Die türkische Polizeigewerkschaft hat die Einsatzbedingungen bei den seit Tagen andauernden Protesten gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan kritisiert. Sechs Polizisten hätten bereits Selbstmord begangen, sagte Faruk Sezer, der Vorsitzende der Gewerkschaft Emniyet-Sen.

Die Beamte seien zu 120 Stunden langen Dauereinsätzen auf den Straßen gezwungen worden. Die Gewalt gegen Demonstranten resultiere auch aus der Gewalt, die die Polizisten selbst erführen, sagte Sezer.

Die aus dem ganzen Land eingezogenen Beamten hätten auf der Straße, auf Bänken oder ihren Schilden schlafen müssen, da die staatlichen Behörden sich nicht um ihre Unterbringung gekümmert hätten, zitiert ihn die englischsprachige Ausgabe der Tageszeitung Hürriyet. Seine Gewerkschaft sammle Material, um Gerichtsverfahren gegen den Dienstherrn anzustoßen.

Wegen der unverhältnismäßig brutalen Einsätze gegen Demonstranten ist die türkische Regierung international kritisiert worden.

"Diesen Leuten eine erste Lektion erteilen"

Erdoğan bezeichnete die seit mehr als einer Woche protestierenden Demonstranten als "Vandalen" und "Anarchisten". Er rief seine Anhänger in der südtürkischen Stadt Adana auf, den Demonstranten bei den Kommunalwahlen im März 2014 eine Lektion zu erteilen: "Ich will, dass Ihr diesen Leuten auf demokratischem Weg eine erste Lektion an den Urnen erteilt."

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mahnte die türkische Regierung in der Welt am Sonntag, die Bürgerrechte zu achten. "Das ist eine Bewährungsprobe für die türkische Regierung, Europa und der Welt zu zeigen, dass die Herrschaft des Rechts und die Freiheitsrechte ihr etwas gelten." Erdoğan müsse sich seiner Verantwortung bewusst sein, "die Lage zu beruhigen".