Präsidentenwahl in IranReformer Aref zieht seine Kandidatur zurück

Mohammed Resa Aref tritt nicht zur iranischen Präsidentschaftswahl an. Er hat seine Kandidatur zurückgezogen – und will gerade so das Reformlager stützen.

Mohammed Resa Aref Anfang Mai in Teheran, als er sich als Kandidat für die Präsidentschaftswahl registriert hatte

Mohammed Resa Aref Anfang Mai in Teheran, als er sich als Kandidat für die Präsidentschaftswahl registriert hatte  |  © Atta Kenare/AFP/Getty Images

Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl im Iran hat der einzige Reformer unter den Bewerbern seine Kandidatur zurückgezogen. Mit seiner Entscheidung, die Mohammed Resa Aref auf seiner Internetseite mitteilte, gab der 61-Jährige Forderungen aus dem Reformlager nach. In den vergangenen Tagen hatten ihn mehrere Stimmen dazu aufgerufen, zugunsten des moderaten Bewerbers Hassan Ruhani auf eine Kandidatur zu verzichten.

Aref selbst gab an, er habe am Montagabend eine Mitteilung des früheren reformorientierten Präsidenten Mohammed Chatami erhalten. "Als Chef der Reformbewegung" habe dieser ihm mitgeteilt, dass seine Kandidatur nicht "zweckdienlich" und nicht im Sinne der iranischen Reformbewegung sei. "Ich habe deshalb beschlossen, mich aus dem Rennen zurückzuziehen." Die Erfahrungen aus zwei vergangenen Präsidentenwahlen zeigten, dass die Kräfte nur so gebündelt werden könnten. 

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"Ruhani ist von nun an der Kandidat des Reformlagers", hieß es denn auch unmittelbar nach Arefs Verlautbarung in einer Erklärung des sogenannten Konsultativrates, der Moderate und Reformer vereint. Ruhani hat sowohl die Unterstützung vom ehemaligen Reformer-Staatschef Chatami als auch vom moderaten Ex-Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani, dem eine eigene Kandidatur verwehrt worden war. Der 63-Jährige tritt für die Bildung einer überparteilichen Regierung der nationalen Einheit ein.

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl findet am Freitag statt. Der jetzige Präsident Mahmud Ahmadinedschad kann nach zwei vierjährigen Amtszeiten nicht erneut antreten. Am Montag hatte sich bereits der konservative Kandidat Gholam Ali Haddad Adel aus dem Rennen zurückgezogen. Nach dem Verzicht Arefs gibt es nun noch sechs Kandidaten für das Präsidentenamt, die meisten von ihnen Konservative.

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Leserkommentare
  1. Dieses Schauspiel um die iranischen Präsidentsschaftswahlen ist wirklich ulckig. Man muss auf Strassen Irans sehr lange suchen, bis man jemanden findet, der diese Wahlen überhaupt ernst nimmt. Ein abgesprochenes Theaterstück ohne gleichen. Das iranische Volk hat auf jeden Fall schon lange dieses Spiel, bei dem die Schauspieler genau ausgesucht wurden durchschaut.

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    "...bei dem die Schauspieler genau ausgesucht wurden durchschaut."

    Ihre Aussage ist sehr herabwürdigend, diese Wahl ist für millionen Menschen, nicht nur Iraner, sehr bedeutend. Sind all Jenen, die nach der letzten Wahl ins Gefängnis kamen, oder wie Moussawi unter Hausarest stehen, für Sie Schauspieler?

    Hassan Rohani sagt im ersten Interview im staatlichem Fernsehen:"Egal was man verbrochen hat, egal ob man so oder so denkt, egal ob links oder rechts, die Nation investiert in die Menschen, und jeder gehört zur Nation. Wir haben nicht das Recht irgend jemanden auszugrenzen."

    Das ist eine kleine Revolution und nicht im Sinne Khomeinis, der viele ausgegrenzt hat. Der Mann kann dafür nach der Wahl ins Gefängnis kommen. Der riskiert sein Leben für Homosexuelle und Kommunisten im Exil.

  2. Damit nicht ein Erzkonservativer regiert, müssen wir den einzigen Mullah unter den Kandidaten wählen. Das ist doch absurd.

    Trotzdem ist es die Wahl sehr spannend. In den wirklich wichtigen Fragen unterscheiden sich die Kandidaten erheblich.

  3. "...bei dem die Schauspieler genau ausgesucht wurden durchschaut."

    Ihre Aussage ist sehr herabwürdigend, diese Wahl ist für millionen Menschen, nicht nur Iraner, sehr bedeutend. Sind all Jenen, die nach der letzten Wahl ins Gefängnis kamen, oder wie Moussawi unter Hausarest stehen, für Sie Schauspieler?

    Hassan Rohani sagt im ersten Interview im staatlichem Fernsehen:"Egal was man verbrochen hat, egal ob man so oder so denkt, egal ob links oder rechts, die Nation investiert in die Menschen, und jeder gehört zur Nation. Wir haben nicht das Recht irgend jemanden auszugrenzen."

    Das ist eine kleine Revolution und nicht im Sinne Khomeinis, der viele ausgegrenzt hat. Der Mann kann dafür nach der Wahl ins Gefängnis kommen. Der riskiert sein Leben für Homosexuelle und Kommunisten im Exil.

    Antwort auf "Was für ein Theater!"
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    nicht, dass Herr Rohani einen Hauch von einer Chance hat, diese jetzt schon manipulierte Wahl zugewinnen. Und falls er gewinnen würde, wird er wie einst Herr Chatami resignieren, weil er als Präsident lediglich eine zweitrangige Rolle spielt.

  4. nicht, dass Herr Rohani einen Hauch von einer Chance hat, diese jetzt schon manipulierte Wahl zugewinnen. Und falls er gewinnen würde, wird er wie einst Herr Chatami resignieren, weil er als Präsident lediglich eine zweitrangige Rolle spielt.

    Antwort auf "Schauspiel? "
  5. Hassan Rouhani ist sicherlich ein bärenstarker Kandidat, dem ich zutraue, dass er die Stichwahlen erreicht.
    Sollte er dort eine Niederlage einfahren, schmälert das seinen Stellenwert jedoch nicht. Denn entsprechend des politischen Comments im Iran werden auch die Zweit- und Drittplatzierten vom politisch-klerikalen Establishment (Revolutionsführer/Wächterrat usw.) eine Aufwertung erfahren.
    Könnte man so sehen, dass auch die Unterlegenen bewiesen haben, dass sie immerhin über einige Zustimmung im Volk verfügen, die durch eine Aufwertung gewürdigt wird.

    Als Hodschatoleslam muss es für einen ehrgeizigen Kleriker wie Rouhani das Ziel sein, zum Ayatollah ernannt zu werden. Auch eine knappe Niederlage wäre geeignet, diesem Ziel ein ganzes Stück näher zu kommen.
    Für den schiitischen Klerus wäre es erstens sehr wünschenswert, wenn sie einen Kandidaten aufbauen könnten, der über hohe Popularität im Volk verfügt und der dann zweitens in der mittelfristigen Zukunft einen "Reformkurs" verkörpern könnte.

    Der iranische Staat ist durch eine Revolution entstanden und befindet sich immer noch in einer Phase, die ich als "Diktatur des reinen Islam" bezeichnen würde. Diese Diktatur wird durch Ayatollah Chamenei verkörpert, der seinerseits aber alles andere als unumstritten ist.
    Für den Klerus wäre es wünschenswert, diese Phase allmählich zu überwinden. Hassan Rouhani könnte in diesem Sinne der kommende Mann sein. Einer, der sowohl das Vertrauen des Klerus als auch des Volkes geniesst.

  6. "...und befindet sich immer noch in einer Phase, die ich als "Diktatur des reinen Islam" bezeichnen würde."

    Nachdem ich das Land mehrmals besucht habe, sehe ich das nicht mehr so politisch. Das Leben dieser Menschen ist kaum von der Politik und vom Islam geprägt. Die Zahl der Gesetze an die man sich halten muss, sind im Vergleich zu Europa eher gering. Man kann an einem dutzend Fingern ablesen woran man sich ausser Haus halten muss.

    Das Problem der Iraner ist eher die Diktatur der Familie, bzw. Eltern. Ob die Mädchen früh heiraten, studieren, wer mit wem befreundet sein darf, welchen Beruf man ausübt, wohin man geht und was man macht. Im Iran gibt es keine Privatsphäre in der Familie. Alle mischen sich ein, nehmen jede Chance der Freiheit und der freien Selbstgestaltung. Man kann sich nie entfalten. Das hat auch wenig mit Islam zu tun.

    Die Diktatur der Familie ist das was den Iranern so zu schaffen macht, aber sie kennen keine Pädagogik, keine Sozialwissenschaften. Deswegen ist immer alles die Regierung schuld.

    Ich schätze grob dass vielleicht 80% der Unfreiheit von der Familie ausgeht und 20% von Islam und Staat.

    Ich habe schon in vielen Gesprächen mit Auswanderern festgestellt, die Freiheit die die jungen Iraner ins Ausland treibt und die sie dann empfinden, das ist das wegkommen von der Familie. Endlich machen was man will.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber Ihre Annahme ist völlig falsch. Die junge iranische Gesellschaft ist sehr gut ausgebildet und informiert; sie sieht nicht ein, vorgeschrieben zu bekommen, was sie auf der Strasse sagen darf und wie sie sich bekleiden darf.Sie sieht nicht ein, dass Frauen in allen Bereichen des Lebens diskriminiert werden und Menschen einfach verschwinden, weil sie Kritik geäußert haben. Sie flüchten bestimmt nicht aus dem Land, weil sie die familiäre Freiheit suchen.

    Bitte lesen:

    "In Deutschland leben hundert iranische Veteranen der Grünen Bewegung. Einer von ihnen ist Hesam Misaghi. Sein Heimatland will er nicht vergessen."

    http://www.zeit.de/politi...

    Dass die jungen Menschen die gesellschaftlichen und auch familiären Verhältnisse als ein stramm geschnürtes Korsett wahrnehmen, von den sie sich gerne befreien möchten, ist ein Phämonen, das es vielleicht an allen Orten und zu jeder Zeit gegeben haben mag.
    Und so wie ich das sehe, sind es im Iran keinesfalls ausschliesslich die Männer, die dieses Korsett schnüren, sondern es sind auch und gerade die Frauen, die diese "Binnen-Diktatur" ausüben. Wenn man beispielsweise sich die schiitischen Pilgerströme anschaut, meinethalben an der Imam Hussein-Moschee in Kerbala, dann sieht man, dass die meisten frommen Pilger Frauen sind.

    Meinen Punkt von der "Diktatur des reinen Islam" würde ich gerne verteidigen.
    Wenn ich mir den Wahlkampf eines der vielversprechendsten Kandidaten, Said Jalili, anschaue, dann ist dessen Begründung für den Aufstieg des Iran und das Erfolgsrezept für die Zukunft die Politik des "reinen Islam".

    "The principlist candidate (Jalili, Amn.) cited pure Islam and the loyalty of the Iranian people as two main factors which have brought about the country’s progress and success."
    http://www.presstv.ir/det...

    Jalili ist promovierter Politikwissenschafter. Titel seiner Promotionsschrift: "Die Aussenpolitik des Propheten Mohammed".
    Insofern habe ich keinen Zweifel, dass der reine Islam auch in der näheren Zukunft das oberste Paradigma der iranischen Politik bleiben wird.

  7. aber Ihre Annahme ist völlig falsch. Die junge iranische Gesellschaft ist sehr gut ausgebildet und informiert; sie sieht nicht ein, vorgeschrieben zu bekommen, was sie auf der Strasse sagen darf und wie sie sich bekleiden darf.Sie sieht nicht ein, dass Frauen in allen Bereichen des Lebens diskriminiert werden und Menschen einfach verschwinden, weil sie Kritik geäußert haben. Sie flüchten bestimmt nicht aus dem Land, weil sie die familiäre Freiheit suchen.

    Bitte lesen:

    "In Deutschland leben hundert iranische Veteranen der Grünen Bewegung. Einer von ihnen ist Hesam Misaghi. Sein Heimatland will er nicht vergessen."

    http://www.zeit.de/politi...

  8. Dass die jungen Menschen die gesellschaftlichen und auch familiären Verhältnisse als ein stramm geschnürtes Korsett wahrnehmen, von den sie sich gerne befreien möchten, ist ein Phämonen, das es vielleicht an allen Orten und zu jeder Zeit gegeben haben mag.
    Und so wie ich das sehe, sind es im Iran keinesfalls ausschliesslich die Männer, die dieses Korsett schnüren, sondern es sind auch und gerade die Frauen, die diese "Binnen-Diktatur" ausüben. Wenn man beispielsweise sich die schiitischen Pilgerströme anschaut, meinethalben an der Imam Hussein-Moschee in Kerbala, dann sieht man, dass die meisten frommen Pilger Frauen sind.

    Meinen Punkt von der "Diktatur des reinen Islam" würde ich gerne verteidigen.
    Wenn ich mir den Wahlkampf eines der vielversprechendsten Kandidaten, Said Jalili, anschaue, dann ist dessen Begründung für den Aufstieg des Iran und das Erfolgsrezept für die Zukunft die Politik des "reinen Islam".

    "The principlist candidate (Jalili, Amn.) cited pure Islam and the loyalty of the Iranian people as two main factors which have brought about the country’s progress and success."
    http://www.presstv.ir/det...

    Jalili ist promovierter Politikwissenschafter. Titel seiner Promotionsschrift: "Die Aussenpolitik des Propheten Mohammed".
    Insofern habe ich keinen Zweifel, dass der reine Islam auch in der näheren Zukunft das oberste Paradigma der iranischen Politik bleiben wird.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, kg
  • Schlagworte Mohammed Chatami | Mahmud Ahmadinedschad | Ali Akbar Haschemi Rafsandschani | Präsidentenwahl | Iran
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