Leserartikel

KairoU-Bahn-Wagen für Frauen geben Sicherheit

Bei einem Besuch in Kairo hatte Leserin Barbara Sabitzer Angst, Opfer von Gewalt zu werden. Ihr ist nichts passiert, weil sie sich an bestimmte Regeln hielt. von Barbara Sabitzer

Als ich kürzlich für einen Monat in Kairo war, fragte mich ein Freund: Benutzt du eigentlich die U-Bahn-Wagen, in denen nur Frauen mitfahren dürfen? Selbstverständlich tue ich das. Dass ich  eine andere Möglichkeit gar nicht in Betracht gezogen habe, wurde mir erst durch diese Frage bewusst.

Meine Sicherheit geht vor, auch wenn ich die Gründe für die Existenz dieser Wagen nicht mag. Es gibt sie aus den gleichen Gründen, aus denen es Frauenparkplätze in Europa gibt: Sie sollen Frauen vor Gewalt und sexuellen Übergriffen schützen. In Kairo kommt eine kulturell bedingte Trennung der Geschlechter hinzu.

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Doch Gewalt ist generell ein wichtiges Thema in Kairo geworden. Und es häufen sich Nachrichten über Vergewaltigungen und Belästigungen von Frauen. Was wirklich dran ist, lässt sich selten feststellen. Wer Täter und Opfer sind, ist eine politische Frage. Sind es koptische Christen? Muslime? Seit der Revolution haben die Konflikte zugenommen.

Das Land ist instabil, mitten im Umbruch. Daran hat die Untätigkeit der Polizei einen Anteil. Studien belegen, dass sich die Menschen seit der Revolution unsicherer fühlen, auch wenn sie selbst nicht Opfer eines Verbrechens wurden. Dass viele Einheimische Angst zu haben schienen, wirkte sich anfangs auch auf mein Sicherheitsgefühl aus.

Obwohl mir in Kairo nie etwas zugestoßen ist, war ich vorsichtiger als in Jordanien oder Palästina, wo ich längere Zeit gelebt hatte. Medienberichte verstärkten meine Unsicherheit noch. Denn staatliche ägyptische Medien nutzen das Gefühl der Instabilität für politische Zwecke. Auch im Ausland hört man von Ägypten schlimmste Geschichten, positive Nachrichten verkaufen sich nicht gut.

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Doch seit ich mich an meinen persönlichen Erfahrungen orientiere, kann ich den Alltag in Ägypten durchaus genießen. Das Land ist auch für eine allein reisende Frau wie mich sicher. Die Offenherzigkeit, Hilfsbereitschaft und der ägyptische Humor sind trotz aller politischen Umbrüche immer noch da.

Ich finde es erfreulich, dass die Angst den Alltag in Kairo nicht dominiert. Das habe ich in Szenen wie diesen erlebt: Eine Frau hielt die Tür eines U-Bahn-Wagens auf, um den Zug am Abfahren zu hindern. Ein Mann war ins Frauenabteil gestiegen. Er wurde von anderen Männern, die auf der Plattform standen, aus dem Abteil gezogen. Die Tür ging zu. Die Frauen brachen in Gelächter und sichtbare Freude aus.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche, konstruktive und respektvolle Kommentare. Danke, die Redaktion/ds

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  2. 2. [...]

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    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
  3. Aha, und Frauen, denen dort etwas passiert, sind per Umkehrschluss selbst schuld, weil sie sich nicht an "Regeln" gehalten haben? Das ist ja sehr bequem.

    Gut, dass der Autorin nichts passiert ist, aber man sollte doch festhalten, dass Gewalttaten aller Art, auch Gewalt gegen Frauen, nicht durch ein "Fehlverhalten" der Opfer verursacht werden. Man kann daher "Regeln" aufstellen und befolgen, soviel man mag - letzten Endes sind die Täter diejenigen, die die Taten begehen, und ob man zum Opfer wird, hat auch mit Glück/Unglück/Zufall zu tun.

    Wo Belästigungen und Gewalt gegenüber Frauen als Kavaliersdelikt angesehen werden, scheint die Umkehrreaktion oft zu sein, die Bewegungsfreiheit und Ausdrucksmöglichkeiten für Frauen einzuschränken, damit die ach so hilflosen, triebgesteuerten Männer nicht durch ihre bloße Anwesenheit/"freizügige Kleidung"/sonstige Verlockung gezwungen werden, solche Taten zu begehen - was eigentlich für die Männer selbst beleidigend sein sollte. Dann können Frauen, die sich den Einschränkungen nicht untergeordnet haben, oder die einfach nur Pech hatten, für ihr Opfersein verantwortlich gemacht werden, und schon ist das Problem gelöst. Ansetzen sollte man aber bei der gesamten Gesellschaft und auch bei den Männern, die vollkommen in der Lage sind, keine Gewalttaten zu begehen.

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    • lm78
    • 03. Juni 2013 19:30 Uhr

    > damit die ach so hilflosen, triebgesteuerten Männer nicht durch ihre bloße
    > Anwesenheit/"freizügige Kleidung"/sonstige Verlockung gezwungen
    > werden, solche Taten zu begehen

    Der Sexismus, den Sie hier verbreiten, ist ja widerlich. Natürlich sprechen Sie von allen Frauen und von allen Männern - als ob beides homogene Gruppen wären - und sehen die einen als Opfer und die anderen als Täter.

    Ich frage mich auch, wo Sie das Argument "freizügige Kleidung" herauslesen. Es steht nirgends. Sie bauen sich selbst eine Mauer auf, die Sie hinterher einreißen.

    Ich spreche hoffentlich nicht nur für die meisten Männer, sondern für viele Frauen, die Sexismusdebatten satt haben ("Debatten", die keine Debatten sind, sondern ideologisches Gekreische). Sprechen Sie doch bitte das nächste mal nur von sich!

    „Aha, und Frauen, denen dort etwas passiert, sind per Umkehrschluss selbst schuld, weil sie sich nicht an "Regeln" gehalten haben? Das ist ja sehr bequem.“

    Was ist so falsch daran, sich an an paar Regel zu halten damit einem in unsicheren Gegenden mit größerer Wahrscheinlichkeit nichts geschieht?

    Auch wir Männer sind davon nicht frei.

    An wen richtet sich eigentlich Ihr Post, oder wem hilft das?

    Ich finde, er hilft weder den Frauen dort noch den Frauen und Männer sonst auf der Welt, die Urlaub in Ägypten machen wollen.

    Mir als Mann wäre Ägypten zu gefährlich, weil ich grundsätzlich nicht in Länder reise, in denen es nicht sicher ist - und ich setze nicht wegen eines schönen Urlaubs mein Leben aufs Spiel.
    Da waren vor kurzem noch kriegsähnliche Zustände, man muss nicht unbedingt dort sein Konsumurlaub verbringen, oder?
    Man braucht sich auch nicht einbilden, dass man durch seinen Urlaub einen Beitrag zur "Demokratisierung" leistet.

    Der Artikel gibt Frauen, die in Ägypten Urlaub machen wollen, einen konkreten Tipp, nämlich U-Bahn-Wagen für Frauen zu benutzen, weil diese sicherer sind.

    Wenn Sie mehr für die Frauen in Ägypten tun möchten, dann am besten nicht im Rahmen eines Urlaubs. Anschließend können Sie doch auch einen Leserbrief schreiben.

    • vyras
    • 03. Juni 2013 19:07 Uhr

    ... Qualitätskontrolle wohlwollend nach dem Motto passiert: Hauptsache, irgendwas mit Feminismus und den Gefahren, die Frauen allerorten drohen.

    31 Leserempfehlungen
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    • lm78
    • 03. Juni 2013 19:35 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/jp

    • p16
    • 03. Juni 2013 19:11 Uhr

    Besonders der letzte Absatz. Die blinde Männerverachtung, die darin zum Ausdruck kommt, ist nicht zu übersehen. Es ist richtig ekelhaft.

    "Ich finde es erfreulich, dass die Angst den Alltag in Kairo nicht dominiert. Das habe ich in Szenen wie diesen erlebt: Eine Frau hielt die Tür eines U-Bahn-Wagens auf, um den Zug am Abfahren zu hindern. Ein Mann war ins Frauenabteil gestiegen. Er wurde von anderen Männern, die auf der Plattform standen, aus dem Abteil gezogen. Die Tür ging zu. Die Frauen brachen in Gelächter und sichtbare Freude aus."

    20 Leserempfehlungen
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    "Besonders der letzte Absatz. Die blinde Männerverachtung, die darin zum Ausdruck kommt, ist nicht zu übersehen. Es ist richtig ekelhaft."

    "Ich finde es erfreulich, dass die Angst den Alltag in Kairo nicht dominiert. Das habe ich in Szenen wie diesen erlebt: Eine Frau hielt die Tür eines U-Bahn-Wagens auf, um den Zug am Abfahren zu hindern. Ein Mann war ins Frauenabteil gestiegen. Er wurde von anderen Männern, die auf der Plattform standen, aus dem Abteil gezogen. Die Tür ging zu. Die Frauen brachen in Gelächter und sichtbare Freude aus."

    Puuuuh......Ich habe den Absatz als einen Fall von Zivilcourage gelesen. Ein (1) Mann hält sich an die Regeln, viele (1+) halten Ihn davon ab.

    Dabei legen Frauen und Männer Teamwork an den Tag, der Vollpfosten wird ausgelacht, und das Ganze zeigt mir, dass man zumindest am helllichten Tag als Frau mit Unterstützung und Zivilcourage rechnen kann. Das zeigt mir, dass "der Mann" nicht der Teufel in Person ist.

    Ein bisschen mehr Zivilcourage würde auch schland gut stehen.

    • MrWho
    • 03. Juni 2013 19:18 Uhr
    6. [...]

    Entfernt. Kein konkreter Themenbezug. Danke, die Redaktion/ds

    19 Leserempfehlungen
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    • p16
    • 03. Juni 2013 19:29 Uhr

    Entfernt. Der Bezugskommentar wurde entfernt. Die Redaktion/ds

    • FoTu2
    • 03. Juni 2013 20:30 Uhr

    Für Segregation in der Öffentlichkeit an öffentlichen Orten gibt es sogar in Deutschland ein neues Leuchturmprojekt. Eine öffentliche (also staatliche) Frauensporthalle:

    "Anstatt gemeinsam einem Ball hinterherzujagen, wollen Frauen lieber tanzen, turnen und sich an Geräten stärken. Flexibel soll das Angebot außerdem sein, schließlich wollen nicht nur Berufstätige, sondern auch Mütter oder Schichtarbeiterinnen neben Kind und Job Sport treiben."

    http://www.tagesspiegel.d...

    Ich habe dazu bereits eine Korrespondenz mit Fr. Dr. Beck geführt, welche an der Alice-Salomon-Hochschule eine Befragung von 442 Frauen durchgeführt hat. Sie selbst negiert sogar die Repräsentationsfähigkeit dieser Umfrage, da die Bezirkseinwohneranzahl 250.000 beträgt. Trotz dessen wurde beschlossen, Männern und Jungen den Zutritt zu dieser Halle zu verbieten.

    • dacapo
    • 03. Juni 2013 22:15 Uhr

    Entfernt. Der Bezugskommentar wurde entfernt. Danke, die Redaktion/ds

    • DDave
    • 03. Juni 2013 19:22 Uhr

    "Es gibt sie aus den gleichen Gründen, aus denen es Frauenparkplätze in Europa gibt: Sie sollen Frauen vor Gewalt und sexuellen Übergriffen schützen."

    1.) Europa? Nein, nur der deutschsprachige Raum Europas.
    2.) Leider gibt es keinen Zusammenhang zur Kriminalstatistik.
    3.) Vielleicht sind solche Dinge, wie Zugabteile für Frauen, in Ägypten sinnvoll, aber in De/Eu sind Frauenparkplätze nichts als Diskriminierung.
    Nicht nur von Männern, weil man dort eig nicht parken darf, wenn der Hausherr vom Privatparkplatz es gebietet(,wobei die StVO Frauenparkplätze nicht kennt), sondern auch von Frauen, die sich nicht auf einen solchen Schutz angewiesen fühlen.

    Quelle(,auch wenn es keine rühmliche ist):
    http://de.wikipedia.org/w...

    6 Leserempfehlungen
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    Der wiki Artikel zeigt ein Bild aus Italien, so viel zu nur Deutschsprachigem raum... Auch in Korea und China werden welche erwähnt...
    Da wird auch das mit der Statistik erklärt, es geht ums Gefühl, darum gings in dem Artikel auch.

    Der Artikel passt hier wohl vielen nicht ins Weltbild, aber die Dame beschreibt wie sie Kairo wahrgenommen hat, ob das jetzt die Wirklichkeit ist oder nicht lässt sich glaube ich nicht vom Starbucks in Kreuzberg aus beurteilen.

    "Frauen, die sich nicht auf einen solchen Schutz angewiesen fühlen"

    wenn es frauen gibt, die es nicht stört, 200m weit nachts über einen autobahnparkplatz zu latschen, ist das ja ok für sie wenn auch nicht weniger gefährlich, nur weil sie glauben unantastbar zu sein.
    frauen sind nun mal körperlich schwächer und es ist ihnen zuzugestehen, dass sie entsprechend gefahrlos an den betreffenden orten bewegen können.

    • p16
    • 03. Juni 2013 19:29 Uhr
    8. [...]

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    • MrWho
    • 03. Juni 2013 19:48 Uhr

    Erleichterung sicherlich.

    Man fragt sich aber, welche Gefahr von einem Mann zwischen vielen Frauen ausgehen soll. Und für wen. Und warum man darüber jubelt. Und warum solche U-Bahnen nötig sind, wenn es eben nicht eine Meute junger Araber gegen eine Frau auf dem Tahrir-Platz ist, sondern auch viele Frauen die U-Bahn benutzen und (neben Sicherheitspersonal, das wollte man durch solche Wagen wohl sparen - braucht es aber trotzdem zur Durchsetzung dieser Segregation) durchaus Schutz bieten können.

    Ich gehe zumindest davon aus, dass sich durch die Segregation der Respekt zwischen den Gruppen nicht wesentlich erhöht. Und ein Gefühl der Bedrohung rechtfertigt offensichtlich bereits eine räumliche Trennung. In seiner Pauschalisierung nicht wenig fragwürdig. Dürfen mit derselben Begründung also Schwarze in Hoodies demnächst aus Suburbs entfernt werden? Oder gleich erschossen wie Trayvon Martin? Nochmal: Waren Abteile für Schwarze und Weiße okay?

  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Medien | Alltag | Gewalt | Humor | Konflikt | Opfer
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