Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) war zu Geheimgesprächen in Syrien. Das ARD-Studio in der jordanischen Hauptstadt Amman berichtet, dass Gerhard Schindler Anfang Mai zusammen mit dem Leiter der BND-Terrorismusabteilung in Damaskus gewesen sein soll. Es soll um die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit beider Länder im Geheimdienstbereich gegangen sein. 

Die Deutschen sollen dem Bericht zufolge Interesse an Erkenntnissen des syrischen Geheimdienstes haben. Die Deutschen könnten an Informationen über festgenommene radikal-islamistische Kämpfer innerhalb der syrischen Opposition interessiert sein, die in den vergangenen Monaten festgenommen wurden. 

Dabei dürfte sich der BND-Chef vor allem für deutsche Islamisten unter den Festgenommen interessieren. Nach Erkenntnissen des Bundesamts für Verfassungsschutz sollen derzeit rund 50 von ihnen am Bürgerkrieg beteiligt sein. Die Tageszeitung Die Welt berichtet über einen radikalen Salafisten aus Düsseldorf, der sich seit einigen Wochen in der Rebellenhochburg Aleppo aufhalten soll.

Der BND wollte offiziell keine Stellungnahme zum ARD-Bericht abgeben, aus Geheimdienstkreisen wurde die Reise Schindlers dementiert. Der deutsche Geheimdienst verfüge über traditionell gute Kontakte nach Syrien, heißt es in dem Bericht der ARD, etwa wegen der Vermittlungen zwischen Israel und der mit Syrien verbündeten Hisbollah. Neben dem BND sollen auch die Geheimdienste aus Italien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Jemen in Damaskus zu Gesprächen gewesen sein.

Eine Zusammenarbeit des deutschen Geheimdienstes mit Syrien würde jedoch die Linie der Bundesregierung im Syrienkonflikt unterlaufen. Deutschland fordert den Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad und unterstützt die syrische Oppositionsbewegung.

Der BND hatte allerdings vergangene Woche sein Lagebild zu Syrien revidiert und eine zunehmende Stärkung der syrischen Armee konstatiert. Die Lage der Rebellen werde von BND-Chef Schindler mittlerweile als prekär eingeschätzt, hatte Spiegel Online berichtet. Assads Truppen verfügen demnach wieder über funktionsfähige Nachschubwege für Waffen und Treibstoff. Sie könnten die Aufständischen zwar nicht besiegen, aber in Schach halten und im laufenden Jahr möglicherweise den ganzen Süden zurückgewinnen.