USA : Snowden wird zum Verräter

Erst Held, jetzt Kollaborateur: Die öffentliche Meinung zu Edward Snowden in den USA kippt, Medien greifen ihn wegen seiner Flucht nach Russland an.
Snowden-Poster in Hong Kong © Philippe Lopez/AFP/Getty Images

Die Geduld der Amerikaner mit Edward Snowden stößt in diesen Tagen an ihre Grenzen. Nach seiner Enthüllung des Prism-Programmes, mit dem der Geheimdienst NSA das Internet anzapft, hatten ihn viele Kommentatoren zunächst mit großer Sympathie bedacht. Sie verliehen ihm den Ehrentitel eines mutigen Whistleblowers, der Missstände in der Regierung aufdeckt.

SnowdensFlucht nach Hongkong, wo er sich de facto unter die Kontrolle Chinas begab, warf erste kritische Fragen auf. Aber spätestens seit der Informant, den die USA nun wegen Hochverrats suchen, am Sonntag in Moskau eingetroffen ist – angeblich mit dem Ziel der Weiterreise nach Kuba und Ecuador – hat sich die öffentliche Debatte merklich gedreht.

Längst geht es nicht mehr darum, ob die Regierung von US-Präsident Barack Obama mit ihrem digitalen Lauschangriff das eigene Volk bespitzelt, sondern darum, ob da einer wissend oder fahrlässig den Feinden der USA in die Hände spielt. Die Snowden-Saga ist zu einem internationalen Spionagethriller mit Anleihen an den Kalten Krieg geworden – und der Ritter der Meinungsfreiheit zu einem skrupellosen Geheimnisverräter und Kollaborateur repressiver Regime.

Noch ist nicht klar, wie die Öffentlichkeit sich zu den neuesten Entwicklungen verhält. In einer Meinungsumfrage des Instituts Pew Research vom 17. Juni war die Nation noch in der Mitte gespalten, wobei auch damals schon eine knappe Mehrheit fand, dass Snowden strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden müsse.

Was wissen die Chinesen?

Der schärfere Ton der Meinungsmacher wurde am Sonntag etwa in der Sonntagstalkshow Meet the Press des Senders NBC hörbar – als der Moderator David Gregory den Guardian-Journalisten Glenn Greenwald anging, der Snowdens Enthüllungen zuerst veröffentlicht und ihm in Hongkong geholfen hatte, sich zu verstecken. "Warum sollte man Sie, Herr Greenwald, nicht eines Verbrechens anklagen?", blaffte Gregory unvermittelt den Kollegen an.

Die Snowden-Kritiker in Regierung und Kongress sind in diesen Tagen nicht mehr allein mit ihren Vorwürfen, dass es sich bei dem 29-Jährigen um einen Verräter handele. Empört zitieren US-Medien anonyme CIA-Mitarbeiter, die davon ausgehen, dass der chinesische Geheimdienst sich in Hongkong alle Daten von Snowdens vier Laptops gezogen habe. Derzeit werde er wohl von den Russen verhört. Den Flug nach Kuba, in dem er am Montag vermutet wurde, trat er jedenfalls nicht an.

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Kommentare

205 Kommentare Seite 1 von 28 Kommentieren

Es ist hier einigen wohl nicht soganz klar

wozu Asyl da ist und warum er KEIN Asyl in Deutschland bekommen wird. Denn er Straftatbestand des Verrats ist wohl kaum anzuzweifeln. Was eine Privatperson im Einzelfall davon hält, ist Privatvergnügen.

Wenn hier die Frage nach dem Warum gestellt wird: Man sollte sich und seine Weltanschauung nicht als Nabel des Universums und für allgemein Gültig halten. In der freien Welt ist es so, dass man auch anderer Meinung sein darf. Das unterscheiden uns von der restlichen Welt.

Es kommen so wenig brauchbare Informationen über Art und Umfang der Datensammlugn und deren Verwendung und so viele Leute hier "Wissen" so viel und haben schon längst ein fertiges Urteil. Das kann es aber auch nicht sein.

Viktor Ostrovsky ist geboren am 4. Juli. Er ist aus Überzeugung zum Mossad gegangen und musste schlimme Dinge erfahren, die er für falsch hielt. Das hat eine ganz andere Hintergrundgeschichte als das jetzt hier.

Mister Bear war von Clinton enttäuscht. Der CIA Mann wollte im Irak "eingreifen". Clinton wollte keine neue "Schweinebucht" in seiner Schicht und gab Bear einen Korb. Der Kündigte daraufhin und Kritisiert nun auf seriöse Art und Weise die CIA. Wobei man nochmal wissen sollte: Die CIA ist der Geheimdienst. Die NSA war schon immer nur dafür da, Daten zu sammeln. Wer davon überrascht ist, sollte sich fragen, wie es zu dieser Wissenslücke kommen konnte.

@155 Straftatbestand des Verrats ist wohl kaum anzuzweifeln

Strafbestand des Verrats ist ohne Vorbehalt, bzw. einer sorgfältigen rechtlichen Prüfung bei den nachrichtendienstlichen Angelegenheiten der Beweis über kriminellen (streng rechtswidrigen) Hintergründen der streng geheimen Operationen.

Die unterschiedliche, absolut unschuldige Opfern der unterschiedlichen absolut als geheim eingestuften Angelegenheiten haben jeden Anspruch auf recht auf eine würdige Existenz verloren. Dass man sich mittlerweile nach den allen Erfahrungen der Geschichte damit zufrieden gibt und behauptet es ist einfach entsprechend irgendwelchem fraglosem Rachtspositivismus Strafbestand des Verrats, ist mehr als bedauerlich, so gar seht gefährlich bezüglich unseres allgemeinen und einzelnen geistigen Zustands

Die Zeit nachzudenken, die ganze Entwicklung zu hinterfragen war schon längst ausgebrochen.

Eintreten für Snowden - Glückwunsch zur Zustimmung!

Sie schreiben:
"Die Wahrheit ist, keiner der sogenannten demokratischen Vorzeigestaaten bietet Snowden Schutz vor seinen Verfolgern, weil ihre Vertreter sich bisher allesamt aus Angst vor der Supermacht als Feiglinge outen."

Glückwunsch zu Ihrem Beitrag und Glückwunsch zur Zustimmung durch Redaktion und Leserschaft!

Als ich vor Tagen in Leserbeiträgen zum Online-Artikel "Jeder wird verdächtigt" zweimal vom "Eintreten für Snowden" - durch Presse und westliche Regierungen - und vom möglichen Asyl für ihn in Deutschland sprach, gab es dafür noch gar keine Beachtung.

Gut, dass die Dinge sich langsam ändern. Besser, das Eintreten würde - durch Presse und durch Regierungen - viel offener geschehen:

Die Abhörklamotte endlich entpersonalisieren (so auch Snowden in dieser Angelegenheit entkriminalisieren), global versachlichen und für Offenheit in allen - auch nötigen - Abhörangelegenheiten sorgen ...

CORREA tritt Meinungsfreiheit mit Füßen

Es gibt wirklich keinen Grund, die Politik von Ecuadors linkem Präsidenten Correa zu beschönigen.

"Seit seinem Amtsantritt 2007 führt Correa einen offenen Krieg gegen die privaten Medien seines Landes (...) Correa hat TV-Sender verstaatlicht, Radios schließen lassen und kritischen Kommentatoren Millionenklagen angehängt." (Wiener Tageszeitung "Die Presse" vom 25. Juni 2013, S. 2 und 3)

Vor gut zwei Wochen wurde überdies vom ecuadorianischen Parlament ein neues Mediengesetz verabschiedet:

Wenn dieses Gesetz in Kraft tritt, werden die Medien einen Großteil ihrer Seiten oder Sendeminuten für Berichte über die Einweihung von Straßen, Schulen und Krankenstation aufwenden müssen. (...) Die NGO 'New Yorker Committee to Protect Journalists' reiht Ecuador schon vor Annahme des neuen Gesetzes unter die ZEHN PROBLEMATISCHSTEN LÄNDER in Bezug auf die FREIHEIT DER PRESSE." (derselbe Presse-Artikel)

Am besten sollte er sich wie Manning

Jahrelang psychisch foltern lassen in einem geheimen Gefägnis und sich dann vor einem geheimen Gericht zu lebenslänglich verurteilen lassen.
Wie naiv ist das denn bitte von der Autorin? Ich glaube eher ganz mieses Kalkül. Das man dann noch als Journalistin es unkommentiert lässt, wenn so ein Establishment Schoßhund wie D Gregory einen Journalisten Kriminalisiert der seinen Arbeit richtig macht ist die Krone. Es wird ein Kampf gegen investigativen Journalismus geführt. Vor allem in den USA. Daniel Elsberg ist damals gegen KAution auf freien Fuß gekommen als er die Pentagonpapiere geklaut hat. Er konnte sich erklären. Nixon ließ umgehend bei seinem Psychater einbrechen und Elsbergs Akte klauen um ihn zu diskreditieren. Das ist alles belegt.

Einfach nur lächerlich der Artikel. Bloß nicht auf die Inhalte der Enthüllungen eingehen. Sowas kann man vielleicht in der Printversion veröffentlichen, aber nicht online. Die Leser hier sind i.d.R. nicht über 50 und realitätsfremd.