Menschen liegen sich weinend in den Armen. Hupende Autokorsos kreisen durch die Wohnviertel. Ausgelassen schwenken junge Leute ihre grünen und violetten Tücher. Zehntausende feiern am Samstagabend in Teheran und anderen großen Städten Irans den überraschenden Sieg des einzigen moderaten Kandidaten Hassan Ruhani bei den Präsidentenwahlen.

Noch in der Wahlnacht schlägt der künftige Präsident moderate Töne an. Sein Erfolg sei auch ein Sieg der Mäßigung über den Extremismus. Es gebe somit auch eine neue Chance in den internationalen Beziehungen für diejenigen, die Demokratie, Zusammenarbeit und freie Verhandlungen wirklich respektierten.

Der 64-jährige Kleriker konnte sich laut amtlichen Endergebnis überraschend klar mit 50,7 Prozent der Stimmen gegen seine fünf erzkonservativen Konkurrenten durchsetzen und auf Anhieb die absolute Mehrheit erringen. Wie das Innenministerium bekannt gab, entfielen auf Ruhani rund 18,6 der 36,7 Millionen abgegebenen Stimmen, der damit zum Nachfolger von Mahmud Ahmadinedschad gewählt ist.   

Geringere Wahlbeteiligung

Mit weitem Abstand und 16,5 Prozent folgte der Teheraner Bürgermeister Mohammad Baqer Qalibaf. Der Bewerber mit den engsten Beziehungen zum obersten Revolutionsführer Ali Chamenei, Atomunterhändler Said Dschalili, landete mit 11,3 Prozent auf Platz drei. Der ehemalige Chef der Revolutionären Garden, Mohsen Resai, erhielt 10,6 Prozent, die übrigen beiden Hardliner kamen nur auf einstellige Prozentanteile.

Die Beteiligung der 50,5 Millionen Wahlberechtigten war diesmal mit 72,7 Prozent zwar geringer als vor vier Jahren. Viele moderate und reformgesinnte Wähler jedoch hatten sich in letzter Minute doch noch entschlossen, ihre Stimme abzugeben. Anfang der Woche hatten die beiden prominenten Ex-Präsidenten Mohammed Chatami und Ali Akbar Rafsandschani gemeinsam zur Wahl Ruhanis aufgerufen, seinen moderaten Mitkonkurrenten Mohammed Resa Aref zur Aufgabe überredet und eindringlich gegen einen Wahlboykott plädiert.

Westliche Staaten hoffen auf Wende im Atomstreit

In den westlichen Staaten wurde Ruhanis Wahlsieg mit vorsichtigem Optimismus aufgenommen. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius pries "das Verlangen des iranischen Volkes nach Demokratie" und sagte, man sei bereit, mit dem neuen Präsidenten in allen Bereichen zusammenzuarbeiten – von der Atompolitik bis zum Syrienkonflikt.  

Sein britischer Amtskollege William Hague rief Ruhani auf, den Iran in Zukunft auf einen neuen Kurs zu steuern. Ähnlich äußerte sich die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton: "Ich setze mich weiter dafür ein, mit der neuen iranischen Führung an einer raschen diplomatischen Lösung der Nuklearfrage zu arbeiten."  

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon machte deutlich, dass er auf eine Neuorientierung Irans setzt. Er forderte von Ruhani "eine konstruktive Rolle in regionaler und internationaler Politik".

Israels Regierung ist skeptisch

Aus Israel kamen dagegen skeptische Töne. Ungeachtet des Wahlsiegs des gemäßigten Kandidaten im Iran solle der internationale Druck auf Teheran aufrechterhalten werden, forderte der Minister für strategische Angelegenheiten, Juval Steinitz, im israelischen Rundfunk. Es sei "zu früh zu feiern".    

Solange es im Iran keinen echten Wandel gebe, müsse man davon ausgehen, dass das Land weiter am Bau einer Atombombe arbeite. Die Sanktionen müssten weiter verschärft werden, eine glaubhafte Drohung mit militärischen Schritten im Atomstreit mit Teheran sei weiterhin notwendig.