MilitärNorwegen will Wehrpflicht für Frauen einführen

Während sich viele europäische Länder von der Wehrpflicht verabschieden, baut Norwegen aus: Ab 2015 sollen auch Frauen zum Dienst an der Waffe verpflichtet werden.

Das norwegische Parlament hat sich dafür ausgesprochen, eine Wehrpflicht für Frauen einzuführen. Lediglich die christlich-demokratische Partei stimmte gegen die Entscheidung. Die Regierung wurde beauftragt, ein entsprechendes Gesetz zu formulieren. Ab 2015 soll dann ein einjähriger Militärdienst für beide Geschlechter gelten.

Verteidigungsministerin Anne-Grete Stroen-Erichsen sprach von einem "historischen Tag". Ein Ministeriumssprecher sagte, Norwegen werde das erste europäische Land sein, "das in Friedenszeiten Frauen zur Armee einzieht".    

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Der Regierung geht es nach eigener Aussage darum, die Gleichstellung der Geschlechter voranzutreiben und dem Militär zusätzliche Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen. "Uns geht es nicht darum, Mädchen ins Militär zu zwingen", sagte Sandra Borch von der Jugendorganisation der Zentrumspartei. "Es geht darum, unter den Besten und Motiviertesten auswählen zu können."

Gesamtzahl der Wehrpflichtigen soll gleich bleiben

Bislang dienten junge Frauen nur auf freiwilliger Basis. Ihr Anteil an den norwegischen Streitkräften liegt zurzeit bei zehn Prozent. Bis 2020 hofft die Regierung, diesen Anteil mindestens zu verdoppeln.

Die Gesamtzahl der Wehrpflichtigen soll auch mit den Frauen nicht vergrößert werden. Heute werden von 60.000 Jugendlichen eines Jahrgangs lediglich 8.000 bis 10.000 eingezogen. Bei der Auswahl spielen körperliche und geistige Fähigkeiten ebenso eine Rolle wie die Motivation der Anwärter.

Außenminister Espen Barth Eide von den Sozialdemokraten lobte das Projekt als zukunftsweisend. Er glaube, andere Länder würden dem Beispiel folgen. Bislang steht Norwegen mit dem Ausbau der Wehrpflicht relativ allein in Europa da. Zahlreiche europäische Länder, darunter auch Deutschland, haben in den vergangenen Jahren die Wehrpflicht ausgesetzt oder ganz abgeschafft und auf eine reine Freiwilligenarmee umgestellt. 

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Leserkommentare
  1. Kapier ich nicht. Was bringt eine WehrPFLICHT, wenn eh nur ein kleiner Teil eingezogen wird und der soll auch noch motiviert und geeignet sein. Also wie ein Zwangspraktikum auf freiwilliger Basis?

    Ich weiß ja nicht, "motiviert" hätte ich jetzt die meisten ehemaligen deutschen Wehrpflichtigen nicht bezeichnet. Vielleicht ist das in Norwegen anders.

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    Männer und Frauen für den Wehrdienst zu ziehen, ist ja verständlich, aber wenn eh nur ca. jeder sechste seinen Wehrdienst leisten muss, haben die dann Glück oder Pech? Da würden mich mal die Auswahlkriterien interessieren...

    Es geht darum das in der Armee sich keine Selbständigen Gruppirungen bilden können die dann vom Gesetzestext abweichen weil "man das halt so macht" oder weil "es der Chorgeist befielt".

    Wehrpflicht ist ein Garant das immer neue junge Mentschen in die Armee kommen und so auch ihre Ideale und die Vorstellung von Recht und Ordung in die Armee einfliessen lassen, dazu wird ein durchschnitt in der Bevölkerung benötigt und ebend nicht nur diejenigen die sich eh freiwillig melden wollten.

    Duch die Kurtze Zeit in der Armee im vergleich zu Berufssoldaten sind die Wehpflichtigen wesentlich eher bereit Fehler aufzuzeigen und Regelverstöse anzuprangern, da sie ebend nicht mit negativen Auswirkungen auf ihren Job zu befürchten haben.

    Auch wirkt so die Wehrpflicht als wesentlicher Puffer der in Friedenszeiten verhindert das die Politiker die Armee in jeden Einsatz hinausschiken um tolle Fotos und PR zu gekommen, weil Wehrpflichtige wesentlich mehr Rechte als Berufssoldaten haben und solche einsätz grundlegent verweiger dürfen.

    So zeigt sich grad an Deutschland toll das die Wehrpflichtige Defensiv Armee nun in eine Berufsheer umgebaut wird was überall in der Welt eingesetzt werden kann, und dafür ebend dann keine Luftabwehr mehr in Deutschland bieten kann, da die Defensive Rolle zu viele % des Büdges auffressen würde.

  2. Obwohl ich die Wehrpflicht für sinnfrei halte, freut es mich doch zu sehen, dass in unsrem Nachbarland Emanzipation wirklich ausgelebt wird - Bravo weiter so ;)

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    23 Leserempfehlungen
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    Ich fände es sinnvoller, wenn die Männer sich emanzipiert hätten: "Wir wollen nicht gezwungen werden, zum Militär zu gehen!" Das wäre wahre Emanzipation.

    Dieses Beispiel ist eher das Gegenteil: Der Staat agiert als Vormund- jetzt eben für beide. Emanzipation bedeutet aber, dass man eigene Entscheidungen trifft und keinen Vormund braucht.

    • Krisse
    • 15. Juni 2013 0:59 Uhr

    ...aber wo teilen Norwegen und Deutschland sich eine Grenze?

    Ansonsten schließe ich mich Ihnen an.

  3. Männer und Frauen für den Wehrdienst zu ziehen, ist ja verständlich, aber wenn eh nur ca. jeder sechste seinen Wehrdienst leisten muss, haben die dann Glück oder Pech? Da würden mich mal die Auswahlkriterien interessieren...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Praktikum"
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    Die Motivation dürfte wahrscheinlich der Hauptgrund sein um an der Wehrpflicht festzuhalten. Durch die Wehrpflicht hat man erstmal die Möglichkeit alle jungen Menschen eines Jahrgangs durch Reihenuntersuchungen und Eignungstests durchzuschicken. Nur mit geeigneten und potentiellen Kandidaten wird man dann intensivere Gespräche führen um sie für die Armee zu gewinnen und letztendlich zu "verpflichten".

    Bei einer reinen Freiwilligenarmee hat man solch eine Vorauswahl nicht, man kann nur Infostände hinstellen und Werbung machen und hoffen, dass sich genügend geeignete Kandidaten finden.

    Aber welcher junge Mensch wird in Norwegen, einem Hochlohnland mit niedriger Arbeitslosigkeit, dann schon motiviert genug sein um freiwillig die Rekrutierungsstellen aufzusuchen? Wahrscheinlich kaum einer, vor allem kaum qualifizierte Bewerber!

    In Deutschland hat man deswegen ja auch nicht die Wehrpflicht abgeschafft, sondern nur fürs Erste ausgesetzt, sollte hier die Bundeswehr irgendwann kaum noch geeignete freiwillige Bewerber mehr finden...

  4. Ich fände es sinnvoller, wenn die Männer sich emanzipiert hätten: "Wir wollen nicht gezwungen werden, zum Militär zu gehen!" Das wäre wahre Emanzipation.

    Dieses Beispiel ist eher das Gegenteil: Der Staat agiert als Vormund- jetzt eben für beide. Emanzipation bedeutet aber, dass man eigene Entscheidungen trifft und keinen Vormund braucht.

    22 Leserempfehlungen
    Antwort auf "interessante Idee"
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    • FoTu3
    • 14. Juni 2013 23:10 Uhr

    "dass man eigene Entscheidungen trifft und keinen Vormund braucht."

    Und genau deswegen gibts die Frauenquote.

    • FoTu3
    • 14. Juni 2013 23:22 Uhr

    ""Wir wollen nicht gezwungen werden, zum Militär zu gehen!" "

    Das können doch jetzt die Frauen tun. Oder dann, nach einiger Zeit, wenn vielleicht die nächsten Toten und Verletzten eintreffen, BEIDE ZUSAMMEN.

    Verzeihen Sie aber mit Emanzipation hat das nun wirklich nichts zu tun. Wenn sie in einem Staat leben, der ihre Sicherheit und ihre Rechte garantiert, dann sollten Sie auch bereit sein, für diesen Staat mehr zu leisten als nur ihr jährliches monetäres Scherflein. Was Sie fordern ist keine Emanzipation, sondern purer Egoismus.

    Sonst soll die holde Weiblichkeit bei allem gleichgestellt werden und wenn es dann passiert, ist es auch nicht in Ordnung. Dann nach oben gucken, eine unangenehme Pflicht gegenüber dem Staat entdecken und "Freiheit für alle!" rufen. Das ist die Logik mit dem kleinen Tellerrand, die von solchen Existenzen wie der #Aufschrei-Szene verkündet wird.

    • Thurse
    • 15. Juni 2013 8:04 Uhr

    Bitte korrigieren Sie mich falls ich Sie falsch verstanden habe aber das sehe ich etwas anders. Ein Staat funktioniert immer durch einen gewissen Druck/Zwang, weil sonst jeder emanzipierte Mensch macht was sie/er für richtig hält. Das wäre aber eher weniger effektiv bzw. produktiv. Der norwegische Staat hat sich (warum auch immer) in diesem Fall für die Wehrpflicht entschieden aber setzt sie wenigstens konsequent für beide Geschlechter durch. Ich würde mir weniger Diskussion über Emanzipation wünschen als vielmehr, dass sie kommentarlos (sprich ohne besondere Prädiskussion) durchgesetzt wird. Ein Gesetz etc. pp. wird eingeführt und das gilt dann erstmal für alle egal ob Männlein, Weiblein, schwarz, weiß, grün oder wasweißich. (Natürlich sollten je nach Gesetz Rücksicht auf etwaige Eigenschaften, Überzeugungen etc. geübt werden).
    Just my two cents
    Thurse

    So kann man es auch versuchen, wenn Frauen in die Pflicht genommen werden die Pflicht als solche in Frage stellen (seltsam nur dass Feministen das Thema nicht interessiert hat als die Wehrpflicht nur für Männer galt...).

    Und Norwegen hat nicht die ganzen nationalen Komplexe wie die Deutschen. Es ist ein "normales" Land, d.h. mit Stolz und Patriotismus. Norwegen ist größer als die Bundesrepublik aber hat nur soviele Einwohner wie Berlin und Umland. Und es grenzte, das weiss auch nicht jeder, direkt an den Ostblock mit seiner Ostgrenze. Die Norweger haben eine ähnliche "Miliz- und Wagenburgmentalität" wie die Schweizer, da gehört es ganz selbstverständlich dazu für sein Land, seine Gemeinschaft, in der Wehrpflicht zu dienen. Vermutlich auch für Frauen, die das auch als Ehre begreifen - und nicht sofort das kalte Grausen kriegen wenn Begriffe wie Ehre oder Stolz benutzt werden, wie das unter Deutschen der Fall ist. Die deutsche Wehrpflichtdebatte war immer mehr von der Vergangenheit geprägt als von gegenwärtigen Erfordernissen.

    in den letzten Jahrzehnten? Die hätte doch auch sagen können: "Wir wollen nicht, daß unsere Männer zum Militär müssen".

  5. 5. Zwang

    "Uns geht es nicht darum, Mädchen ins Militär zu zwingen", sagte Sandra Borch von der Jugendorganisation der Zentrumspartei. "Es geht darum, unter den Besten und Motiviertesten auswählen zu können."

    Bei der Wehrpflicht geht es also nicht um Zwang?

    Wie dreist kann man eigentlich sein, auch noch so einen Unsinn zu verzapfen?

    25 Leserempfehlungen
  6. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/jk

    Eine Leserempfehlung
  7. Wehrpflicht für Frauen hin oder her..
    Ich halte sie generell für ziemlich sinnfrei, sofern das Land nicht akut bedroht ist.
    Wenn sowieso nur die vermeintlich "Motiviertesten" genommen werden, kann man auch gleich eine Berufsarmee einführen, womit man sich jede Menge Ungerechtigkeit spart.

    7 Leserempfehlungen
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    nur wenn akut bedroht, Kriege kündigen sich nicht immer vorher an. Nach 10 Jahren wenn die ehemalige Wehrpflicht Generation in die Jahre kommt ist unsere Armee selbst der Schweiz unterlegen. Der Verzicht auf die Wehrpflicht bedeutet für uns das wir in einem Kriegsfall nicht mehr verteidigungsfähig sind, damit hat die Bundeswehr eigentlich keine Funktion mehr und kann ihren Auftrag der Landesverteidigung nicht mehr erfüllen. Stattdessen werden unsere Streitkräfte aus politischen Gründen im Ausland eingesetzt was nicht ihre Aufgabe ist.

    deutsche einstellung.

    ohne irgendeinen hintergrund zu kennen. natürlich ist in unserer wohlstands und egomanengesellschaft keiner daran interessiert irgendeinen dienst im sinne einer volksgemeinschaft zu leisten.

    - norwegen ist sozial anders strukturiert
    - motivation drückt sich auch in den wahlen aus
    - norweger haben einen anderen bezug zu ihrem land
    - sehen den dienst nicht als kriegsdienst, sondern als leistung für die gemeinschaft.

    ein deutscher hat keine werte. der kennt nur arbeiten, geldverdienen, sich prostituieren und keinerlei werte vertreten, für sie einstehen oder auch nur im entferntesten für sie kämpfen.
    vielmehr plädiert der deutsche dafür, sich entrechten zu lassen, sich ausbeuten zu lassen und alles zu tun, im glauben an den wohlstand.
    sie sollten nicht von sich auf andere bzw. auf andere nationen mit anderen kulturen, denkweisen und idealen schlließen.

    ich halte den wehrdienst als integralen bestandteil des bürgers an. man könnte auch politisches jahr oder sonstige allgemeine pflichten im und am staat einführen. politische bildung und bürgerliche pflichten sollten ein grundverständnis aller bürger in einer demokratie bilden.

    - so würden sich kein politeliten bilden
    - jeder bürger am allgemeinen politischen prozess beteiligt werden
    - verantwortung auf alle schultern verteilt werden
    - problem im konsens gelöst und verabschiedet werden

    die wehrpflicht ist nur ein kleiner teil, doch er prägt das allgemeine bewußsein.
    deutscher michel geh nur arbeiten.

    7."Wehrpflicht für Frauen hin oder her..
    Ich halte sie generell für ziemlich sinnfrei, sofern das Land nicht akut bedroht ist."

    wollen Sie garantieren,dass dies immer so bleibt?,bei all den Kriegstreibern hier und weltweit.

    ...bei Ihrem Wort "Motiviertesten" fiel bei mir automatisch die fatale Klappe vom "Fall Breivik"...dann hätten also endlich auch norwegische Frauen wenigstens die gleichberechtigten technischen Kenntnisse für Amokläufe, denke ich ironisch gleich weiter.
    P.S.: WehrPFLICHT hielte ich bei einem dann Nato-Austritt schon für sinnvoll im Geiste von mehr WehrGERECHTIGKEIT, nach schweizer Vorbild in etwa.

  8. Die Motivation dürfte wahrscheinlich der Hauptgrund sein um an der Wehrpflicht festzuhalten. Durch die Wehrpflicht hat man erstmal die Möglichkeit alle jungen Menschen eines Jahrgangs durch Reihenuntersuchungen und Eignungstests durchzuschicken. Nur mit geeigneten und potentiellen Kandidaten wird man dann intensivere Gespräche führen um sie für die Armee zu gewinnen und letztendlich zu "verpflichten".

    Bei einer reinen Freiwilligenarmee hat man solch eine Vorauswahl nicht, man kann nur Infostände hinstellen und Werbung machen und hoffen, dass sich genügend geeignete Kandidaten finden.

    Aber welcher junge Mensch wird in Norwegen, einem Hochlohnland mit niedriger Arbeitslosigkeit, dann schon motiviert genug sein um freiwillig die Rekrutierungsstellen aufzusuchen? Wahrscheinlich kaum einer, vor allem kaum qualifizierte Bewerber!

    In Deutschland hat man deswegen ja auch nicht die Wehrpflicht abgeschafft, sondern nur fürs Erste ausgesetzt, sollte hier die Bundeswehr irgendwann kaum noch geeignete freiwillige Bewerber mehr finden...

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  • Quelle AFP, dpa, ds
  • Schlagworte Militär | Jugendliche | Norwegen | Streitkräfte | Verteidigungsminister | Wehrpflicht
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