Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre Teilnahme an den Feiern zum EU-Beitritt Kroatiens am Sonntag abgesagt. Die Opposition in Zagreb machte dafür die Regierung des Landes verantwortlich. "Sie haben mit dem Feuer gespielt und sind jetzt verbrannt", sagte der frühere Außenminister Gordan Jandroković. "Statt zu feiern, müssen wir uns schämen, weil die Regierung Verbrecher schützen will."

Hintergrund ist die Affäre um den früheren Geheimdienstchef Josip Perković, den das Bundeskriminalamt zur internationalen Fahndung ausgeschrieben hat. Er soll 1983 die Ermordung eines Dissidenten in Deutschland in Auftrag gegeben haben. Die kroatische Regierung will im Schnellverfahren zwei Tage vor ihrem EU-Beitritt im Parlament noch ein Gesetz verabschieden, dass Perković vor seiner Auslieferung schützt. Ein Sprecher Merkels erklärte, dies sei nicht der Grund für die Absage.

Auch die kroatische Regierung erklärte, Merkel habe die Reise aufgrund anderweitiger Verpflichtungen gestrichen. In Medienberichten wurde jedoch als Grund der Unmut Deutschlands darüber genannt, dass Kroatien den lang gesuchten Perković nicht an Deutschland ausliefern wolle. Die Kanzlerin galt als einer der wichtigsten Gäste der Beitrittsfeier.

Kroatien wird am Sonntag der 28. Mitgliedstaat der EU. Die Bundesregierung wird nun durch den Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Link, vertreten.