Istanbul : Erdoğan will Park-Projekt trotz Protests bauen lassen

Die umstrittenen Bau-Pläne in Istanbul waren der Auslöser für die landesweiten Proteste gegen den türkischen Premier. Der sagt nun: Das Projekt wird durchgezogen.
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan © Zoubeir Souissi/Reuters

Trotz tagelanger Proteste will der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan an dem umstrittenen Bauprojekt in Istanbul festhalten. Er werde die Umgestaltung des Gezi-Parks in der Metropole vorantreiben, sagte Erdoğan während eines Besuchs in Tunesien. Er rückte dabei einen Teil der Protestteilnehmer in die Nähe des "Terrorismus".

Seit Ende Mai demonstrieren in Istanbul immer wieder Tausende Menschen gegen den Bebauungsplan im Gezi-Park in der Nähe des Taksim-Platzes. Erdoğans Partei will dort ein osmanisches Kasernengebäude aus dem 18. Jahrhundert nachbauen und darin Cafés, Museen oder auch ein Einkaufszentrum unterbringen. Aus den lokalen Demonstrationen ist ein landesweiter Protest gegen den Regierungsstil Erdoğans geworden, dem seine Gegner undemokratisches Verhalten und eine schleichende Islamisierung der Türkei vorwerfen.  

Erdoğan sagte nun, es sei nur eine Minderheit, die gegen ihn und die Baupläne protestiere. Er warnte davor, einen Wettkampf gegen die Staatsmacht führen zu wollen. Die Äußerungen Erdoğans führte an der Istanbuler  Börse umgehend zu deutlichen Kursverlusten. Am Abend will der Ministerpräsident wieder von seiner Reise in die Türkei zurückkehren.

Als der Premier während seiner Rede in Tunis auf den Bildschirmen in der Türkei erschien, unterbrachen die Istanbuler in den Restaurants in der Innenstadt ihr Essen, die Kellner drehten den Ton auf und hörten auf die ersten Worte Erdoğans seit drei Tagen. Die türkischen Sender waren auf die Bilder ihrer tunesischen Kollegen angewiesen, deshalb wurden Erdoğans Aussagen erst vom Türkischen ins Arabische übersetzt, um dann wieder live ins Türkische zurückübersetzt zu werden.

Erdoğan macht Demonstranten für Anschlag verantwortlich

Erdoğan sagte, unter den Demonstranten seien auch Mitglieder einer "Terrororganisation" am Werk. Er verwies dabei auf Personen, die sich zu einem Anschlag auf die US-Botschaft am Februar in Ankara bekannt hatten. Durch den Selbstmordanschlag auf die US-Vertretung war Anfang Februar ein Wachmann getötet worden. Die linksextreme Gruppe Revolutionäre Volksbefreiungsfront (DHKP-C) übernahm später die Verantwortung für das Attentat.

Seit den ersten Protesten gibt es in Istanbul und Ankara immer wieder Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Ein türkischer Polizist ist nach Medienberichten gestorben. Der Beamte sei im Krankenhaus am Mittwoch seinen Verletzungen erlegen, berichtete der Nachrichtensender NTV. Der Polizist war demnach in der Provinz Adana im Süden des Landes von einer im Bau befindlichen Brücke gestürzt, als er Protestteilnehmer verfolgte.


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Kommentare

39 Kommentare Seite 1 von 7
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Dies zum Thema

Also "too much" ist wenn ein Thema so häufig wiederholt das eine "Stimmung" entsteht. Obwohl der Artikel jetzt nicht schlecht ist oder so. Wenn ich jetzt über die Proteste in der Türkei nachdenke empfinde ich latent die Angst mein Urlaub in der Türkei zu verbringen.

Das sollte eigentlich nicht sein. Und das andere was Sie da geschrieben das blende ich mal aus dazu äußere ich mich nicht.

Politisch gesehen finde Ich Bürgerentscheide besser als Proteste.. das sollte in der EU flächendeckend sein auch in Deutschland. Auch dieses "Park" Projekt sollte eigentlich kein Thema sein.. aber sollte..sollte es immer...

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