Krieg in Syrien : Strategien gegen einen gefährlichen Nachbarn

Flucht, Unruhen, Gewalt: Der Bürgerkrieg in Syrien greift auf die Anrainer über. Welche Auswirkung hat der Krieg auf Israel, Jordanien, Libanon, den Irak und die Türkei?
Israelische Soldaten an der israelisch-syrischen Grenze. © Abir Sultan/EPA/dpa

Der Bürgerkrieg in Syrien macht nicht an den Landesgrenzen halt. Menschen fliehen ins Ausland, Gefechte weiten sich auf Grenzregionen aus, es gibt mehr Unruhen zwischen verschiedenen Konfessionen. Die Rebellen in Syrien sind zu einem großen Teil sunnitische Muslime. Assads säkulare alawitische Regierung ist dagegen mit den Schiiten im Iran verbündet.

Neben der zunehmenden Gefahr, dass in Nachbarstaaten ebenfalls kriegsartige Zustände eintreten, ist die humanitäre Situation bereits seit Langem angespannt. Das UN-Flüchtlingshilfswerk schätzt die Zahl syrischer Flüchtlinge im Ausland auf 1,5 Millionen. Die meisten von ihnen leben in vier der fünf direkten Nachbarstaaten.

Türkei

Eine demokratische Republik mit moderat-religiöser Regierung: Syriens nördlicher Nachbar gilt im Westen als Vorzeigestaat für die arabische Welt, trotz mancher Kritik am Regierungsstil der AKP. Als Syriens Herrscher Baschar Al-Assad 2001 an die Macht kam, überwanden die beiden Länder alte Feindschaften und bauten diplomatische, militärische und wirtschaftliche Beziehungen auf.

Die neue Freundschaft endete jedoch im Herbst 2011. Nach dem gescheiterten Versuch, eine friedliche Lösung in Syrien zu vermitteln, brach der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan den Kontakt zu Assad ab und erlaubte syrischen Rebellen, ihr Hauptquartier im türkischen Grenzgebiet aufzuschlagen. Zudem hat die Türkei etwa 350.000 Flüchtlinge aufgenommen. Syrische Regierungstruppen schossen im Juni 2012 ein türkisches Kampfflugzeug ab, seitdem gibt es immer wieder Gefechte, denen auch türkische Zivilisten zum Opfer fielen. Im Januar 2013 stationierte die Nato Patriot-Raketen, um die türkische Grenze zu schützen.

Die auf beiden Seiten der Grenze lebende kurdische Minderheit hat den Rebellen die Unterstützung verwehrt. Ihre Milizen kämpfen vielmehr für Autonomie und werden deswegen auch von aufständischen Islamisten attackiert.

Irak

2011 zogen die letzten amerikanischen Soldaten aus dem Irak ab. Sie hinterließen zwar eine parlamentarische Demokratie, aber zerrissen von Unruhen und schweren Anschlägen. Eine langwierige Regierungsbildung brachte 2010 eine säkular-nationalistische Koalition unter dem schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki an die Macht.

Im Syrien-Konflikt ist der Irak zwar offiziell neutral, doch Premier Maliki schlug sich rhetorisch auf Assads Seite, indem er Rebellen und sunnitische Politiker als Terroristen bezeichnete. In der sunnitischen Region Anbar, die den größten Teil der Grenze zu Syrien stellt, herrscht jetzt Angst vor einem Bürgerkrieg. Hier fanden die meisten der fast 150.000 syrischen Flüchtlinge im Irak Unterschlupf. Viele der Stämme dort unterstützen die Rebellen darüber hinaus mit humanitären Hilfsmitteln, angeblich auch mit Waffen und Kämpfern.

Jordanien

Syriens südlicher Nachbar, die konstitutionelle Monarchie Jordanien, gilt als wichtigster Verbündeter der USA in der arabischen Welt. Die Bevölkerung ist, wie in Syrien, mehrheitlich sunnitisch. Das veranlasste Assad dazu, Jordanien die Schuld zu geben, als der arabische Frühling nahe der jordanischen Grenze Syrien erreichte

Seit dem Ausbrechen des Bürgerkrieges sind fast 500.000 Syrer nach Jordanien geflohen. Es gab auch Kämpfe zwischen jordanischen und syrischen Truppen, als letztere die Flüchtlinge auf jordanischem Boden angriffen. Im April 2013 beschuldigte Assad das Königreich, Rebellen Unterschlupf zu gewähren, und drohte, das Feuer werde nicht an der Grenze halt machen. Daraufhin kündigten die USA an, 200 zusätzliche Soldaten in Jordanien zu stationieren.

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Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

"Vom Aufruf zu Demonstrationen..."

Mich wundert doch sehr, dass vom Hauptakteur auf "oppositioneller Seite" nie die Rede ist.
Noch viel schneller als in Ägypten, hat die syrische MB den Bürgerprotest für ihre Zecke genutzt.
Wie wir ja alle wissen (sollten), hat die syrische MB dem Assad Clan grausamste und blutigste Rache geschworen. Und mit dem Bündnis: Al Qaida, KSA, Qatar, Türkei und dem 'Westen' gelingt ihnen das bestens.

Rache für das Massaker von Hama im Jahr 1982?

Wenn die Diktatorenfamilie Assad wie 1982 handelt, dann muss man sich über Rachegelüste nicht wundern.
http://de.wikipedia.org/w...

Gudrun Harrer schreibt im Standard:
Im Gegensatz zur ägyptischen Brüderschaft war der syrische Zweig nie eine Massenorganisation. In den 1980er Jahren wurde die syrische Muslimbruderschaft - und ihr radikaler Ableger, die "Kämpfende Avantgarde" - in Syrien quasi ausgerottet, aus dem Jahr 1980 stammt das Notstandsgesetz Nummer 49, das allein die Mitgliedschaft bei der Bruderschaft mit der Todesstrafe belegt.
...
Mit der Zeit wuchs der Widerstand in der Opposition gegen die Muslimbrüder-Dominanz, was letztlich zum Versuch führte, den SNC in einen größeren Kontext zu stellen. Die "Syrian National Coalition for Opposition and Revolutionary Forces" wurde als Dachverband gegründet, der die Opposition auch besser an die Gruppen in Syrien anbinden sollte.
http://derstandard.at/136...

Bei FREIEN Wahlen würden die Muslimbrüder wahrscheinlich stärkste Kraft, weil sie vom Ausland unterstützt würde. Es ist aber fraglich, ob sie trotz 74% Sunniten wie in Ägypten die Mehrheit erhält. In Ägypten sinkt ihre Zustimmung deutlich. Die sunnitische Ober- und Mittelschicht könnte gemäßigtere Parteien wählen, weil sie bisher zufrieden waren und ihren Wohlstand nicht gefährden wollen. Der Wahlausgang in Syrien ist längst nicht ausgemacht!

@WinstonSmith

Ja, Sie haben recht. Sorry. Aber das ändert an der Gesamtlage nichts. Der Kampf zwischen den Glaubensrichtungen ist eine schwere Hypothek. Und: Die Türkei, als bedeutender, mächtiger und mit dem Westen verbündeter Staat, ist mehrheitlich sunnitisch. Einerseits ist sie, die Türkei, als entwickeltes, auch wirtschaftlich erfolgreiches Land, von nicht zu überschätzender Bedeutung in der Region und eigentlich Bindeglied zwischen dem Orient und dem Abendland. Aber die sunnitische Glaubensrichtung ist in dieser Gemengelage nicht unproblematisch.

@Pereos

Es ist leider so, wie Sie schreiben. Wahrscheinlich wird das Verhalten der EU nicht zu einer Stabilisierung der Lage führen. Weder jenes, das in den vergangenen mehr als zwei Jahren bevorzugt wurde, noch das mutmasslich zukünftige. Bezüglich der Unterstützung der Rebellen durch einzelne Mitglieder der EU kann einem auch nur Schlechtes schwanen. Der wahabitisch geprägte Teil der Aufständischen könnte die Oberhand gewinnen und dann massgeblich von den Waffenlieferungen profitieren. Dass Nasrallah, der Schiitenführer, ebenfalls alles andere als ein Waisenknabe ist, erleichtert die Situation nicht. Israel dürfte nicht einfachen Zeiten entgegen gehen. Die Früchtlingströme mit entsprechenden Ausläufern nach Europa werden uns zusätzlich in Atem halten.