Vereinte Nationen : UN-Experten legen Plan gegen weltweite Armut vor

Die Millenniumsziele sind lange nicht erreicht, dennoch stellen Politiker und Wissenschaftler einen Nachfolgeplan vor: Bis 2030 soll niemand mehr in extremer Armut leben.

Die Vereinten Nationen wollen mit einem ehrgeizigen Plan bis zum Jahr 2030 extreme Armut in der Welt beseitigen. Eine Expertengruppe unter dem Vorsitz von Großbritannien, Indonesien und Liberia übergab am Donnerstag ein entsprechendes Papier an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Der Plan nennt zwölf Prioritäten mit insgesamt 54 Einzelzielen. Die Autoren fordern unter anderem eine gesicherte Nahrungsversorgung, nachhaltige Energieversorgung sowie den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Außerdem legen sie den Fokus auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau, grundlegende Bildung von Kindern, Reduzierung der Kindersterblichkeit, Sicherung der Lebensmittelversorgung und Garantie des allgemeinen Zugangs zu Trinkwasser.

"Unsere Vision und unsere Verantwortung ist es, extreme Armut in allen Formen zu beenden, indem wir eine nachhaltige Entwicklung auf den Weg bringen", heißt es in der Erklärung des Gremiums, dem auch der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler angehört. Er ist das einzige deutsche Mitglied unter den 27 Regierungsmitgliedern und Wirtschaftsführern aus aller Welt.

Nach Ansicht der Autoren stellen der Klimawandel und die Umweltzerstörung eine "beispiellose Gefahr für die Menschheit" dar. Die Ärmsten würden davon am härtesten getroffen, warnten die Autoren, die den Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius begrenzen wollen.

Millenniumsziele wurden nur zum Teil erfüllt

Die formulierten Ziele sollen die Millenniumsziele der Vereinten Nationen ablösen. Diese laufen 2015 aus, ohne vollends erfüllt zu sein. Sie hatten unter anderem zum Ziel, die Zahl der extrem armen Menschen bis 2015 zu halbieren, was angesichts des jüngsten Global Food Policy Report unrealistisch erscheint. Trotz aller Versprechen sind derzeit etwa 870 Millionen Menschen weltweit chronisch unterernährt. Wenn nicht mehr passiert, werden es im Jahr 2015 immerhin noch 800 Millionen sein.

Aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise haben viele Länder in den vergangenen Jahren ihre Entwicklungshilfe reduziert.  Die Autoren des Plans weisen jedoch darauf hin, dass die vergangenen 13 Jahre "den schnellsten Rückgang der Armut in der Geschichte der Menschheit" gebracht hätten. Inzwischen würde eine halbe Milliarde Menschen weniger unter der Armutsgrenze leben. Als extrem arm gilt, wer weniger als 1,25 Dollar pro Tag zur Verfügung hat.

Der nun vorgelegte Zwölfpunkteplan soll der UN-Vollversammlung zur Diskussion übersandt werden, bevor er von den Mitgliedsstaaten angenommen wird.


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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Verhütungsmittel

Sie verwechseln Ihre Frage "wie Entwicklungshilfe zu organisieren ist" mit der von Ihnen kommentierten, korrekten Darstellung, "was zu organisieren ist". Das wäre nicht weiter schlimm, da es ja tatsächlich auch beim "wie" leider immer wieder zu Fehleinschätzungen kommen mag.

Ein überzeugendes Argument, dass es "so einfach" wie in #6 dargelegt nicht sei, bleiben Sie aber schuldig und liefern dann selbst ein plattes, magisch-naives Scheinargument mit der Einstellung der Kirche zur Verhütung.

Es ist definitiv nicht einfach in diesen Ländern einen Zugang zu Bildung, Grundnahrungsmitteln, existenzsichernder Arbeit und Sozialsystemen aufzubauen der unserer Existeznabsicherung nur annähernd entsräche. DAS (und manch weitere Details) aber wären die wirksamsten Verhütungsmittel, wenngleich Ihnen dabei ggf. (un)bewußt klar wird, dass damit auch unsere westlich-zivilisierte Existenzweise sich ein wenig verändern müsste.

Alte Formel

Schon seit Ewigkeiten gilt in armen Gegenden: mehr Kinder können mehr arbeiten und sichern das Überleben. Sicherlich wird es auf kurz oder lang zu Überbevölkerung kommen und ausreichende Nahrungsmittel und Trinkwasserversorgung nicht mehr möglich sein, wenn die Entwicklung so weitergeht. Immerhin weiß man dies schon seit Jahrzehnten. Noch befinden wir uns in einer Situation in der es meiner Meinung noch möglich wäre durch eine andere Verteilung große Teile der Hungernden zu versorgen. Während die einen im Überfluß leben haben die anderen nichts. Doch mit welchem Aufwand und welchen Kosten ließe sich das realisieren, wenn man es denn wollte? Gäbe es jemanden der dies finanzieren könnte und wollte, oder käme es auf eine schlichte Versorgung ohne Gegenleistung hinaus? Die Grundsatzidee mag gut sein, aber wie bei fast allen Vorstellungen scheitert so etwas an der Realität.