TürkeiZehntausende demonstrieren in Köln gegen Erdoğan

Auch in Deutschland mobilisiert der Protest gegen den türkischen Ministerpräsidenten viele Menschen. In Köln nannten die Demonstranten Erdoğan einen "Wolf im Schafspelz".

Demonstration gegen die türkische Regierung in Köln

Demonstration gegen die türkische Regierung in Köln  |  ©Henning Kaiser/dpa

Etwa 80.000 Menschen haben laut Angaben der Veranstalter in Köln gegen den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan demonstriert. Andere Quellen sprachen von 30.000 bis 40.000 Demonstranten. Redner forderten den Rücktritt Erdoğans und sofortige Neuwahlen. Die Kundgebung stand unter dem Motto "Überall ist Taksim". An der geplanten Bebauung des Gezi-Parks am Taksim-Platz in Istanbul hatten sich die Proteste in der Türkei entzündet

Transparente trugen Aufschriften wie "Erdoğan, der Wolf im Schafspelz" oder "Europa weiß, was Sache ist – in Ankara regiert ein Faschist". Demonstranten zeigten Plakate mit Slogans wie "Erdoğan, Du bist und bleibst ein Faschist" und "Erdoğan ist schuld an Parallelgesellschaft in Deutschland". Die aus ganz Deutschland angereisten Teilnehmer der Kundgebung hielten unter anderem eine Schweigeminute ab "für alle, die ihr Leben für Freiheit und Demokratie geopfert haben".

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Organisiert wurde die Kundgebung von der Alevitischen Gemeinde Deutschland, einer liberalen islamischen Gemeinschaft. Die Aleviten hatten in den vergangenen Wochen das harte Vorgehen der türkischen Polizei gegen Demonstranten kritisiert. Wegen der großen Teilnehmerzahl verzichteten die Veranstalter auf einen Demonstrationszug durch die Kölner Innenstadt und hielten stattdessen eine mehrstündige Kundgebung auf dem zentralen Heumarkt ab. Die Polizei sprach von einer "erfreulich friedlichen" Veranstaltung.

Erdoğan lege eine Gewaltrhetorik an den Tag und stachele die Menschen gegeneinander auf, kritisierte der Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde, Ali Dogan. Dies habe zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen in der Türkei geführt und sei eines Ministerpräsidenten unwürdig. Notwendig sei nicht nur der Rücktritt Erdoğans, sondern auch die Bestrafung von Polizisten, die sich bei der Niederschlagung der friedlichen Proteste schuldig gemacht hätten.

SPD-Vize Özoguz weist Begriff "Diktator" zurück

Auch deutsche Politiker nahmen teil: Linken-Fraktionschef Gregor Gysi, der Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck und der SPD-Außenexperte Rolf Mützenich forderten das uneingeschränkte Recht auf Demonstrationen auch in der Türkei, Unterstützung für die Protestierenden in türkischen Städten und die Freilassung von inhaftierten türkischen Demonstranten.

Die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Aydan Özoguz distanzierte sich von den Slogans, die Erdoğan als Diktator einstuften. Rund 50 Prozent der Türken hätten den Ministerpräsidenten und seine Partei AKP gewählt, sagte sie im Deutschlandradio Kultur. "Am Ende entscheidet natürlich das türkische Volk, ob Erdoğan weiter regiert oder nicht."

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Leserkommentare
  1. Entfernt, bitte bleiben Sie beim konkreten Thema. Danke, die Redaktion/se

    Eine Leserempfehlung
  2. 2. wow...

    Wer eine gewählte regierung zu stürzen versucht begünstigt Anarchismus.

    Demokratie geht übers Wahllokal.

    7 Leserempfehlungen
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    In Deutschland ist das Demonstrationsrecht ein Grundrecht.
    Diese Menschen haben eine Demonstration angemeldet und laut der Polizei friedlich demonstriert. Nur weil es Ihnen nicht gefällt, ist es kein Anarchismus.

    Demokratie ist mehr als nur alle vier Jahre Wählen gehen.

    [...]

    Viel wurde bereits über Mehrheiten und Wahlkämpfe in Erdogans Türkei berichtet, entgegen der zu verbreitenden Meinung sind das alles seriöse Quellen gewesen, die da über Bestechungen berichteten, aber egal.

    Denn neben den seriösen Quellen gibt es ein klar sichtbares Bedürfnis der Menschen, die sich wehren, nach Bescheidenheit, nach Offenheit, nach Toleranz, nach Transparenz und Schutz der Politik. Und sie wehren sich gegen die himmelschreiende, auch von Ihnen unablässig vertretene Vorstellung, in der Demokratie "beherrsche" die Mehrheit die Minderheit. Was für ein Unsinn!!!

    Sie aber wollen hier immer noch einen mächtigen Führer der großen Türkei unter einem dünnen Deckmäntelchen namens Demokratie. Dass das Deckmäntelchen nun sichtbar wurde, lässt sich durch kein Vorbeten der Parolen Erdogans mehr verstecken.

    Haben Sie mich?

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • hakeen
    • 23. Juni 2013 12:06 Uhr

    Das ist typisch Demokratie Verständnis des Erdogans und seinen Anhänger:
    Wer regiert, ist er der König und Anderen sollen als Sklaven alles machen, was der König sagt.

    Kennen Sie welche Wahlsystem der Türkei hat? Was sind die Vorteile und Nachteile von solchem System? Warum hat Deutschland ein anderes System??Besser bisschen sich kundigen über "wichtige" Themen.

    Ein politische Partei zu unterstützen sollte "nicht" wie ein Fan von Fußballverein zu sein.
    Leider das ist der Fall für viele Leute idT, besonders für Erdogans Anhänger.

    Die Leute möchten zum ersten nicht die Parks werden zum Shopping-Malls umgebaut wird. Er hat das nocht nicht 100% akzeptiert,weil er denkt, so eine Entscheidung ein Rückschritt (für seine Macht) ist.

    • homme
    • 23. Juni 2013 12:38 Uhr

    Die meisten demokratisch gewählten Regierungen sind durch Mehrheiten legitimiert. Das gibt ihnen aber nicht das Recht zu machen was ihnen beliebt und unliebsame Kritiker mit der Staatsmacht brutal zu unterdrücken. Das gilt für jedes demokratische Land und dessen Regierung.
    Jede demokratisch gewählte Regierung hat die Pflicht die Grundrechte zu schützen und sich an die demokratischen Spielregeln zu halten. Dazu gehört auch das Recht auf die deutliche/friedliche Äußerung von Meinungen, die der jeweiligen Regierung nicht passen. Eine demokratische Wahl ist keine Legitimierung von Unrecht.

    Demokratie findet eben nicht nur bei Wahlen statt sonden auch dazwischen. Wer das nicht berücksichtigt ist nicht nur nicht klug, sondern hat auch das Mandat nicht verstanden - wie die Realiät zeigt trifft beides leider auf den unbehrbaren Herrn E. und seine Gefolgsleute zu.

    Was dort passiert ist Unrecht - Punkt. Die Regierung dort hat kein demokratisch legitimiertes Recht ihre Macht in dieser Art auszuüben. Man kann nur hoffen, dass dies türkische Gerichte entsprechend aufnehmen werden.

  3. "Organisiert wurde die Kundgebung von der Alevitischen Gemeinde Deutschland..."
    war ja klar, die Aleviten gehen auf die Straße. Erdogans Kampf gegen ihren geliebten Assad hat die alevitische Gemeinde wohl nicht gut aufgenommen? Zu den Ereignissen in Syrien ist diese "humanistische" Organisation erstaunlich ruhig geblieben...

    7 Leserempfehlungen
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    Haben Sie nicht schon einmal hier in den Kommentaren Aleviten und Alawiten gleichgesetzt?

    Die Demonstration hat nichts mit Assad zu tun.

  4. Haben Sie nicht schon einmal hier in den Kommentaren Aleviten und Alawiten gleichgesetzt?

    Die Demonstration hat nichts mit Assad zu tun.

    18 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Aleviten"
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    Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/se

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

  5. Wer Erdogan ein Diktator nennt und sein hartes Vorgehen (Tränengas und Wasser) gegen die "friedlichen Demonstranten" kritisiert und im selben Atemzug den nie gewählten Diktator und Massenmörder Assad ein Held oder Freiheitskämpfer nennt, ist nicht mehr ernst zu nehmen. Sorry, aber wer für Demokratie ist und gleichzeitig in Syrien Assad unterstützt, darf nicht ernst genommen werden!

    Woher kommt dieses Doppelmoral? Ganz einfach, Assad ist Alawite und Erdogan nicht...

    4 Leserempfehlungen
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    nicht viele Gemeinsamkeiten. Das sollten Sie schon auseinander halten.
    Mag schon sein. dass viele Aleviten gegen eine Militärintervention in Syrien sind, wie die Mehrheit der türkischen Bürger insgesamt auch, dadurch sind sie aber keine Anhänger von Assad.

  6. In Deutschland ist das Demonstrationsrecht ein Grundrecht.
    Diese Menschen haben eine Demonstration angemeldet und laut der Polizei friedlich demonstriert. Nur weil es Ihnen nicht gefällt, ist es kein Anarchismus.

    Demokratie ist mehr als nur alle vier Jahre Wählen gehen.

    23 Leserempfehlungen
    Antwort auf "wow..."
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    Die Demonstranten in Köln meldeten die Demo an, hielten sich an Beginn-Ende und Platz der Demo.

    Gezi war weder angemeldet, noch war der Platz für ein Demo erlaubt bzw. vorbereitet. Außerdem hielten die "friedlichen Demonstranten" den ganzen Park illegal besetzt.

    Wenn die Alawiten das gleiche in Köln gemacht hätten, die Polizei würde zurecht und mit aller Härte durchgreifen. Aber der böse Erdogan darf ein Park vor Vandalisten nicht säubern..Die Europäer haben entschieden :)

  7. wie schön
    wie 1848 können wir jetzt miterleben wie sich das kollektive Bewusstsein entwickelt!
    Es ist weltweit Zeit zur Änderung
    nicht nur Türkei, Brasilien, arabischer Frühling etc ... auch hier !!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP, dpa, sc
  • Schlagworte Türkei | Gezi-Park | Istanbul
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