Die türkische Regierung hat dem syrischen Regime Massaker und ethnische Säuberungen vorgeworfen. Damit verfolge Präsident Baschar al-Assad einen Plan B, um einen sicheren Korridor für Alawiten zwischen Homs und dem Libanon zu schaffen, sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu der Zeitung Hürriyet

Syrische Oppositionelle hatten am Wochenende über Massaker an sunnitischen Muslimen in der Stadt Banyas am Mittelmeer und einem nahegelegenen Dorf berichtet, bei denen mehr als hundert Menschen getötet worden sein sollen. Davutoğlu sagte, er habe die US-Regierung über seine Befürchtungen hinsichtlich der neuen Taktik der Führung in Damaskus informiert. 

Es sehe so aus, als wolle Assad einen Korridor zwischen Homs und dem Libanon für seine Glaubensbrüder der Alawiten öffnen, indem er die anderen Einwohner der Region in Angst und Schrecken versetze. "Das ist ein sehr gefährliches Spiel", sagte Davutoğlu. Es erinnere ihn an die serbischen Verbrechen in Bosnien in den neunziger Jahren. 

Der Außenminister sprach gegenüber der Zeitung von fünf Stufen bei Assads Plan B, von denen vier bereits umgesetzt seien: Der erste Schritt seien Scharfschützen gewesen, die auf friedliche Demonstranten schießen; als Zweites seien die entsprechenden Städte mit Panzern und Artillerie bestraft worden; zum Dritten habe es Luftangriffe gegeben; viertens seien Scud-Raketen eingesetzt worden. Da Assad die Kontrolle über Teile des Landes verliere, sei nun die ethnische Säuberung eines bestimmten Gebiets Teil seiner Strategie, wird Davutoğlu zitiert.

Angst vor religiösen Konflikten

Die Äußerungen des türkischen Außenministers stehen zudem vor dem Hintergrund von Befürchtungen, dass der Konflikt in Syrien immer stärker durch die Rivalität zwischen Sunniten und Alawiten angeheizt werden könnte. Die Türkei gehört zu einer Reihe von mehrheitlich sunnitischen Staaten, die eine Ablösung Assads fordern. Das von den Alawiten regierte Syrien wird dagegen vom schiitischen Iran unterstützt.

Der Außenminister sagte auch, dass die Türkei auch die Alawiten beschützen würde, sollten Gräueltaten gegen sie verübt werden.