Gut ein Jahr nach der Wahl in Griechenland ist die Dreiparteienkoalition am Ende. Die Demokratische Linke verlässt das Bündnis mit den Konservativen und den Sozialisten. Grund ist der Streit über die Schließung des Staatssenders ERT. Eine Neuwahl wird es aber nicht geben, weil die beiden anderen Regierungsparteien weiter eine Mehrheit im Parlament besitzen und ihren politischen Kurs fortsetzen wollen.

"Ich werde nach dem Beschluss meiner Partei, aus der Koalition auszutreten, heute noch meinen Rücktritt erklären", sagte der griechische Verwaltungsminister Antonis Manitakis nach dem Ende einer Dringlichkeitssitzung der Demokratischen Linken. Der Parlamentarische Sprecher der Linken, Dimitris Chatzisokratis, sagte, seine Partei werde aber weiterhin auf proeuropäischem Kurs bleiben und je nach Fall die Gesetze billigen, die ihren Vorstellungen entsprechen.

Nach dem Abzug der Demokratischen Linken haben die konservative Nea Dimokratia und die sozialistische Pasok nur noch eine knappe Mehrheit von 153 der 300 Mandate im Parlament. Beide Parteichefs, der konservative Regierungschef Antonis Samaras und der Sozialist Evangelos Venizelos, wollen gemeinsam weiterregieren.

Die demokratische Linke hatte sich am Morgen zu einem Krisentreffen getroffen, um über den Verbleib in dem Regierungsbündnis zu beraten. Am Donnerstagabend war ein Treffen aller drei Koalitionsparteien ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Samaras hatte im Anschluss angedeutet, die Regierung von drei auf zwei Parteien zu verkleinern. "Wir hoffen auf die Unterstützung der Linkspartei Dimar, aber wir machen mit oder ohne sie weiter", sagte er in einer Fernsehansprache.

Der Forderung nach einer Neuwahl hatte Samaras eine Absage erteilt. Die Regierung, die seit genau einem Jahr im Amt ist, werde ihr auf vier Jahre angelegtes Mandat voll erfüllen, sagte er.

Die aktuelle Regierungskrise hatte vergangene Woche begonnen. Der konservative Regierungschef Samaras hatte im Alleingang angeordnet, dass der Staatsrundfunk ERT geschlossen wird. Mehr als 2.600 Mitarbeiter verloren ihre Arbeit. Die Demokratische Linke verlangt, dass der Beschluss zurückgenommen und der Staatsfunk bei laufendem Betrieb reorganisiert wird.