Türkei : Stiller Protest in Istanbul

Hunderte Menschen demonstrierten schweigend auf dem Taksim-Platz gegen die Polizeigewalt. UN-Generalsekretär Ban forderte die Regierung auf, ihr Vorgehen zu mäßigen.
Menschen protestieren auf dem Taksim-Platz in Istanbul © Marko Djurica/Reuters

Dem stillen Protest in Istanbul schließen sich immer mehr Demonstranten an. Auf dem Taksim-Platz waren am Abend mehrere Hundert schweigende Menschen versammelt, wie Augenzeugen berichteten. Sie protestierten gegen die aus ihrer Sicht autoritäre Regierung und die Polizeigewalt der vergangenen Tage. Ein türkischer Choreograph hatte die neue Protestform initiiert. Er verharrte in der Nacht zu Dienstag stundenlang auf dem Platz.

Die Demonstranten richteten ihren Blick auf ein Porträt des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk. Eine in schwarz gekleidete junge Frau hielt in der Hand eine leere Tränengaspatrone, in der anderen das türkische Strafgesetzbuch. Demonstranten hatten sich in die türkische Flagge gehüllt. Die Polizei, die in den vergangenen Tagen massiv Tränengas eingesetzt hatte, hielt sich im Hintergrund.

Unterdessen hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die türkische Führung dazu aufgefordert, ihr Vorgehen im Konflikt mit den Demonstranten zu mäßigen. Die Versammlungs- und Meinungsfreiheit müssten respektiert werden. Ban reagierte seinem Sprecher Eduardo del Buey zufolge "betrübt" auf die Nachrichten von Todesopfern und Verletzten bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Erdoğan verkündet Sieg über die Demonstranten

Am Dienstag hatte die Polizei mindestens 85 Regierungsgegner festgenommen. Ihnen werde vorgeworfen, in die Proteste gegen die Regierung verwickelt und für Gewalt gegen Polizisten verantwortlich zu sein, hieß es in Medienberichten.  

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan verkündete den "Sieg" über die Demonstranten. "Unsere Demokratie hat erneut auf dem Prüfstand gestanden und sie hat gesiegt", sagte er vor Mitgliedern seiner Regierungspartei AKP in Ankara.

Die landesweite Protestwelle hatte sich an der gewaltsamen Räumung eines Camps von Demonstranten im Gezi-Park in unmittelbarer Nachbarschaft des Taksim-Platzes entzündet, das am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal geräumt wurde. Die Regierung plant dort den Nachbau einer osmanischen Kaserne mit Wohnungen, Geschäften oder einem Museum.

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Kommentare

65 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Bigotte Einstellung des Westens gegenüber ...

... Protesten.

Erdogan wird für etwas kritisiert, was bei uns in (abgeschwächter) Form genauso stattfindet.

Auch bei uns wurde eine demokratische Bewegung (S21) brutal niedergeschlagen, ohne, dass es wirkliche politische Konsequenzen gab. Wasserwerfer wurden eingesetzt, Pfefferspray wurde in Massen gegen gewaltfreie Demonstranten aller Altersgruppen (Schüler, Renter, Erwachsene) eingesetzt. Erdogan hat von uns gelernt, und gesehen, wie im Westen mit Demonstranten umgegangen wird: nicht blutig, nicht mit scharfen Waffen, sondern durch Knüppel, Gas und Wasser.

Die Proteste in Frankfurst sind ein weiteres Indiz für die "heruntergekommene Demonstrationskultur" in Deutschland, hier wird durch Polizeimeldungen systematisch versucht Demonstranten zu diffamieren, man braucht gar nicht die Pressemeldungen mehr zu lesen, um als Rechtfertigung eines harten Einsatz von "Steinewerfern" und ähnlichem zu lesen. Das reicht für uns auch meistens aus und rechtfertigt Einkesselung, Festnahmen und Gewalt gg. Demonstranten.

In der Türkei hat Erdogan auch von Steinewerfern berichtet, die westliche Presse hat das jedoch sehr skeptisch darauf reagiert und Erdogans Reaktionen stark kritisiert.

Ich will damit nicht Erdogan verteidigen, ich will nur darauf hinweisen, dass wir blind sind für das Unrecht das bei Demonstrationen im eigenen Land Anwendung findet. Es kann nicht sein, dass ständig mehr politisches Interesse gefordert wird, die Auslebung desselben aber nicht toleriert wird.

Nee das wird nichts.

Sie glauben doch nicht das bei 40+% zustimmung für Merkel und der Menge an BMW besitzern und Spießern das sich irgendwer in Deutschland gegen den aufgezwungenen glauben der CSU wert. Wir haben Kruzefixe in der Schule, schwören auf die Bibel und berufen uns auf Gottes Hilfe, haben Reli in der Schule. Da brauch kein böser Moslem kommen und unseren tollen Sekulären Staat unterwandern.