Bürgerkrieg : Assads Armee drängt Aufständische zurück

Die syrische Armee hat nach eigenen Angaben einen strategisch wichtigen Sieg errungen: Sie kontrolliert die Rebellenhochburg Al-Kusair – mit Unterstützung der Hisbollah.
Ein Aufständischer in Aleppo zielt auf Stellungen der syrischen Armee © Bulent Kilic/Getty Images

Nur wenige Stunden, nachdem Syriens Machthaber Baschar al-Assad einen Rücktritt ausgeschlossen und die geplante internationale Syrien-Konferenz für sinnlos erklärt hatte, demonstrieren auch seine Truppen Entschlossenheit: Seit Sonntag versuchen sie, die strategisch bedeutende Rebellenhochburg Al-Kusair unter ihre Kontrolle zu bringen. 

Offenbar ist ihnen das gelungen: Nach umfangreichen Luft- und Artillerieangriffen sowie Kämpfen in der Stadt nahmen Armeeeinheiten nach eigenen Angaben das Stadtzentrum ein. "Die syrische Armee kontrolliert den Hauptplatz von Al-Kusair und die umliegenden Gebäude", sagte ein Armeevertreter der Nachrichtenagentur AFP.

Bei ihrem Kampf wurde die Staatsmacht offenbar von der schiitischen Hisbollah-Miliz unterstützt. Ein Hisbollah-naher Informant sagte AFP, vier Mitglieder der libanesischen Miliz seien in Al-Kusair getötet worden.

Wie viele Menschen bei den Kämpfen ums Leben kamen, ist nicht bekannt. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens 52 Getöteten, darunter 21 Rebellen. Ein Regierungssoldat sagte dagegen im Staatsfernsehen, einhundert bewaffnete Männer seien in heftigen Kämpfen getötet worden.

Al-Kusair wurde seit einem Jahr von Aufständischen gehalten. Die Ortschaft liegt in der Provinz Homs, rund hundert Kilometer nördlich von Damaskus und nahe der libanesischen Grenze. Nachdem die Truppen des syrischen Regimes Homs und andere aufständische Städte im Westen Syriens zurückerobert hatten, galt Al-Kusair als die einzige verbliebene Rebellenhochburg nahe der libanesischen Grenze.

Angesichts der neuen Gewalt berief die Arabische Liga  für Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung ein. Die wichtigste syrische Oppositionsgruppe Nationale Koalition fordert ein Ende des "Massakers" in Al-Kusair und beklagte die "barbarischen und zerstörerischen Luftangriffe". Das französische Außenministerium erklärte, Paris sei "zutiefst besorgt" über die Lage in der Stadt und über die Folgen "einer großangelegten Militäraktion des Regimes in Damaskus und seiner Verbündeten". Alle Beteiligten müssten sich dafür einsetzen, "ein neues Massaker an der syrischen Zivilbevölkerung zu verhindern".

Jeder neue Gewaltausbruch, so heißt es in der Erklärung aus Paris weiter, dämpfe die Hoffnung, eine politische Lösung für den Konflikt zu finden. International wird derzeit über eine von den USA und Russland vorgeschlagene Friedenskonferenz für das Bürgerkriegsland diskutiert.     

Syriens Machthaber Assad zeigte sich allerdings skeptisch zu diesen Plänen. Er glaube nicht, "dass viele westliche Länder wirklich eine Lösung für Syrien wollen", sagte er in seinem jüngsten Interview. Außerdem könne eine politische Konferenz den "Terrorismus" nicht beenden. Als Terroristen bezeichnet die Regierung die von islamistischen Kämpfern unterstützten Rebellen.

Assad versucht seit mehr als zwei Jahren, einen Volksaufstand zu unterdrücken, der sich mittlerweile zu einem Bürgerkrieg ausgewachsen hat. Dabei wurden nach Angaben der Vereinten Nationen bislang mindestens 80.000 Menschen getötet, Hunderttausende wurden in die Flucht getrieben.

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