Mit der Feststellung des Chemiewaffen-Einsatzes durch Syriens Regierung setzt Frankreich die USA unter Handlungsdruck. Der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Jay Carney, sagte, die Berichte aus Frankreich seien "vollkommen übereinstimmend" mit den Ergebnissen von US-Untersuchungen. Es seien jedoch noch weitere Informationen notwendig.

Für eine Militärübung schicken die USA Patriot-Abwehrraketen und Kampfflugzeuge vom Typ F-16 nach Jordanien. Die Waffen sollen vom 09. bis 20. Juni in dem syrischen Nachbarland zum Einsatz kommen, teilten US-Regierungsvertreter mit. Sie könnten aber auch länger in Jordanien bleiben. Die Pläne stießen umgehend auf Kritik aus Russland. Die Regierung in Moskau warf den USA vor, mit den Waffenlieferungen den Bürgerkrieg in Syrien weiter anzuheizen. Russland ist ein Verbündeter des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und beliefert dessen Armee mit Rüstungsgütern.

Zuvor hatte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius gesagt, seine Regierung habe "keinen Zweifel" mehr, dass das Giftgas Sarin mindestens ein Mal durch "das Regime und seine Komplizen" eingesetzt wurde. Einen solchen Gaseinsatz hatte US-Präsident Barack Obama als "rote Linie" für ein Eingreifen im Syrien-Konflikt bezeichnet, mit der "die Spielregeln verändert" würden.

USA könnten Flugverbotszone vorbereiten

Russland vermutet, dass die USA mit der Waffenverlegung eine Flugverbotszone über Syrien vorbereiten könnten. Jordanien unterstützt als Verbündeter der USA die syrischen Rebellen im Kampf gegen Assad. In dem Bürgerkrieg sind nach UN-Schätzungen mehr als 80.000 Menschen getötet worden. Der Konflikt droht sich auf die Nachbarländer auszudehnen. In der Türkei sind derzeit Bundeswehrsoldaten mit Patriot-Raketen stationiert, um ein Übergreifen der Gewalt zu verhindern. 

Mit Frankreich hält erstmals ein westliches Land den Einsatz von Chemiewaffen durch die Assad-Regierung für klar erwiesen. Nachgewiesen worden sei die Verwendung des Giftstoffes Sarin. Fabius berief sich auf Untersuchungsergebnisse französischer Experten berufen und erklärte: "Alle Optionen sind auf dem Tisch." Entweder, es werde nicht reagiert, oder es werde "auch auf militärische Weise" reagiert – dort, wo das Gas produziert oder gelagert werde. "Soweit sind wir aber noch nicht", fügte Fabius hinzu. Mit den neuesten Befunden sei nun aber "unbestreitbar eine Linie überschritten". US-Regierungssprecher Carney sagte, es seien "noch weitere Prüfungen nötig, um feststellen zu können, von wem (das Gas) benutzt wurde, wie viel davon, und unter welchen Umständen".

Auch UN-Kommission hat Hinweise auf Chemiewaffen

Zuvor hatte auch die UN-Untersuchungskommission zu Syrien in ihrem neuesten Bericht von glaubwürdigen Hinweisen für den Einsatz von Chemiewaffen in begrenzter Menge bei mindestens vier Gelegenheiten durch beide Konfliktparteien festgestellt. Allerdings seien weder die Art der Kampfstoffe, der Typ der Waffensysteme noch die genauen Urheber bekannt. Die Führung in Damaskus weist die Vorwürfe von sich und beschuldigt die Rebellen, chemische Waffen einzusetzen.

Die syrische Armee hat nach offiziellen Angaben die umkämpfte westliche Region Kussair vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Bei der Einnahme seien zahlreiche Rebellen getötet oder festgenommen worden, berichtete das syrische Staatsfernsehen. Die nahe der Grenze zum Libanon gelegene Kleinstadt war rund ein Jahr von den Rebellen kontrolliert worden. Vor drei Wochen begannen die syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung der libanesischen Hisbollah-Miliz eine Offensive zu ihrer Rückeroberung.