Als ich kürzlich für einen Monat in Kairo war, fragte mich ein Freund: Benutzt du eigentlich die U-Bahn-Wagen, in denen nur Frauen mitfahren dürfen? Selbstverständlich tue ich das. Dass ich  eine andere Möglichkeit gar nicht in Betracht gezogen habe, wurde mir erst durch diese Frage bewusst.

Meine Sicherheit geht vor, auch wenn ich die Gründe für die Existenz dieser Wagen nicht mag. Es gibt sie aus den gleichen Gründen, aus denen es Frauenparkplätze in Europa gibt: Sie sollen Frauen vor Gewalt und sexuellen Übergriffen schützen. In Kairo kommt eine kulturell bedingte Trennung der Geschlechter hinzu.

Doch Gewalt ist generell ein wichtiges Thema in Kairo geworden. Und es häufen sich Nachrichten über Vergewaltigungen und Belästigungen von Frauen. Was wirklich dran ist, lässt sich selten feststellen. Wer Täter und Opfer sind, ist eine politische Frage. Sind es koptische Christen? Muslime? Seit der Revolution haben die Konflikte zugenommen.

Das Land ist instabil, mitten im Umbruch. Daran hat die Untätigkeit der Polizei einen Anteil. Studien belegen, dass sich die Menschen seit der Revolution unsicherer fühlen, auch wenn sie selbst nicht Opfer eines Verbrechens wurden. Dass viele Einheimische Angst zu haben schienen, wirkte sich anfangs auch auf mein Sicherheitsgefühl aus.

Obwohl mir in Kairo nie etwas zugestoßen ist, war ich vorsichtiger als in Jordanien oder Palästina, wo ich längere Zeit gelebt hatte. Medienberichte verstärkten meine Unsicherheit noch. Denn staatliche ägyptische Medien nutzen das Gefühl der Instabilität für politische Zwecke. Auch im Ausland hört man von Ägypten schlimmste Geschichten, positive Nachrichten verkaufen sich nicht gut.

Doch seit ich mich an meinen persönlichen Erfahrungen orientiere, kann ich den Alltag in Ägypten durchaus genießen. Das Land ist auch für eine allein reisende Frau wie mich sicher. Die Offenherzigkeit, Hilfsbereitschaft und der ägyptische Humor sind trotz aller politischen Umbrüche immer noch da.

Ich finde es erfreulich, dass die Angst den Alltag in Kairo nicht dominiert. Das habe ich in Szenen wie diesen erlebt: Eine Frau hielt die Tür eines U-Bahn-Wagens auf, um den Zug am Abfahren zu hindern. Ein Mann war ins Frauenabteil gestiegen. Er wurde von anderen Männern, die auf der Plattform standen, aus dem Abteil gezogen. Die Tür ging zu. Die Frauen brachen in Gelächter und sichtbare Freude aus.