Die syrische Regierung zeigt sich bereit, gegen die Anschuldigungen von Giftgas-Angriffen vorzugehen. Der Vize-Außenminister Faisal Mokdad sagte, eine Kommission der Vereinten Nationen könnte sofort kommen, um die möglichen Giftgas-Angriffe in Chan al-Assal zu untersuchen. "Wir waren bereit und sind jetzt, in dieser Minute, immer noch bereit, die Delegation zu empfangen", sagte Mokdad.

Syriens Regierung und Opposition werfen sich gegenseitig vor, Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Nach Angaben der Assad-Regierung töteten Rebellen am 23. März in Chan al-Assal in der Nähe von Aleppo mehr als 30 Menschen mit Chemiewaffen. UN-Ermittlerin Carla del Ponte sagte Ende vergangener Woche, es gebe Hinweise auf einen Einsatz des Giftgases Sarin durch Aufständische. Ihre Untersuchungskommission stellte daraufhin aber klar, dass es dafür keine Beweise gebe.

Die britische Regierung bezeichnete es am gestrigen Donnerstag als "sehr wahrscheinlich", dass die Regierung Chemiewaffen benutzt habe. Dagegen fehlten Hinweise, dass auch die Rebellen zu den Massenvernichtungswaffen gegriffen hätten. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu kündigte an, man werde die Flüchtlinge aus dem Nachbarland verstärkt auf Spuren von Chemiewaffeneinsätzen untersuchen. Die Ergebnisse der bisherigen Tests ließen noch keine Schlüsse zu. Der Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan sagte hingegen, es sei schon jetzt "eindeutig, dass das Regime chemische Waffen und Raketen genutzt hat".

Dem US-Fernsehsender NBC zufolge sagte Erdoğan, der türkische Geheimdienst habe herausgefunden, dass Assads Regime etwa 200 Raketen eingesetzt hatte. In türkischen Krankenhäusern würden Patienten behandelt, die von diesen Chemiewaffen verletzt worden seien. Die Informationen würden dem UN-Sicherheitsrat zur Verfügung gestellt werden.

USA schließen Beteiligung Assads an einer Übergangsregierung aus

Derweil warnte Mokdad Israel vor weiteren Angriffen: "Unsere Vergeltungsmaßnahmen gegen Israel werden hart und schmerzhaft sein." Israels Armee hatte am Freitag und Sonntag vergangener Woche eine Reihe von Luftangriffen auf Ziele in Syrien geflogen. Nun scheint es, dass der syrische Staatschef Baschar al-Assad die israelfeindliche Hisbollah stärker unterstützen will. Die Hisbollah vermeldete ihrerseits am Donnerstagabend, Syrien wolle die Miliz mit "das Spiel verändernden Waffen" beliefern. Es handele sich um schwere Waffen, die die Hisbollah "bisher nicht gehabt hat", sagte Milizen-Chef Hassan Nasrallah im Fernsehen.

In Rom setzte US-Außenminister Kerry die Vorbereitungen für eine neue internationale Syrien-Konferenz fort. Dabei sagte er, es sei aus Sicht der USA klar, dass "Präsident Assad kein Teil der Übergangsregierung sein wird". Zuvor hatte die Opposition auf die Konferenz zurückhaltend reagiert, weil Kerry die Beteiligung Assads an einer Interimsregierung nicht ausgeschlossen hatte.

Am Dienstag hatte Kerry die Zustimmung der russischen Regierung zu der neuen Konferenz erhalten, sie soll noch in diesem Monat vermutlich in Genf stattfinden.  Nun zeigte sich Kerry besorgt über angeblich anstehende russische Waffenlieferungen an Syrien. Dies würde die Lage in der Region zusätzlich destabilisieren, warnte Kerry.