Der Generalsekretär der Hisbollah, Hassan Nasrallah, hat seine Anhänger in einer Fernsehansprache auf einen Sieg gegen die Aufständischen in Syrien eingeschworen. "Die Schlacht ist unsere (...) und ich verspreche euch den Sieg", sagte er nach BBC-Angaben. Die Hisbollah unterstützt im syrischen Bürgerkrieg das Regime von Baschar al-Assad.

Ein Sturz der syrischen Führung komme nicht in Frage, sagte Nasrallah. Die Hisbollah werde nicht zusehen, wie Extremisten gemeinsam mit den USA und anderen westlichen Staaten Syrien das Rückgrat brechen. "Wir werden bis zum Ende gehen, wir werden diese Verantwortung tragen und alle Opfer und die zu erwartenden Konsequenzen akzeptieren", sagte er.

Erstmals seit Beginn des Konflikts in Syrien im März 2011 schlugen zwei Raketen in der libanesischen Hauptstadt Beirut ein – nur wenige Stunden nach der Rede Nasrallahs. Die getroffenen Viertel im Süden Beiruts werden von der Hisbollah kontrolliert.

Eine Rakete habe ein Autogeschäft getroffen und vier syrische Arbeiter verletzt, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Der Angriff stehe vermutlich in Verbindung mit dem Bürgerkrieg in Syrien. Demnach wurden die beiden Raketen von einem Berg 13 Kilometer südöstlich von Beirut abgefeuert. Die Armee sei auf dem Weg dorthin. Die zweite Rakete schlug in einer Wohnung ein und richtete schwere Schäden an. Noch hat sich niemand zu dem Angriff bekannt.

Hisbollah-Milizen mischen sich immer stärker in den syrischen Bürgerkrieg ein: Mit ihrer Hilfe sollen syrische Regierungstruppen bei Al-Kusair eine neue Offensive gestartet haben. Am Kampf um die strategisch wichtige Stadt an der Grenze zum Libanon seien inzwischen rund 2.000 Kämpfer der Hisbollah beteiligt, sagte ein syrischer Aktivist. "Rauchschwaden überziehen das Gebiet, und es fallen mindestens 50 Geschosse pro Minute auf die Stadt", sagte er weiter. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, die Streitkräfte hätten zahlreiche "Terroristen" in der Stadt getötet. 

Außenminister Guido Westerwelle nannte die Hinweise auf ein stärkeres Eingreifen von Hisbollah-Milizen in Syrien "sehr bedrohlich". "Die Gefahr eines Flächenbrandes ist durch diese jüngsten Entwicklungen mit Händen zu greifen", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz sagte: "Es gibt die große Gefahr, dass Syrien nicht implodiert, sondern explodiert." Dann würden der Libanon, die Türkei und Jordanien mit in den Konflikt hineingezogen.

Am kommenden Montag beraten die EU-Außenminister in Brüssel über das Waffenembargo gegen Syrien. Wenn sie keine einstimmige Entscheidung treffen, laufen Ende Mai sämtliche EU-Sanktionen gegen Syrien aus. Vor allem Großbritannien verlangt, dass einzelne EU-Staaten künftig die Aufständischen mit Waffen für ihren Kampf gegen Assad beliefern dürfen.

Syrische Opposition uneins über Friedenskonferenz

Österreich warnte vor einer Bewaffnung der syrischen Rebellen. Außenminister Michael Spindelegger wies auf Konsequenzen für die UN-Mission auf den Golanhöhen hin. "Für uns wäre es in diesem Fall sehr, sehr schwierig, das Mandat weiter auszuüben", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Mit rund 370 Soldaten stellt Österreich etwa ein Drittel der UN-Truppe, die auf dem Golan seit 1974 die Einhaltung der Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Israel und Syrien überwacht.

Die syrische Opposition beriet am Samstag in Istanbul über die Teilnahme an einer Friedenskonferenz, die von Russland und den USA initiiert wird. Dabei gab es zunächst keine Entscheidung. Nach Angaben von Delegierten wurde beschlossen, 30 weitere Persönlichkeiten und Parteivertreter in den Kreis der Nationalen Syrischen Koalition aufzunehmen. Westliche Staaten hatten eine Erweiterung angeregt, um den Einfluss der Muslimbruderschaft zu begrenzen. Nach Angaben von syrischen Oppositionellen könnte die in Genf geplante Friedenskonferenz am 12. Juni stattfinden.

Jordaniens König Abdullah II. forderte bei einem Treffen des Weltwirtschaftsforums am Toten Meer ein sofortiges Ende der Gewalt und eine politische Lösung. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil Elarabi, zeigte sich pessimistisch. Er habe keine großen Hoffnungen, dass bei der Genfer Friedenskonferenz ein Durchbruch erzielt werde, sagte er. Im Syrien-Konflikt sind seit März 2011 nach UN-Schätzungen mehr als 80.000 Menschen gestorben.