Parlamentswahlen : Kann die Jugend Pakistan verändern?

Gewalt flankiert den Wahlkampf in Pakistan. Trotzdem verändert sich das Land. Die Jungen wollen neue Politiker – wie das Kricket-Idol Imran Khan.
Junge Anhänger des pakistanischen Politikers Imran Khan © Aamir Qureshi/AFP/Getty Images

Shaam Kazmi sitzt im Schneidersitz auf dem Rasen. Ihre schwarzen langen Haare funkeln in der Sonne. Die Pakistanerin ruht in sich, obwohl ihr Land im Aufbruch ist und sie natürlich auch. Die 26-Jährige will am Samstag die Revolution wählen und die kann nur mit einem kommen: Imran Khan. Die Kricketlegende will die südasiatische Atommacht völlig verändern. Er elektrisiert die Jugend. Denn die hat genug von der korrupten politischen Elite, die sich selbst in die Tasche wirtschaftet und dabei das Land verkommen lässt. Von der Gewaltwelle der Taliban und der mit ihnen verbundenen Mafia-Banden, die weite Teile des Landes immer tiefer in das Chaos stürzen, ohnehin.  

Weder die Polizei noch die Justiz ist in der Lage den Verfall zu stoppen, davon sind vor allem die jungen Menschen in Karachi, Lahore und in der Hauptstadt Islamabad überzeugt. Ihrer Meinung nach muss das alte System durch neue, unverbrauchte Kräfte ersetzt werden. Solchen wie Imran Khan, der mit 60 Jahren zum ersten Mal antritt. Die Jugend ist machtvoll in Pakistan: Fast zwei Drittel der knapp 190 Millionen Einwohner sind unter 30 Jahre alt. Viele nennen sich "politische Konvertiten".

Im Hintergrund von Shaam Kazmi thront die weiße Fassade des Präsidentenhauses der Frauenuniversität Islamabad. Es ist ein Haus, das pakistanische Geschichte atmet. Bis 1996 haben die Premierminister der Atommacht dort residiert und das Land regiert. Nicht immer zu seinem Besten. Regierungschefin Benazir Bhutto lebte hier ebenso wie Militärmachthaber Pervez Musharraf oder Diktator Mohammed Zia ul-Haq. 

Die Väter bestimmen, wen die Familie wählt

Kazmi kommt aus Abbottabad in der Provinz Khyber-Pakhtunkhwa. Dort wo Osama bin Laden von den Amerikanern am 2. Mai 2011 getötet wurde. Dort ist auch eine große Militärakademie Pakistans. Kazmis Vater war Soldat. "Wir diskutieren zu Hause sehr oft über Politik." Das ist ein Novum. Zum einen weil sich die Jugend dank Khan wieder für Politik interessiert und sich deshalb so viele Erstwähler haben registrieren lassen wie noch nie.

Zum anderen wollen die jungen Pakistaner nicht mehr das wählen, was ihnen der Vater vorgibt. "Bei uns zu Hause gibt es keine Restriktionen", sagt Kazim, aber in den ländlichen Gebieten geben die reichen und mächtigen Feudalherren vor, wer zu wählen ist. Da würde bislang großer Druck ausgeübt, was die Familie zu wählen hat. Die Loyalität zur Familie in Pakistan ist extrem hoch. 

Die junge Frau hat an der staatlichen Frauenuniversität ihren Abschluss in Politikwissenschaften gemacht. "Ich war das einzige Mädchen aus meinem familiären Umfeld, das zur Schule geschickt wurde", erzählt Kazim. Die Bildung haben die alten Parteien sehr vernachlässigt, wie so vieles in diesem Land. 

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