Claudia Roth in Istanbul"Diese staatliche Gewalt ist nicht die Türkei"

Die Grünen-Chefin Claudia Roth wurde Opfer der Tränengasangriffe in Istanbul. Mit unserem Reporter L. Jacobsen sprach sie über die Erlebnisse und politische Konsequenzen. von 

ZEIT ONLINE: Frau Roth, wir haben uns vergangene Nacht in der Lobby des Divan-Hotels getroffen. Auch Sie wurden dort Opfer der Tränengasattacken der türkischen Polizei. Wie kam es dazu?

Claudia Roth: Ich war abends um sieben hier in Istanbul angekommen, weil ich mich für einige Tage informieren wollte über die aktuelle Situation in Istanbul und in der Türkei und was es für die demokratische Entwicklung hier bedeutet. Wir sind dann um 20 Uhr von unserem Hotel hinunter auf den Taksim-Platz gegangen, da herrschte eine friedliche, fröhliche Abendstimmung. Auch im Park war es toll, ein bisschen wie auf einem Festival. Ich war bei einem Konzert an der großen Bühne, wollte die türkischen Grünen dort besuchen, die auch mit protestieren. Dann aber habe ich die ersten Gerüchte gehört, dass Erdoğan wohl rhetorisch aufgerüstet hat, und auch die Polizei auf eine Räumung hat vorbereiten lassen. Doch alle dachten, die räumen den Platz, aber nicht den Park. Einer fragte mich noch, ob ich eine Gasmaske will. "Na, das ist aber auch ein bisschen übertrieben", habe ich da gedacht, "ich habe ein Taschentuch, das reicht doch." Was für eine Fehleinschätzung!

Anzeige


ZEIT ONLINE: Die Polizei begann dann, Tränengas in den Park zu schießen.

Roth: Ja, ohne Vorwarnung, zumindest haben wir davon alle nichts mitbekommen. Das ging von einer Sekunde auf die andere, an mindestens drei Stellen stiegen die Gasschwaden auf. Sie haben dann gezielt auf die Leute geschossen mit den Gasgranaten. Wir sind aus dem Park hinausgerannt, erst zum Hilton Hotel. Da war die Lobby auch schon voll, eine völlig verrückte Mischung, japanische Touristen haben Helme aufgesetzt bekommen. Dann sind wir wieder raus, die Lage war unklar, wir wollten zurück zu unserem Hotel, sind am Divan Hotel vorbeigekommen, wo eine Menge die Nationalhymne gesungen und Atatürk-Fahnen geschwenkt hat. Gegenüber stand die Polizei. Die Stimmung war: Das ist unsere Türkei, Ihr seid es nicht mehr.

ZEIT ONLINE: Sie sind dann in das Hotel gegangen.

Roth: Es wurde davor einfach immer enger. Für mich sind die Mitarbeiter des Hotels die Helden. Die haben alle Türen aufgemacht, in diesem Fünf-Sterne-Hotel, allen geholfen. Ich wusste selbst auch nicht weiter. Zwei Männer haben uns in dem Chaos mitgenommen, hinunter in den ehemaligen großen Ballsaal, der da schon eine Krankenstation war. Dann hörten wir das Getrampel über uns und das Geschrei, da war die Polizei wohl in die Lobby des Hotels gekommen. Ein Mann hatte einen tiefroten Rücken, wie verbrannt, das waren wohl Zusätze in den Wasserwerfern. Irgendwann wurde das Tränengas so stark, dass wir alle aus dem Keller wieder raus sind. Wie genau, weiß ich gar nicht mehr. Irgendwie sind wir dann in unser Hotel gekommen.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet die Eskalation in der vergangenen Nacht, die Sie ja selbst erlebt haben, politisch für die Türkei und für den deutschen Umgang mit ihr?

Roth: Es gibt im Völkerrecht humanitäre Regeln, die besagen, dass dort, wo Verletzte behandelt werden, nicht angegriffen werden darf. Selbst das ist gestern Nacht nicht eingehalten worden. Aber: Wenn nun in Deutschland oder in Europa die Debatte beginnt nach dem Motto: "Die Türkei teilt nicht unsere europäischen Werte, die Türkei hat in Europa nichts zu suchen", dann sage ich: "Moment mal, Erdoğan und seine Regierung, diese staatliche Gewalt gestern gegen einen Teil der eigenen Bevölkerung, das ist nicht 'die Türkei'." Die Türkei, das sind die Menschen im Gezi-Park, die Menschen, die in mehr als 80 Städten der Türkei auf die Straße gehen, die haben genau die gleichen Werte wie wir. Sie wollen Grundnahrungsmittel: Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Demokratie, Transparenz. Das sind Menschen wie Du und ich, das ist die europäische Familie. Denen jetzt die Tür zu verschließen, alles abzubrechen, das hieße Erdoğan in dieser Situation einen Gefallen zu tun. Er würde dann auch noch versuchen, das den Demonstranten in die Schuhe zu schieben. Aber diese Protestbewegung braucht jetzt die Unterstützung der europäischen Familie.

Was Erdoğan nicht verstehen kann oder will: Das hier ist die neue Türkei! So etwas gab es hier noch nie. Zum ersten Mal bildet sich eine Zivilgesellschaft heraus, die nicht von den klassischen Parteien beherrscht wird. Wir sind an der Seite dieser neuen Türkei, das muss die klare Botschaft aus Berlin und Brüssel sein. Von meinem Hotel auch kann ich sehen, wie sie auf dem Platz jetzt rote und weiße Geranien gepflanzt haben, die nationalen Farben der Türkei. Das sieht nach gestern Nacht wirklich aus wie ein Friedhof der Demokratie.

Leserkommentare
  1. Kurze Frage: Von welchem Staat geht diese staatliche Gewalt denn dann aus?

    50 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/sam

    In der üblichen Theorie ist ein Staat eine Dreiheit aus
    - Staatsgebiet
    - Staatsvolk
    - Staatsgewalt
    In Demokratien wählt das Staatsvolk die Staatsgewalt. Es kann aber auch zum Bruch zwischen beiden kommen.

    Ich möchte dir doch prompt unterstellen, dass du die pars-pro-toto-Konstruktion der gnädigen Frau nicht verstanden hast.

    Zur Not bei Wikipedia nachschlagen. ;)

    Entfernt. Tragen Sie zum Thema des Artikels bei. Die Redaktion/mak

    ...und dies behauptet, leidet unter Realitätsverlust. Wachen Sie auf Frau Roth. Doch, genau DAS ist die Türkei.

    Willkommen in der Realität.

    Die im Video vom Kommentator als Armee-Einheiten bezeichneten Truppen waren Gandarme. Diese sind in der Türkei dem Polizeichef bzw. dem Governeur untergeordnet.
    Das Militaer hat bis heute in keinster Weise interveniert.
    Dies nur als Korrektur.

  2. 2. [...]

    Entfernt. Wir würden uns über konstruktive Beiträge freuen. Danke, die Redaktion/sam

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nein, sie versucht die Geschehnisse zu analysieren und Konsequenzen für zukünftige Handlungen zu ziehen. Schon beschämend, diese Häme.

    • Attox
    • 16. Juni 2013 15:24 Uhr

    hat sich Frau Roth anscheinend mal die Mühe gemacht die "reale Welt" aufzusuchen, während geschätzte 75% Prozent ihrer Kollegen sich in Berliner Weinhäusern vergnügen.

    Denn wenn man sich, z.B. auf Phoenix, mal ansieht wie viele unserer gewählten Abgeordneten sich täglich denn tatsächlich mal zur Ausübung ihres Berufs zu den Plenarsitzungen zusammenfinden kann einem einfach nur schlecht werden.

    Da begrüße ich es doch sehr dass man bei den doch sehr bürgerlich gewordenen Grünen schon fast noch einmal die politische Haltung aus früheren Zeiten durchscheint.

  3. Die Türkei passt ganz wunderbar nach Europa, auch mit Erdogan.

    Wesentliche Unterschiede zu S21, Heiligendamm, Frankfurt, Madrid, Schweden, etc etc, bestehen nämlich nicht, wenns darum geht das eigene Volk zusammenzuknüppeln.

    80 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Karl63
    • 16. Juni 2013 18:07 Uhr

    hier in Frankfurt mit der Blockupy - Demonstration geschah vergleichbar.
    Der Hessische Innenminister Boris Rhein hat sich seitdem, mitsamt seines "Hofstaates" im Innenministerium, eine Menge unangenehmer Fragen stellen müssen. Wie bekannt, deuten die aktuellen Umfragen sehr klar auf eine Abwahl der Schwarz-Gelben Landesregierung am 22. September und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass dieser völlig unverhältnismäßige Polizeieinsatz am 1.Juni etwas daran ändern wird.
    Was momentan in der Türkei geschieht, ist nicht nur eine ganz andere Dimension von Staatlicher Gewalt, Erdogan verhält sich momentan mehr nach dem Motto "der Staat bin ich". Unter der Maske des demokratisch gewählten Premier kommt auf einmal etwas sehr, sehr hässliches zum Vorschein.
    Die Frage ist eher, wie es mit der Regierung Erdogan weiter gehen soll, wenn diese sich so die Unterstützung der Jungen und Gebildeten verscherzt. Die stete wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung in der Türkei kam ja wohl kaum aus den Landwirtschaftlich geprägten Regionen oder dem Tourismus.

    Wenigstens hat die Polizei hier den Anstand nicht mit Tränengas in Krankenhäuser und U-Bahnen zu schießen oder die Kartuschen direkt auf Menschen zu richten!

  4. Das Problem ist das es anscheinend einige und Fr. Roth immernoch nicht verstanden haben. Demonstration ? - JA! Aber bitte nicht so..!

    Ich verstehe nicht was die Demonstranten dort noch wollen und die deutschen Medien verdrehen so langsam die Tatsachen. Die, die für die paar Bäume demonstriert haben sind zufriedengestellt, es wird das Gericht bzw. das Referendum darüber entscheiden.

    Also wer demonstriert dort? - Regierungsgegner. Jeder darf sehr gerne seine Meinung kundtun. Ganz Türkei weiss es schon lange. Ja ihr wollt keinen islamischen Staat, keine Moscheen, Laizismus, überall Atatürks Bilder und Statuen, die Unterdrückung der eigenen muslimischen Bevölkerung etc.

    Das Problem ist: diese Minderheit hat lange das Land regiert. Das Volk will das nicht, deswegen wurde Erdogan gewählt (50%).
    So what? Was machen die Demonstranten dort noch? Sie versuchen gegen die eigene Regierung zu kämpfen.

    Ich bitte euch, wo ist das bitte demokratisch? Ist es also rechtens das Demonstranten und Randalierer Staatseigentum und Privateigentum beschädigen und zerstören? Wer soll bitte dafür haften? Es kann doch nicht sein das diese so lange den Taksim Platz sperren.

    Die Demonstranten wollen dem Volk anscheinend ihre eigene Meinung aufzwingen. Nur steht eine Minderheit hinter dieses Ausschreitungen.

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bitte nochmal das Interview in Ruhe durchlesen. Frau Roth beschreibt sehr gut warum die Menschen in der Türkei auf die Straße gehen. Demokratie heisst nicht, dass Diktatoren demokratisch gewählt werden und dann machen können was sie wollen.
    Demokratie heisst: "Alle Macht kommt vom Volke aus" und nicht aus Tränengaspatronen....

    • toyak2
    • 16. Juni 2013 15:36 Uhr

    worum es geht.Selbst wenn Erdogan von 90 % der Bevölkerung gewählt worden ist,gibt ihm dies nicht das Recht,die Grundrechte der Menschen nach seinem Gutdünken zu definieren.in allen seinen Reden zieht sich seine Hetze gegen Demonstranten wie einen roten Faden.Die Demonstrante hätte sich in Gezi-park unsittlich verhalten etc.Er will den Menschen seine Vorstellung von Sitten diktieren,insoweit unterscheidet er sich von dem Militär,von dem 99 % der Bevölkerung geknechtet wurde,nicht.Genau darin liegt das Problem,er beschwert sich darüber,dass die konservative Kräfte in der Türkei unterdrückt wurden(was nur die halbe Wahrheit ist ),ist er aber seit Jahren dabei die moderaten Kräften zu unterdrücken.

    sie verdrehen die Tatsachen, aber ihnen kann man keinen Vorwurf machen, denn ihre Informationslage wird verdreht aufgrund einer zensierten Medienlandschaft. Das, worüber angeblich ein Gericht oder ein Referendum entscheiden sollte, ist in den letzten Stunden - also nach der brutalen Räumung - schon Realität geworden. Die Bäume werden gefällt. Ich bin mir im Klaren, dass sie jetzt antworten werden, dann hätten sie auf das Angebot von Erdogan eingehen sollen. Und genau das war in Planung. Es sollte der Platz geräumt werden und nur noch ein Zelt als Mahnwache bis zur gerichtlichen Entscheidung übrig bleiben. Man könnte meinen, dass ein Ministerpräsident die Muse aufbringen sollte, dieses Vorhaben abzuwarten....

    • toyak2
    • 16. Juni 2013 15:21 Uhr

    wie Frau Roth und keine Heuchler,die die Menschenrechte für ihre Politik missbrauchen. Erdogan missbraucht die Religion.

    44 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Frau schwang vor ihrem Besucht keine großen Reden und reiste nicht mit dem Kamerateam an. Wenn ich Bilder von Politikern aus den deutschen Überschwemmungsgebieten sehe, wird mit wirklich übel, von echter Schamlosigkeit der Politikbonzen. Wie an jeden "Müll-weg-Tag" wo sie sich alle um einen Spielplatz scharren um vor den Kameras ein Bonbonpapier auf zu heben, um dann den Platz zu verlassen wenn die Linse einen erfasste.

    Sie projizieren ihren persönliche Unzufriedenheit auf die Falsche.

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/sam

    • bvdl
    • 16. Juni 2013 15:22 Uhr

    Es war klar, dass Frau Roth nun oeffentlichkeitswirksam die Situation ausnutzt. Was hat Frau Roth in diesem Land zu suchen, frage ich mich. Warum muss Frau Roth den Türken ihre eigene Philosophie verkaufen wollen. Genau diese Attitüde ist es, die ich an den Grünen auch hier nicht mag. Die Grünen müssen allen erklären, wie die Welt funktioniert, vor allem was man darf und was man nicht darf. Und jetzt auch noch im Ausland!

    Wahrscheinlich dürfen wir uns jetzt darauf einrichten, dass unsere Demos regelmäßig von türkischen Politikern moralisch kommentiert werden. Herr Erdogan wird demnächst selbst mitdemonstrieren und danach mahnend den Finger heben und entsetzte Worte in den Medien finden. Und es wäre - als Reaktion auf die Einmischung Frau Roths - den Türken auch nicht zu verdenken, wenn sie sich einfach in der gleichen Weise einmischen würden.

    56 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • edgar
    • 16. Juni 2013 16:06 Uhr

    Die m.E. ausreichende Antwort auf Ihr:
    "Wieso mischen Sie sich da ein, Frau Roth?"

    Frau Roth macht das was jeder mündige Staatsbürger tun sollte, so wie Sie sich das rausnehmen und auch ich ...

    Natürlich ist es Aufgabe der Politiker zu schauen ob die Menschenrechte eingehalten werden, es ist sogar hervorzuheben, wenn das aus eigener Erfahrung geschieht und nicht die Darstellung der Herrschenden nachgeplappert wird. Umso mehr, wenn man weiß wie Erdogan und seinesgleichen mit kritischen Journalisten, aufmüpfigen Studenten (s.a. http://amnesty.de/jahresb...) oder andersgläubigen Minderheiten (http://de.wikipedia.org/w... und http://www.faz.net/aktuel...) verfährt. Das Propagandaherr der AKP wirkt wohl nicht nur in der Türkei, die Imame und Freunde der „Fethullah Gülen Bewegung“ mit den „bilschulen“ leisten für die „islamistische Demokratie“ offenbar auch in Deutschland „gute“ Arbeit.

    Ich verstehe das es wirklich seltsam vorkommen muss wenn sich Politiker andere Länder in die Innenpolitik eines anderen Landes einmischen. Und ich bin auch kein Fan von solchen PR-Stands.

    nur .... mal so mit SATIRE und IRONIE ...

    Nach den Vorfällen mit "Integration ist Assiimilation" eines gewissen Herrn in deutschland dachte sie sich villeicht das das so Tradition dort ist und wollte der Türkei zeigen das die integration nicht einseitig geschieht.

    Denn auch deutsche Politiker können in der Türkei sich in die innenpolitik einmischen nicht nur türkische in die deutsche.

    SATIRE und IRONIE aus ...

    villeicht wäre es besser wenn es beide Seiten lassen, aber warten wir mal auf den nächsten deutschland Besuch eines türkischen Politikers.

    hören nicht an der Staatsgrenze auf. Eine solche nationalistische Sicht auf Humanismus ist abzulehnen. Jeder sollte sich einmischen!

    Ich wollte eigentlich einen Kommentar schreiben, aber Ihrem Beitrag ist nichts hinzuzufügen.
    Perfekt analysiert, großartig argumentiert und haargenau auf den Punkt gebracht.

    • edgar
    • 17. Juni 2013 8:32 Uhr

    Die Springer Presse ist weniger verdächtig als Freundin der Grünen, ins Besondere nicht von Frau Roth.
    Sie steht eher für Konservatismus und Dezisionismus.

    Jedoch kam selbst die Springer-Presse nicht umhin Frau Roth zu loben:
    "17. Juni 2013: Deutschen Politikern wird gern vorgeworfen, sich eher zurückzuhalten, wenn es brenzlig wird. Claudia Roth dagegen geht auch dahin, wo es weh tut – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Parteichefin der Grünen erlebte den Einsatz der türkischen Sicherheitspolizei auf dem Taksim-Platz und im Gezi-Park in Istanbul im Tränengasnebel. Und berichtete danach im deutschen Fernsehen davon.
    Note 1"

    http://www.morgenpost.de/...

    Ihre Haltung hingegen kann ich nur als eine rein dem Dezisionismus verpflichtete bewerten.

    Frau Roth glaubte wohl wieder ein wichtiges Spiel zu sehen, anstatt Ihrer Arbeit im Bundestag nach zu gehen.
    Bei Hooligans kann man vielleicht Tränengas einsetzen, leider waren alle anderen keine Fußballfanatiker, sondern Freiheitsliebende, die wir am 17. Juni qualifizierter unterstützen sollten.

    " Wieso mischen Sie sich da ein, Frau Roth? Es war klar, dass Frau Roth nun oeffentlichkeitswirksam die Situation ausnutzt."

    Klar, Marketing ist alles, so kurz vor den Wahlen. Eine weitere Atomkatastrophe wird es wohl gottlob nicht geben.
    By the way, zahlt hier wieder der Steuerzahler für die Reiselust der Frau Roth?
    War das ein offizieller Besuch? Oder gedenkt Frau Roth ihren Marketing-Auftritt selbst zu löhnen?
    Gibt es schon eine Stellungnahme?

  5. Europa muss die demokratische Bewegung in der Türkei unterstützen. Wenn wir es schon in Syrien völlig verpennt haben, sollte es in der uns wesentlich näher stehenden Türkei allemal Wert sein, Stellung zu beziehen.

    29 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Türkei steht mir genauso wenig nahe, wie Syrien.

    • Chiri
    • 16. Juni 2013 15:23 Uhr

    " Wir sind an der Seite dieser neuen Türkei, das muss die klare Botschaft aus Berlin und Brüssel sein."

    Stand Frau Roth eigentlich auch schon einmal an der Seite derer, die in Deutschland - nicht selten unter Gefahr für Leib und Leben- für die Rechte türkischer bzw. muslimischer Frauen kämpfen? Habe ich etwas verpasst?
    Ich halte den neuesten Auftritt von Frau Roth für eine schmierige PR-Aktion kurz vor der Bundestagswahl, mehr nicht.

    70 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Aha. Frau Roth hat also Herrn Erdogan angerufen und gefragt, sach ma, wann willst denn Gasgranaten? Und Erdi sacht, na gegen ..Uhr. Ok, sacht Rothi, dann bin ich ma vorort, um publizity-wirksame Bildchen einfangen zu können. Du musst aber Polizist Hasan sagen, dass er das GPS nicht unterdrücken soll, damit er weeß, wo ick sitze und mich irjentwie ooch besprühen kann.
    usw. usf. - so, oder so ähnlich muss wohl ein Gespräch verlaufen sein.

    Die Konsequenzen von Frau Roth interessieren mich dabei wenig und mir ist ihre Politik, wie auch die der Grünen ziemlich egal.
    Insbesondere, da man hierzulande ja kaum wahrnimmt, dass gegen unzulässige staatliche Gewalt seitens der Grüne massiv protestiert wird.

    Aber der Frau zu unterstellen, die bringt sich absichtlich in Gefahr, ließe sich mit Tränengas beschießen und dergleichen, ist ja wohl eine Minderleistung von politischer Abneigung.

    • Panic
    • 16. Juni 2013 17:22 Uhr

    Selbst wenn es reine PR wäre? Dann Hut ab, vor dieser Strategie. Mir ist jemanden lieber, der in einer Tränengaswolke steht, als der ganze magere Rest, der vor den Mikrofonen blabla sülzt. Und mal ehrlich: Glaubwürdiger als der Rest ist Fr. Roth mit dieser Aktion allemal.

    Salut

    postulierte die Soziologin Necla Kelek in einem Gastbeitrag für den Cicero im Oktober 2008
    Vor allem seit die AKP in der Türkei an der Macht ist, gibt es nach Ansicht Keleks faktisch keine Trennung mehr von Staat und Religion.

    “Dass eine Verfassungskommission unwidersprochen festgestellt hat, dass Türke nur sein kann, wer auch Muslim ist, unterstreicht die unauflösliche Verbindung von Staat und Islam”,
    http://www.cicero.de/welt...

    Frau Roth sollte sich wirklich ernsthaft mit den Positionen jener türkischen KritikerInnen auseinandersetzen, die hier seit Jahren gegen das despotische Erdogan-Regime reden und schreiben und von daher wohl begründet vor einem EU-Beitritt warnen!

    Außerdem höchst interessant ist eine Buchbesprechung von Kelek zu lesen über "Islam und Sex in der arabischen Welt":
    "Die Journalistin und Immunologin Shereen el Feki, in Kanada aufgewachsene Tochter eines Ägypters und einer walisischen Mutter, ist in tausendundeinem Tag vom Tahrir-Platz aus durch Ägypten, dem Maghreb und Mittleren Osten gereist, um herauszufinden, ob und wie sich vor und nach dem Sturz der Despoten das Verhältnis der Männer und Frauen zueinander verhält und verändert hat. Es ist eine Anamnese des Zustands der Sexualität in der islamischen Welt, wie sie so bisher unbekannt war..."
    http://www.welt.de/kultur...

    "Stand Frau Roth eigentlich auch schon einmal an der Seite derer, die in Deutschland - nicht selten unter Gefahr für Leib und Leben- für die Rechte türkischer bzw. muslimischer Frauen kämpfen? Habe ich etwas verpasst?"
    --
    Hier können Sie mehr über die Position der "GRÜNEN MuslimInnen" erfahren, die C. Roth im Namen der Deutschen GRÜNEN besucht hat und ggf. daraus schlussfolgern, welcher Stellung sie zu den Frauenrechten im Islam zuneigt:
    http://www.gruene-muslime...

    Aus einem Interview mit dem weltberühmten Pianisten Fazil Say, dem ein Schicksal droht wie von Salman Rushdie. Seit seiner Verurteilung durch ein türkisches Strafgericht wegen „Beleidigung der Religion“ kann er nur noch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen auftreten:

    Frage:"Die Grünen-Chefin Claudia Roth hat einmal im ZDF gesagt: „Wir müssen den Islam einbürgern.“

    Say: Deutschland sollte nicht den Islam einbürgern. Deutschland und seine Intellektuellen sollten ganz konkret und sehr leidenschaftlich für jene Menschen Partei ergreifen, die von islamistischer Politik an Leib und Leben bedroht werden, welche den Islam dazu missbraucht, um totalitäre Strukturen aufzubauen.
    http://deutsche-wirtschaf...
    ---
    Claudia Roth verkennt völlig die innewohnende Gewalthaltigkeit des patriarchalen monotheistischen Fundamentalismus wie er auch vor der Aufklärung im Christentum ausgelegt u. brutal praktiziert wurde.

    werden türkische Frauen nicht zwangsverheiratet und "Ehrenmord" ist wohl etwas was auch Türken nur aus den Medien kennen. Rückständige gibt es natürlich überall auf der Welt, auch bei uns.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Claudia Roth | Gewalt | Istanbul | Bundestag | Demokratie | Die Linke
Service