Brasilien : Demonstranten blockieren Zufahrt zu Confed-Spiel

In Brasilien weiten sich die Sozialproteste aus. Tausende Menschen versperrten den Zugang zu einem Stadion, wo am Abend die brasilianische Nationalmannschaft spielte.
Polizisten und Demonstranten in der brasilianischen Stadt Fortaleza © Yuri Cortez/AFP/Getty Images

Vor dem Confed-Cup-Spiel zwischen Brasilien und Mexiko blockierten Tausende Demonstranten die Zufahrten zum Stadion. "Nein zum Fußball, wir wollen Bildung", stand auf einem Banner der rund 10.000 Demonstranten. Kurz vor Anpfiff des Spiels kam es zu gewalttätigen Zusammenstößen in einiger Entfernung zur Castelão-Arena in Fortaleza. Tausende Polizisten versuchten die Demonstranten daran zu hindern, zum Stadion vorzudringen.

Der Protestzug hatte sich zunächst friedlich in Richtung Castelão in Marsch gesetzt, wurde dann aber von Polizisten gestoppt. Es flogen Steine, die Beamten setzten Tränengas und Gummigeschosse ein. Auch die berittene Polizei ging gegen die Aktivisten vor.

Unterstützung erhielten die Demonstranten von Stürmerstar Neymar. Er habe immer geglaubt, dass es nicht nötig sein werde, "auf die Straßen zu gehen", um Verbesserungen beim Transport, im Gesundheitswesen, der Bildung und der Sicherheit zu fordern. "Das ist die Verpflichtung der Regierung", sagte der Stürmer.

"Ein Professor ist mehr wert als Neymar", riefen die Demonstranten. Der FC Barcelona zahlte jüngst eine Ablösesumme in Höhe von 57 Millionen Euro für den Wechsel des Nationalspielers. "Wir protestieren gegen die Verschwendung von Steuergeld für den Bau von Stadien, weil es für Bildung ausgegeben werden sollte", sagte der 18-jährige Aktivist Matheus Dantas. Der Bau der Castelão-Arena hatte 179 Millionen Euro gekostet.

Neben sozialen Missständen richtet sich die Wut der Demonstranten auch gegen die brasilianischen Politiker, die nach Überzeugung der Kritiker größtenteils korrupt sind. An der Blockade nahm auch eine Gruppe von Aktivisten teil, die unter der Losung "Brot und Spiele – Wem nützt die WM?" gegen die Milliarden-Kosten für die WM 2014 protestieren.

Die Gruppe kündigte an, am Donnerstag in Rio zu protestieren, wenn im Maracanã-Stadion das Spiel Spanien-Tahiti ausgetragen wird. Auch im Großraum São Paulo gingen die Demonstrationen weiter.

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