschlags sei das Büro der regierenden Koalitionspartei ANP gewesen, berichteten mehrere Fernsehsender.

Für die Anschläge werden die mit der Al-Kaida verbündeten pakistanischen Taliban verantwortlich gemacht. Sie lehnen die Wahl als unislamisch ab. In der Unruhe-Provinz Baluchistan töteten Aufständische in der Nähe eines Wahllokals zwei Sicherheitskräfte. Vier weitere Menschen kamen bei einer Schießerei zwischen konkurrierenden politischen Lagern an der afghanischen Grenze ums Leben, wie ein Regierungsbeamter mitteilte. In der nördlichen Stadt Peshawar wurden bei einem Anschlag auf Wählerinnen acht Menschen verletzt. Insgesamt wurden in den vergangenen Wochen 120 Menschen getötet.

Ein knapper Wahlausgang und damit wohl verbundene langwierige Koalitionsverhandlungen dürften Reformen in dem wirtschaftlich angeschlagenen Land weiter verzögern. Weit verbreitete Korruption, eine marode Industrie und wiederholte Stromausfälle sind nur einige der Probleme, die die neue Regierung angehen muss. Auch der Kampf gegen Islamisten stellt eine große Herausforderung dar.

Pakistan wurde über Jahrzehnte vom Militär regiert. Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit 1947 übergibt eine zivile Regierung die Regierungsgewalt an andere Zivilisten. Direkt gewählt werden 272 Abgeordnete, weitere 70 Sitze sind für Frauen und Angehörige nicht-muslimischer Minderheiten reserviert. Diese werden auf Basis der in den Wahlkreisen erzielten Ergebnisse verteilt.

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Leserkommentare
  1. Selbst wenn die Wahlen nicht frei und nicht fair waren: 60% Stimmbeteiligung in einem Land, wo man damit rechnen muss, dass Anschläge auf die Wahllokale verübt werden, ist eigentlich ein gutes Zeichen.

    Und es sollte all jenen, die ihre demokratischen Rechte leichtfertig ungenutzt lassen, wieder einmal in Erinnerung rufen, das solche Rechte oft durch unbändigen Willen und grosse Opferbereitschaft errungen wurden und deshalb zu kostbar sind, um sie nicht zu nutzen. Gerade in Ländern, wo man nicht mehr Gefahr läuft, für die Ausübung solcher Rechte mit seinem Leben bezahlen zu müssen.

    4 Leserempfehlungen
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    was Sie schreiben.

    ich denke aber, die Wahlbeteiligung hängt auch, wenn nicht ursächlich, an dem Glauben bzw. der Überzeugung, daß Wahlen etwas ändern.

    So gesehen, ist eigentlich auch die Wahlbeteiligung bei uns überraschend hoch!

  2. was Sie schreiben.

    ich denke aber, die Wahlbeteiligung hängt auch, wenn nicht ursächlich, an dem Glauben bzw. der Überzeugung, daß Wahlen etwas ändern.

    So gesehen, ist eigentlich auch die Wahlbeteiligung bei uns überraschend hoch!

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, lab, ds
  • Schlagworte Pakistan | Parlamentswahl | Anschlag | Koalitionsverhandlung | Taliban | Wahl
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