Obama und XiAufsteiger trifft Platzhirsch

Wenn sich am Freitag die Präsidenten Chinas und der USA treffen, werden nicht nur Handel und Cyberspionage diskutiert. Es geht auch um Macht. von 

Xi Jinping (l.) und Barack Obama

Xi Jinping (l.) und Barack Obama im Weißen Haus, Februar 2012  |  © REUTERS/Jason Reed

Sie sind die politischen Führer der zwei großen Wirtschaftsnationen. Und ihr Treffen ist in seiner Art eine Premiere in den US-chinesischen Beziehungen, zumindest seit in Peking die Kommunistische Partei herrscht: Wenn Barack Obama und Xi Jinping am Freitag auf dem Sunnylands-Anwesen in Rancho Mirage südöstlich von Los Angeles zusammenkommen, soll es nicht nur förmlich zugehen. Es heißt, es werde Zeit für informelle Gespräche zwischen beiden Präsidenten geben. Und beide Seiten scheinen daran interessiert, dass diese auch zustande kommen.

Eine Premiere ist auch, wie schnell dieses Treffen zustande kam, nachdem Xi im November vergangenen Jahres die Parteiführung übernommen hat (dem eigentlich relevanten Posten in der Pekinger Machthierarchie) und er im März sein Amt als Präsident antrat (dem eher repräsentativen Job für die Auslandsbeziehungen). Seine beiden Vorgänger brauchten für ihre Antrittsbesuche in den USA noch Jahre: Jiang Zemin trat 1993 an und besuchte Bill Clinton 1997, Hu Jintao kam 2003 ins Amt und war 2006 erstmals bei George W. Bush.

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Seit Dezember hatten Pekings Außenpolitiker darauf gedrängt, das Treffen zu ermöglichen. Von US-amerikanischer Seite besuchten mit US-Außenminister John Kerry und Finanzminister Jacob Lew zudem bereits zwei Spitzenpolitiker die neue Regierung in Peking. Xi kennt Obama schon von einem Treffen im Februar 2012, damals noch als chinesischer Vizepräsident. In dieser Funktion baute er auch zu Obamas Vize ein gutes Verhältnis auf, 20 Stunden verbrachte er mit ihm während der gegenseitigen Staatsbesuche.  

Pekings neue Außenpolitik

Von chinesischer Seite ungewöhnlich ist auch, dass auf den offiziellen Pomp verzichtet wird, der bei einem Staatsbesuch in den USA fällig gewesen wäre. Xis Vorgänger Hu Jintao hatte 2006 noch das Angebot des jovialen George W. Bush abgelehnt, ihn auf dessen Farm zu besuchen und die Förmlichkeiten des Weißen Hauses vorgezogen. Das liegt auch am Image, dass die Führung der KP in China von sich nach außen trägt: möglichst unnahbar, kaum persönliche Züge – was Autorität ausstrahlen soll, wozu im Übrigen auch gehört, dass sich alle ihre Haare schwarz färben.

Xi Jinping scheint dies durchbrechen zu wollen. Er tritt lockerer und offener auf und verzichtet auf Reisen auch schon mal auf die abgedunkelte Limousine. Er ist kein hölzerner Apparatschik und gilt als einer der kompetentesten Politiker, die China zurzeit vorzuweisen hat. Er trifft auf den smarten, öffentlichkeitserfahrenen und alles andere als jovialen Obama. Wenn tatsächlich die Chemie zwischen beiden stimmt, könnten sie eine neue Ära der US-chinesischen Beziehungen einläuten. Noch nie wurde für ein US-chinesisches Spitzentreffen so viel Zeit für freie Gespräche eingeplant. Immerhin: Damit es am Ende nicht allzu familiär wird, plant Xi, im nahegelegenen Hyatt-Hotel und nicht auf dem Anwesen zu übernachten, und auch Präsidentengattin Michele Obama wird in Washington bleiben.

Dass die Beziehungen der beiden Mächte sich gerade verändern, ist zwangsläufig, denn China wird als neuer Akteur auf der internationalen Weltbühne stetig präsenter. Die schon seit dreißig Jahren fließenden Einnahmen aus dem chinesischen Wirtschaftswachstum machen es möglich; auch militärisch hat es zuletzt rasant aufgerüstet. Die neue Regierung von Xi Jinping scheint die traditionell eher zurückhaltende Außenpolitik Pekings endgültig ablegen zu wollen. Xis erste Auslandsstation als Präsident war Russland, inzwischen eher eine Exweltmacht, aber mit viel Energieressourcen ausgestattet, danach kam Afrika, direkt vor dem Obama-Besuch war er in Zentralamerika. Politische Führungskräfte wie Premier Li Keqiang, der neue Vizepräsident Li Yuanchao und andere mussten gleich nach ihrem Amtsantritt ausschwärmen, Pekings außenpolitische Entourage zog es nach Indien, Pakistan, Deutschland, Afrika und Lateinamerika. 

Leserkommentare
  1. Zu ihrem Glück sind sie für China systemrelevant.

    5 Leserempfehlungen
    • p16
    • 06. Juni 2013 13:57 Uhr

    wenn die Amerikaner an Macht verlieren und ihr Empire demnächst zusammenbricht. Lange kann es ja nicht mehr dauern. Vielleicht haben wir dann irgendwann eine Welt, die auf Wahrheit und Aufrichtigkeit aufgebaut ist anstatt auf Lügen und Halbwahrheiten.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    >>Es geht auch um Macht.<<

    ...wie jetzt, "auch" ?
    Ich dachte, es geht immer und ausschließlich um Macht bei solchen Treffen?

    >>Vielleicht haben wir dann irgendwann eine Welt, die auf Wahrheit und Aufrichtigkeit aufgebaut ist anstatt auf Lügen und Halbwahrheiten.<<

    Warum jetzt ausgerechnet China dabei helfen sollte, ist mir etwas schleierhaft. Außerdem ist die Welt der Politik nicht an Wahrheit oder Wissenschaft interessiert, das schadet nämlich meistens dem Machterhalt.
    Politik ist eine Schlangengrube.

  2. >>Es geht auch um Macht.<<

    ...wie jetzt, "auch" ?
    Ich dachte, es geht immer und ausschließlich um Macht bei solchen Treffen?

    >>Vielleicht haben wir dann irgendwann eine Welt, die auf Wahrheit und Aufrichtigkeit aufgebaut ist anstatt auf Lügen und Halbwahrheiten.<<

    Warum jetzt ausgerechnet China dabei helfen sollte, ist mir etwas schleierhaft. Außerdem ist die Welt der Politik nicht an Wahrheit oder Wissenschaft interessiert, das schadet nämlich meistens dem Machterhalt.
    Politik ist eine Schlangengrube.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • q17
    • 06. Juni 2013 15:28 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/jk

    So sehr ich auch die USA - nennen wir es mal: nicht appetitanregend - finde und es zweifellos ein neues Gegengewicht als Korrektiv braucht: Den Chinesen allein möchte ich das Ruder auch nicht überlassen sehen. Und wer weiß, ob sie denn als Gegengewicht wirklich funktionieren?

  3. der Insolvenzverwalter (China) kommt zu Besuch!
    Mal sehen was die US-Amerikanischen Bänker noch zur Schlachtbank bringen?

    • q17
    • 06. Juni 2013 15:28 Uhr
    5. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/jk

    Antwort auf "Öhhhm..."
  4. Vielleicht treffen sich da ja zwei "World Ruler", die zur Abwechslung mal Realpolitiker sind oder zu sein scheinen, besonders Xi. Unsere amerikanischen Frrreunde (Brandt) haben das noch nicht so ganz drauf, dass sie nicht mehr das Sagen haben. Sich auf den pazifischen Raum zu konzentrieren, reicht nicht. Man muss schon Ideen haben, so wie wir keine haben im EU Zwergerl-Land - mit Zwergerl meine ich die intellektuelle Kapazität = brain der EU Kommission und what else you may have got.
    Die gegenseitigen Handelssanktionen zwischen EU und China sprechen für sich. Warum kann sich der zuständige EU-Kommissar für den Aussenhandel so viel Ignoranz und Inkompetenz auf einmal leisten?
    Die Antwort, free of charge: der von Dir, lieber deutscher Steuerzahler, finanzierte EU-Bürokrat, neben den Tausenden von anderen sogenannten "Staatsdienern" im Land, im Bund, und in der EU, hat dieses Thema doch schon lange institutionalisiert. Und kassiert, und kassiert, und kassiert. Meinem Sohn rate ich, Politiker zu werden.

    Eine Leserempfehlung
  5. So sehr ich auch die USA - nennen wir es mal: nicht appetitanregend - finde und es zweifellos ein neues Gegengewicht als Korrektiv braucht: Den Chinesen allein möchte ich das Ruder auch nicht überlassen sehen. Und wer weiß, ob sie denn als Gegengewicht wirklich funktionieren?

    Antwort auf "Öhhhm..."
  6. Warum muss ich wenn ich mal wieder Kommentare lese, dass die USA ja nur schlechtes in der Welt tun immer an Monty Phytons "Life of Brian" denken?

    "All right, but apart from the sanitation, the medicine, education, wine, public order, irrigation, roads, a fresh water system, and public health, what have the Romans ever done for us?"

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte Barack Obama | Xi Jinping | Aufsteiger | China | USA | Außenpolitik
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