US-Präsident Barack Obama glaubt nicht an eine schnelle internationale Lösung für Syrien. "Es gibt keine Zauberformel für den Umgang mit einer außerordentlich gewaltsamen und schwierigen Situation wie in Syrien", sagte er nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

"Wir sind uns beide einig, dass Assad weg muss", sagte Obama. Gleichzeitig machte er aber klar, dass die USA keinen Alleingang gegen das syrische Regime von Machthaber Baschar al-Assad anstrebten. Unilaterale Handlungen der USA könnten in Syrien kein besseres Ergebnis herbeiführen, sagte Obama. Er hoffe auf die mit Russland vereinbarte Syrien-Konferenz mit allen an dem Konflikt Beteiligten in Genf, für die noch kein Termin feststeht.

Erdoğan ist in die USA gereist, um bei Obama für mehr Unterstützung im Konflikt mit Syrien zu werben. Die Türkei ist vom syrischen Bürgerkrieg unmittelbar betroffen. Erst vor wenigen Tagen waren bei einem Anschlag im türkisch-syrischen Grenzgebiet mindestens 46 Menschen getötet worden. Erdoğan hatte in der Vergangenheit immer wieder ein größeres Engagement des Westens in Syrien gefordert.

"Tabu" statt "roter Linie"

Zu einem möglichen Giftgaseinsatz des Regimes vermied Obama den zuvor verwendeten Terminus der "roten Linie". Er sagte lediglich, die Nutzung von Chemiewaffen werde von der "zivilisierten Welt als Tabu" betrachtet. Bislang hatte er mit "enormen Konsequenzen" gedroht, sollte ein Einsatz von Chemiewaffen bekannt werden.

Erdoğan wiederholte den Vorwurf, dass Assad Chemiewaffen eingesetzt habe, hielt sich mit Forderungen aber zunächst zurück. Wie Obama sei er der Meinung, Tyrannei und Diktatur in Syrien müssten durch Demokratie ersetzt werden. Die Türkei sei mit den USA völlig auf einer Linie. Frühere Forderungen der Türkei nach einer Flugverbotszone und Waffenlieferungen an die Opposition blieben offen. Erdoğan sagte, er wolle die Themen bei einem gemeinsamen Abendessen mit Obama besprechen.

Russland will Syrien-Konferenz nur mit Iran

Seit Beginn der Auseinandersetzungen zwischen Assads Truppen und den Rebellen im März 2011 sind laut den Vereinten Nationen bisher mehr als 70.000 Menschen getötet worden. Die UN-Vollversammlung in New York hatte am Mittwoch in einer Resolution die Eskalation des Bürgerkriegs in Syrien durch den Einsatz schwerer Waffen seitens der Regierung verurteilt. Russland kritisierte den Text als einseitig und parteiisch.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow erneuerte auch die Kritik an der Teilnehmerliste der geplanten Syrien-Konferenz. Nach Ansicht Russlands müsse zwingend auch der Iran anwesend sein. Man könne ein Land wie die Islamische Republik nicht wegen "geopolitischer Vorlieben" von den Gesprächen ausschließen, sagte Lawrow in einem Interview. Einigen seiner "westlichen Kollegen" warf er vor, die Gruppe der Teilnehmer einschränken und damit die Agenda und "vielleicht sogar den Ausgang" der Gespräche vorherbestimmen zu wollen. Eine Einigung sei noch nicht erzielt worden.

Der französische Präsident François Hollande rief die Regierung in Moskau dazu auf, mit Assad "Schluss zu machen". Dies sei im Interesse Russlands, "der gesamten Region und des Friedens", sagte Hollande. Russland ist Verbündeter der syrischen Führung, liefert Waffen und blockiert im UN-Sicherheitsrat ein härteres Vorgehen gegen Assad.