Syrien-KonfliktAssad dankt Hisbollah und Russland

Syriens Machthaber zeigt sich im Interview mit einem Hisbollah-Sender siegesgewiss. Ein Grund: Die ersten russischen S-300-Flugabwehrraketen sind eingetroffen.

Assad in einem Ende Juni ausgestrahlten Interview mit dem syrischen Staatsfernsehen

Assad in einem Ende Juni ausgestrahlten Interview mit dem syrischen Staatsfernsehen  |  © Sana/EPA/dpa

Seit mehr als zwei Jahren dauert der Aufstand gegen das syrische Regime an, seit mehr als zwei Jahren fordern die Rebellen die Entmachtung von Baschar al-Assad. Doch der Staatschef gibt sich siegesgewiss – und bedankt sich bei seinen Unterstützern, die ihm die Macht sichern.

"Das militärische Kräfteverhältnis hat sich jetzt komplett zugunsten der Armee verschoben", sagte Assad in einem aufgezeichneten Interview mit dem Hisbollah-Fernsehsender Al-Manar, aus dem die libanesische Zeitung Al-Akhbar zitierte. Seine Truppen hätten das Schlimmste überstanden. Beigetragen hätten dazu auch russische Waffenlieferungen und Kämpfer der libanesischen Hisbollah-Miliz.

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"Die ersten russischen S-300-Flugabwehrraketen hat Syrien erhalten, der Rest wird bald ankommen", wird Assad zitiert. Damit bestätigte der Staatschef die Ankündigungen Russlands, dem Verbündeten mit hochmodernen Flugabwehrraketen beizustehen. Die USA, Frankreich und auch Israel hatten die Regierung in Moskau mehrfach aufgefordert, die Lieferung zu stoppen.

"Eine Schicksalsgemeinschaft"

Die russischen Rüstungssysteme helfen den Assad-Truppen dabei, die Rebellen zurückzudrängen. Diese hoffen ihrerseits auf Waffenlieferungen insbesondere aus Großbritannien und Frankreich, die nach dem Ende des EU-Waffenembargos gegen Syrien am Freitag möglich sind. Diese stoßen auf Kritik des Kremls.

Neben der russischen Regierung kann sich Assad auch auf die Führung der libanesischen Hisbollah verlassen. Nachdem deren Führer Hassan Nasrallah jüngst dem Regime in Damaskus erstmals öffentlich seine Treue geschworen hat, zeigte sich nun Assad erkenntlich: "Syrien und die Hisbollah bilden eine Schicksalsgemeinschaft", wird er von  Al-Akhbar zitiert. Allerdings, so schränkte er ein, würden die Islamisten nur im Grenzgebiet zum Libanon kämpfen, während die Regierungstruppen "in der Schlacht gegen die bewaffneten Gruppen den Befehl führen".

Nach Angaben des französischen Außenministers wird die syrische Armee derzeit von bis zu 4.000 Milizionären unterstützt. Laut Laurent Fabius reichen die Schätzungen aber bis zu 10.000 Kämpfern, einem Vertreter der Freien Syrischen Armee zufolge sollen allein mehr als 7.000 von ihnen an der Offensive gegen die strategisch wichtige Grenzstadt Kusair beteiligt gewesen sein.

"Rebellen weiter bekämpfen"

"Das ist eine inakzeptable und extrem gefährliche Eskalation", fasste am Mittwoch eine Sprecherin des US-Außenministeriums die Befürchtungen der internationalen Gemeinschaft über eine Ausweitung des syrischen Bürgerkriegs zusammen. Um dem vorzubeugen versucht sich Washington – zusammen mit Moskau – an der Organisation einer Friedenskonferenz, die im Juni in Genf stattfinden soll. Allerdings wurde bislang weder ein genauer Termin festgelegt noch die Teilnehmerliste endgültig geklärt.    

Bislang konnte sich die Nationale Syrische Koalition nicht zu einer Zusage durchringen. Die Gruppierung, die sich als Dachorganisation aller Aufständischen versteht, macht ihre Teilnahme weiterhin davon abhängig, dass der Westen die völlige Entmachtung Assads garantiert. Dieser wiederum will das Flugzeug Richtung Schweiz ohne Vorbedingungen betreten – allerdings auch ohne den Willen zum Kompromiss. "Der Kampf ist erst vorbei, wenn alle Extremisten ausgeschaltet sind", soll er laut Al Akbhar dem Hisbollah-Sender Al Manar gesagt haben. "Ich glaube nicht an einen Erfolg des Gipfels und werde die Rebellen weiter bekämpfen."

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Leserkommentare
  1. wieviele Islamisten bei den Aufständischen mitkämpfen und wer diese unterstützt.

    11 Leserempfehlungen
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    • an-i
    • 30. Mai 2013 12:27 Uhr

    (seit August 2012) sprechen von Hilfe der CIA...
    ...wahrscheinlich wieder so ein Desaster wie vormals die Unterstützung der Taliban in Afghanistan...

    Die genaue Prozentzahl würde mich auch interessieren. Aber wenn ich mir die ganzen hochgeladenen Videos auf Liveleak oder Youtube anschaue, wo barbarische Verbrechen von ihnen begangen werden, dann kann ich jetzt schon sagen, dass es die meisten sind.

  2. Zitat: "Die russischen Rüstungssysteme helfen den Assad-Truppen dabei, die Rebellen zurückzudrängen."

    Und wie soll das funktionieren?!?
    Haben die Rebellen/Terroristen etwa eine Luftwaffe???
    Nein, diese Aussage ist nicht wirklich wahrheitsgetreu.
    Treffender wäre eher, das diese Systeme den syrischen Truppen
    dabei helfen externe (Luft)Angriffe abzuwehren.

    39 Leserempfehlungen
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    [...]

    Das russische Flugabwehrsystem hilf Assad nicht, die Rebellen/Terroristen (je nach Standpunkt) zu besiegen. Das schafft seine Armee anscheinend auch so recht gut.
    Sie helfen ihm aber dabei, nicht das gleiche Schicksal wie Ghaddafi zu erleiden.

    Interessant auch, daß man von Russlanfd fordert, keine Waffen nach Syrien zu liefern, während England und Frankreich just angekündigt haben, eben dies tun zu wollen.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    bei Agenturmeldungen.

    Um die journalistische Qualität bei dpa, AFP und REUTERS scheint es nicht gut zu stehen.

    Sie kontrollieren mehrere Flughäfen und es sind auch aus der Luftwaffe Soldaten desertiert. Bekannt geworden sind nur die, die mit ihren Maschinen in die Türkei flohen. Man kann also getrost davon ausgehen, dass sie über ein paar Maschinen verfügen, genauso, dass sie Panzer und Raketen haben.

    Bitte unterlassen Sie es, politisch korrekten Mainstreamjournalismus zu kritisieren.

    Denn merke:
    Waffen für Assad sind schlimm (egal ob zu reinen Verteidigungszwecken oder nicht), Waffen für Rebellen sind gut.

    Danke, ein ZO Leser.

    • Kanzel
    • 30. Mai 2013 12:11 Uhr
    3. […]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie differenzierte Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung
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    • Kanzel
    • 30. Mai 2013 12:29 Uhr

    Dazu bedarf es keinen Kommentar mehr.

    • keo
    • 30. Mai 2013 12:14 Uhr

    ..gegen die Aufständischen? Haben die Flugzeuge von denen ich noch nichts gehört habe?

    20 Leserempfehlungen
  3. wie es überhaupt in Syrien aussieht.

    Das ist ein riesiges Land und man liest immer mal von Kämpfen in Homs, Aleppo, irgendwelche Randbezirke von Damaskus und Al-Kusair.

    Al-Kusair wird bei Spon sogar als "letzte Rebellenhochburg" bezeichnet.

    Hier ein ganz interessanter Bericht aus Aleppo, welcher die Versorgungslage unter den von Rebellen besetzten Stadtteilen thematisiert.
    Services collapsing in Syrian rebel-controlled areas
    http://www.ynetnews.com/a...

    Gibt es irgendwo mal eine Karte Syriens mit einen Überblick über von Rebellen und Assad kontrollierten Gegenden?

    Diese ganze "Rebellion" erscheint mir zunehmend, wie ein vom Westen und SA und Katar erfundenes Potemkinsches Dorf.

    4 Leserempfehlungen
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    "Gibt es irgendwo mal eine Karte Syriens mit einen Überblick über von Rebellen und Assad kontrollierten Gegenden?"

    Sie finden in der aktuellen Print-Ausgabe des Spiegel eine Karte. Danach ist der Nordosten in kurdischer Hand, der ländliche Norden in der Hand jeweiliger Aufständischer und der Süden sowie die syrische Küste und hoch bis Aleppo- bis auf wenige Gebiete - in der der syrischen Armee. Inwieweit die Informationen verlässlich sind, kann ich nicht ausführen.

    Grob scheint es aber so auszusehen, dass im Nordosten die Kurden ihre Gebiete kontrollieren und sich dort von den Islamisten nicht reinspucken lassen (ich tippe mal deswegen die Friedensinitiative der Kurden in der Türkei - die ziehen ihre Leute aus der Türkei nach Syrien ab um dort die Macht zu sichern), dann gibt es den sunnitischen Norden und Osten, um den sich die Regierung recht wenig kümmert, während Assad einen Streifen vom Süden zum Zentrum nach Damaskus und Homs und von dort nach Westen kontrolliert. Die Grenzregion zum Libanon scheint sehr gemischt zu sein, mit vielen lokalen Kämpfen, und Al Kusair scheint eine letzte Hochburg der Rebellen in diesem Gebiet zu sein.

    http://www.nytimes.com/20... scheint davon auszugehen, dass das Land zerfallen wird in drei Teile - von Kurden, Assad, und Sunniten beherrschte.

  4. wenn ihre Schützlinge die Konferenz einfach boykottieren.

    Dass sich die Rebellen so offen gegen den Willen Amerikas wendet, hätte ich eigentlich erst nach dem von de Rebellen herbeigesehnten Sieg über Assad erwartet.

    Wie man hört, richten sich viel der Rebellenwarlords in ihren Herrschaftgebieten gut ein, bringen Handel und Wirtschaft unter ihre Kontrolle und haben vielleicht gar keine große Lust, dass sich bereist jetzt der Status wieder ändert.

    Wirklich ein Höllenfahrtskommando, auf das sich die USA da wieder eingelassen haben. Ich nehme nicht an, dass die USA noch nennenswert Kontrolle haben. Vermutlich wird es wieder ein Jahrzehnt dauern, bis das zugegeben wird.

    4 Leserempfehlungen
  5. Am Ende ist Assad als Despot vielleicht das kleinere Übel als grosse Teile der Opposition, die gedanklich und politisch irgendwo zwischen Mittelalter und religiösem Größenwahn verortet sind.

    25 Leserempfehlungen
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    80000 Tote das kleinere Übel zu nennnen wobei man die alternativr gar nicht kennt. Plus 30000 von seinem Vater und wieder xxx von Assads Nachfolger?! Das kleinere Übel?!

  6. Ich möchte den Artikel mit dem ersten Satz eines Artikels über Syrien kommentieren, der heute auf Freitag.de erschien:

    "Das Forum der Verständigung hat nur dann einen Sinn, wenn der Westen nicht länger der eigenen Propaganda glaubt und zu einem realistischen Lagebild kommt"

    [...]

    "Das ist eine inakzeptable und extrem gefährliche Eskalation", fasste am Mittwoch eine Sprecherin des US-Außenministeriums die Befürchtungen der internationalen Gemeinschaft über eine Ausweitung des syrischen Bürgerkriegs zusammen. "

    gibt eben nicht die Befürchtungen der internationalen Gemeinschaft wieder. Es sei denn Zeit-Online schließt 80% seiner Kommentatoren aus der internationalen Gemeinschaft aus. Die befürchten nämlich, dass eine weitere Einmischung des Westens die Situation eskalieren lässt.

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, kg
  • Schlagworte Russland | Hisbollah | Hassan Nasrallah | Syrien
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