Afghanistan-Konflikt : USA und Taliban vereinbaren Friedensgespräche

Die USA und die Radikalislamisten verhandeln über ein Ende des Konflikts in Afghanistan. Treffpunkt ist das neue Büro der Taliban in Katar.

Die Regierung in Washington und die radikal-islamischen Taliban planen direkte Verhandlungen über ein Ende des Konflikts in Afghanistan. Die Gespräche sollten bereits in wenigen Tagen im Golf-Emirat Katar beginnen, gab das Weiße Haus bekannt.

Die USA stellen den Aufständischen allerdings Bedingungen: So müssten die Taliban sich vom Terrornetz Al-Kaida lösen und auf Gewalt verzichten. Außerdem müssten sie die afghanische Verfassung akzeptieren – einschließlich der garantierten Rechte für Frauen und Minderheiten.

Die Ankündigung der Gespräche kommt parallel zur Übernahme der Sicherheitsverantwortung der afghanischen Sicherheitskräfte im gesamten Land. Fortan sollen die rund 100.000 Nato-Soldaten nur noch eine unterstützende Rolle haben. Es bleiben jedoch Zweifeldaran, dass die etwa 350.000 afghanischen Polizisten und Soldaten der Bedrohungslage vollauf gewachsen sind. Bis Ende 2014 wollen die Nato-Truppen vollständig abziehen.

Die Taliban hatten zugleich ein Büro in Katar eröffnet. Ein Vertreter sagte, man unterstütze "eine friedliche und politische Lösung" des Afghanistankrieges. Ziele seien "das Ende der Invasion in Afghanistan und die Stärkung eines unabhängigen und islamischen Systems" im Land. Taliban Muhammad Naim sagte, das "Islamische Emirat Afghanistans" wolle Gespräche mit den "Ländern der Welt" initiieren. Auch "mit Afghanen" wolle man reden, sagte Naim bei der Pressekonferenz.

Gespräche mit Karsai offen

Die US-Regierung begrüßte die Gesprächsbereitschaft. "Sie sind ein wichtiger erster Schritt zur Versöhnung", sagte ein namentlich nicht genannter hochrangiger Regierungsvertreter. "Der Prozess nach 30 Jahren bewaffneten Konflikts in Afghanistan wird komplex, lang und ungemütlich werden – aber nichtsdestotrotz ist es ein wichtiger erster Schritt."

Die Taliban ließen offen, ob sie auch mit der Regierung von Präsident Hamid Karsai sprechen würden. Bislang lehnten sie das ab, weil sie Karsai für einen Handlanger der USA halten. Karsai hatte wenige Stunden zuvor angekündigt, eine Delegation zu Friedensgesprächen mit den Taliban nach Katar zu entsenden. Er hoffe, dass solche Gespräche den "Anfang für einen Übergang zum Frieden" in Afghanistan bilden könnten, sagte Karsai in Kabul

Aus Washington hieß es dazu, die USA wollten zwar direkt an den Gesprächen teilnehmen, der Kern müsse aber "unter den Afghanen selbst bewältigt" werden. Das sei bei der geringen Vertrauensbasis nicht einfach. "Vorläufige Gespräche" mit der US-Regierung hatten die Taliban im März vergangenen Jahres ausgesetzt.

US-Außenminister John Kerry begrüßte die Pläne für direkte Verhandlungen zwischen den Taliban und der Regierung in Kabul. "Das sind gute Nachrichten", sagte er. "Wir sind sehr froh über die Ereignisse."


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