Die Vereinigten Staaten von Amerika gegen Bradley Manning: Ab diesem Montag muss sich der 25 Jahre alte Obergefreite wegen mutmaßlicher "Unterstützung des Feindes" vor einem Militärgericht verantworten. Die Weitergabe von Geheimdokumenten könnte für Manning lebenslange Haft bedeuten. Die Anklage lautet auf "Aiding the enemy" – und das kann beim US-Militär sogar mit dem Tod bestraft werden.

Doch um sein Leben muss der mutmaßliche WikiLeaks-Informant nicht mehr fürchten, wenn sein Prozess auf dem Militärstützpunkt Fort Meade nordöstlich von Washington beginnt. Das haben seine Anwälte in dem langen Vorverfahren seit seiner Verhaftung vor drei Jahren verhindert. Doch dem jungen Soldaten droht im Prozess um den wohl spektakulärsten Geheimnisverrat in der Geschichte der USA eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Manning hat vor drei Monaten gestanden, während seiner Stationierung als Analyst im Irak Hunderttausende teils sehr vertrauliche Dokumente aus der Geheimdienst-Datenbank gezogen und WikiLeaks zugespielt zu haben. Darunter waren 250.000 Depeschen aus US-Botschaften, deren Veröffentlichung im November 2010 die Weltdiplomatie erschütterte. Noch brisanter waren 490.000 US-Militärdokumente über die Kriege in Afghanistan und Irak über Details der Einsätze.

Ein Held der Bürgerrechtsbewegung

Der Prozess wird sich um die Frage drehen, ob Manning seinem Land geschadet hat. Die Ankläger müssen zweifelsfrei beweisen, dass Manning mit voller Absicht den USA schwere Nachteile einbringen wollte – oder den Gegnern Amerikas wie dem Terrornetzwerk Al-Kaida wichtige Vorteile. Manning bestreitet dies.

Er habe lediglich eine öffentliche Debatte über die amerikanische Außen- und Verteidigungspolitik auslösen wollen, sagte er im Februar. "Ich glaubte, die Depeschen würden uns nicht schaden, aber sie würden peinlich sein." Für Antikriegsaktivisten und Bürgerrechtler ist Manning ein Held, da er das wahre Ausmaß der Militäreinsätze und den massiven Einfluss der US-Diplomatie transparent gemacht habe.

Der Prozess ist auf zwölf Wochen angesetzt. Hunderte Zeugen sollen aussagen. Zwei Dutzend von ihnen will das Gericht wegen Sicherheitsbedenken nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit hören. Ihre Aussagen sollen zwar nachträglich veröffentlicht werden, kritische Stellen werden aber geschwärzt. In den Zeugenstand dürfte neben mehreren US-Botschaftern auch einer der Soldaten treten, die im Mai 2011 Osama bin Laden töteten. In dessen pakistanischem Versteck sollen bei WikiLeaks publizierte Geheimdokumente gefunden worden sein.