Ein Bild des am Mittwoch von zwei Attentätern ermordeten Soldaten Lee Rigby, umringt von Blumen, die Passanten am Tatort niedergelegt haben. © Dan Kitwood/Getty Images

Der Terrorakt im Londoner Stadtteil Woolwich am Mittwoch entsprach ziemlich exakt dem befürchteten Szenario, das britischen Terrorfahndern und Politikern seit Langem schlaflose Nächte bereitet. Wie die beiden gebürtigen Nigerianer, die einen jungen Soldaten auf offener Straße abschlachteten, können radikalisierte Einzelkämpfer überall und zu jedem  Zeitpunkt zuschlagen – in einer Einkaufspassage, einem belebten Stadtzentrum, am Rande eines Popkonzerts oder eines Fußballfinales wie am Samstag im Wembley-Stadion. Lone wolfs nennen Sicherheitsexperten diesen gefürchteten neuen Typus meist islamistisch motivierter Terroristen, einsame Wölfe.

Die Verantwortlichen für Sicherheit vermeiden es in der Regel, ihre Sorge vor dieser neuen terroristischen Gefahr allzu deutlich auszusprechen. Der Grund dafür ist simpel. Sie wissen, dass sich gegen diese Art von Tätern, die auch als Nike-Terroristen bezeichnet werden, weil sie nach dem Werbe-Motto "just do it" der Sportmarke handeln, wenig ausrichten lässt. Was denn auch Premier David Cameron nach der Bluttat von Woolwich einräumen musste.

Solche Fanatiker handeln allein oder in kleinen Gruppen. Das Terrornetzwerk Al-Kaida mag sie inspirieren, aber sie brauchen keine technische Hilfe oder Anleitung mehr, wie bei den ausgeklügelteren Massenmorden in New York, Madrid oder London 2005. Sie schlagen unvermittelt los, mit primitiven Waffen wie Messer und Macheten.

Ihr Ziel ist, wie bei Terroristen seit ihren Anfängen im 19. Jahrhundert schon immer, Angst und Entsetzen zu verbreiten. Die verhassten demokratischen Gesellschaften des Westens und der nicht-muslimischen Welt – man denke an den Terrorakt von Bombay – sollen zu vehementen Gegenmaßnahmen getrieben werden, um so den "Heiligen Krieg" zu entfesseln. 

Gefahr seit Jahren bekannt

Die Angst vor einem Terrorakt wie dem in Woolwich treibt die Verantwortlichen in Großbritannien seit Langem um. Leicht hätte der Albtraum bereits vor oder während der Olympischen Spiele 2012  Wirklichkeit werden können. Ein Dschihadist wie Michael Abedelado, der jetzt als "Schlächter von Woolwich" in die Annalen des britischen Boulevards eingegangen ist, hätte schon da zur Tat schreiten können.

Der gebürtige Nigerianer aus christlicher Familie geriet, wie vormalige Mitschüler erzählen, als 15-Jähriger 2001 in den Sog des totalitären Islam. Um ihren radikalisierten Sohn von dem Einfluss dieser Szene im Londoner Osten fernzuhalten, zog die Familie ins ländliche Lincolnshire in Mittelengland – offensichtlich vergebens. Britischen Sicherheitsorganen fiel er auf, als er im vergangenen Jahr nach Somalia fliegen wollte, vermutlich um sich dort zum Terroristen ausbilden zu lassen. 

Es gab jedoch keine rechtliche Handhabe, um gegen ihn und seinen ebenfalls auffällig gewordenen jetzigen Mittäter vorzugehen, obwohl bekannt ist, dass das afrikanischen Bürgerkriegsland Somalia bevorzugtes Ziel für junge Möchtegern-Dschihadisten geworden ist. Dort werden sie vom Al-Kaida-Ableger Al-Shabaab indoktriniert und trainiert.

Die Ausbildungslager von Al-Kaida in Afghanistan und Pakistan scheinen dagegen an Attraktivität für junge radikalisierte Muslime eingebüßt zu haben, weil beide Länder im unter Beobachtung westlicher Geheimdienste stehen. Stattdessen reisen die künftigen Terroristen jetzt auch nach Syrien, um kampferprobt  zurückkehren, wie zuvor aus Bosnien, Afghanistan und dem Irak.