Hassan Ruhani kommt in Teheran aus einem Wahllokal. © Atta Kenare/Reuters

Bei der Präsidentenwahl im Iran liegt der gemäßigte Kandidat Hassan Ruhani weiter in Führung. Wie das Innenministerium mitteilte, kommt Ruhani bislang auf 51 Prozent der Stimmen. Bisher sind zwei Drittel der Wahlzettel ausgezählt. 

Sollte es bei Ruhanis Vorsprung bleiben, wäre die Wahl bereits in der ersten Runde entschieden. Wenn dagegen nach Auszählung aller Stimmen keiner der Kandidaten auf eine absolute Mehrheit kommt, findet am kommenden Freitag eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten statt.

Mit weitem Abstand liegt zurzeit der Teheraner Bürgermeister Mohammed Bagher Ghalibaf hinter Ruhani: Er erhielt 17 Prozent. Der Atomunterhändler Said Dschalili kommt auf 13 Prozent, Mohsen Resai, der langjährige Kommandeur der Revolutionsgarden, erhielt zehn Prozent der Stimmen. Der frühere Außenminister Ali Akbar Welajati und der frühere Ölminister Mohammed Gharasi liegen abgeschlagen auf den letzten Plätzen.

Dem moderaten Geistlichen Ruhani waren im Vorfeld nur geringe Chancen eingeräumt worden. Seine Aussichten verbesserten sich allerdings, nachdem der moderate Kandidat Mohammed Resa Aref seine Kandidatur zurückgezogen hatte

Ruhani will Bürgerrechtscharta und moderatere Außenpolitik

Während sich Reformer und Moderate hinter Ruhani versammelten, ging das konservative Lager mit mehreren Kandidaten ins Rennen. Sie alle vertreten im Atomstreit mit dem Westen eine harte Linie. Dagegen hatte Ruhani eine Bürgerrechtscharta und eine weniger konfrontative Außenpolitik angekündigt. 

Ruhani hatte von 2003 bis 2005 als Atom-Chefunterhändler die Gespräche mit westlichen Staaten geführt, später war er wegen Meinungsverschiedenheiten mit Präsident Mahmud Ahmadinedschad zurückgetreten. Im Wahlkampf wurde Ruhani von den einflussreichen Expräsidenten Mohammed Chatami und Akbar Haschemi Rafsandschani unterstützt. Rafsandschani hatte selbst nicht antreten dürfen.

Beobachter sagten, die Anhänger der sechs Kandidaten, die zur Wahl angetreten waren, wollten die ausgezählten Stimmen genau überprüfen. Medienberichten zufolge lag die Wahlbeteiligung bei etwa 80 Prozent. Das Innenministerium hatte die Öffnung der Wahllokale am Freitag um mehrere Stunden verlängert und dies mit einem großen Andrang begründet. 

Insgesamt waren mehr als 50 Millionen Iraner zur Wahl eines Nachfolgers von Präsident Ahmadinedschad aufgerufen, der nach zwei vierjährigen Amtszeiten nicht mehr kandidieren konnte.