RusslandMerkel fordert Beutekunst von Russland zurück

Ein Gespräch hat die offene Konfrontation zwischen Putin und Merkel verhindert. Beim Thema Beutekunst aber gibt es keine Annäherung: Die Kanzlerin fordert die Rückgabe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Russlands Staatschef Wladimir Putin aufgefordert, die im Zweiten Weltkrieg von sowjetischen Soldaten erbeuteten deutschen Kunstschätze zurückzugeben. Bei der gemeinsamen Eröffnung der Beutekunst-Ausstellung in der Eremitage in Sankt Petersburg sagte Merkel, 600 Kunstschätze seien aus Deutschland. "Wir sind der Meinung, dass diese Ausstellungstücke wieder zurück nach Deutschland kommen sollen." Sie sollten den Eigentümern oder deren Rechtsnachfolgern zurückgegeben werden, sagte die Kanzlerin.

Merkel betonte, Deutschland und Russland hätten nach dem Krieg so viel geschafft. Deshalb sei sie hoffnungsfroh, dass auch dieses Problem gelöst werde. Sie bedankte sich ausdrücklich dafür, dass die Exponate überhaupt erstmals öffentlich gezeigt werden. "Das ist ein wichtiger Schritt."

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Putin entgegnete, die Ausstellung zeige, dass die gemeinsamen Wurzeln Russlands und Deutschlands in die Bronzezeit zurückgingen. "Was macht es einem ganz normalen Bürger aus, wo die Kulturgüter zu sehen sind – in Berlin, Sankt Petersburg, Moskau oder in der Türkei."

Das Treffen zwischen Merkel und Putin hatte bereits gegen Mittag einen Eklat ausgelöst. Merkel hatte offenbar kurzfristig entschieden, nicht an der Ausstellungseröffnung teilzunehmen. 

Hintergrund war der Streit über die Beutekunst. Nach deutschen Regierungsangaben hatte es der russischen Seite nicht gepasst, dass Merkel in ihrer Ansprache auf den Streit eingehen wollte. Sie hatten der Kanzlerin angeblich das Wort verweigert.

Ein direktes Gespräch mit Putin habe aber dazu geführt, dass die zuvor verkündete Absage des gemeinsamen Besuchs revidiert werde, sagte Merkel bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin in St. Petersburg.

In der Ausstellung sind auch etwa 600 Objekte zu sehen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland nach Russland gebracht wurden. Deutschland hatte mit Blick auf internationales Recht immer wieder auf der Rückgabe der Kunst bestanden. Russland lehnt das ab.

Putin sagte zu dem Thema Beutekunst: "Eine sehr heikle Frage für die Gesellschaften beider Länder. Wir müssen nach Lösungen suchen, nicht das Thema aufblasen." Beide Seiten sollten nicht gegeneinander aufrechnen, sondern "den Weg der Kunstexperten gehen".

Die Ausstellung ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der Eremitage und Museen in Moskau und Berlin anlässlich des derzeit laufenden deutsch-russischen Jahres. Laut der beteiligten Stiftung Preußischer Kulturbesitz wird dabei mit mehr als 1.700 Objekten aus allen beteiligten Museen das Bild der Bronzezeit nachgezeichnet.

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Leserkommentare
  1. Was sich liebt, das neckt sich. Hat er etwa für Angie seine Frau verlassen?

    4 Leserempfehlungen
    • -lupo-
    • 21. Juni 2013 16:43 Uhr

    Bin sehr gespannt auf die Reden der Beiden!

    Wird das irgendwo live Übertragen?

    2 Leserempfehlungen
  2. Vielleicht wollte Putin auch auf 25 Millionen russische Kriegstote während des zweiten Weltkriegs eingehen, aber Merkel hat abgelehnt?

    28 Leserempfehlungen
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    Ein Verbrechen mit dem anderen begründen. So sieht sie aus, die Logik, die am Ende alle Menschen umbringen wird.

    Der Opfer des zweiten Weltkrieges wird - zurecht - sehr oft und auf höchster Ebene viel Aufmerksamkeit geschenkt, doch diese Ausstellung ist wohl kaum der richtige Platz dafür.

    Anders sieht das eben mit Diebesgut aus, das eben auf jener Ausstellung präsentiert wird.

    "Putin selbst hatte die Wirtschaftspolitik der Kanzlerin noch am Vorabend in den höchsten Tönen gelobt:

    Die deutsche Bundeskanzlerin reagiere auf die beste Weise auf die ökonomische Situation in der Welt.

    Wirtschaft war daher auch das große Thema bei der rund einstündigen Unterredung beider Politiker."
    http://www.tagesspiegel.d...

    Putin ist kein Deutscher. Der Hinweis nicht aufzurechnen, sondern nach vernünftigen Lösungen zu suchen, zeigt schlußendlich, daß die russische Führung nach vorne blickt. Davon könnten die Deutschen sich eine Scheibe abschneiden.

    Wie siehts denn mit Quellen für ihre 25 Mio. aus? In der Regel werden die Toten der Sowjetunion mit 19-20 Mio. beziffert.

    die wir Deutschen über die Jahre an den Tag gelegt haben, bröckelt.

    Das kann man schon an den Reaktionen auf Ihren Kommentar sehen.

    Wird ja aber auch von unseren auf-rechten Politikern angefeuert, ich darf da bloß an den unsäglichen Herrn Kauder und sein es-wird-wieder-DEUTSCH-gesprochen-in-Europa erinnern.

    Übrigens kein rein deutsches Phänomen, auch andere einstmals kriegführende Nationen sind verstärkt dabei, ihre Geschichtsbücher ein klein wenig zu modifizieren.

    Japan zum Beispiel...

  3. 4. Dann.

    ...hat sie sich wohl mundtot machen lassen. Einfach peinlich.

    4 Leserempfehlungen
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    den Eindruck, dass Putin umgefallen ist. Mundtot hat sich die Merkel nicht machen lassen, sonst hätte man nicht so öffentlichkeitswirksam die Reden abgesagt.

    • TDU
    • 21. Juni 2013 17:09 Uhr

    Kritik heisst für Sie also zu zeigen wie stark man ist, und jedes Zugeständnis ist Schwäche?. Oder hätte sie besser gar nichts gesagt, wie Delegationen bei SPD Besuchen in früheren Zeiten.

    Oder vielleicht ganz absagen und so zeigen, der Schatz ist unser oder nichts? Oh je 20tes Jahrhundert bis zum Ende des zweiten Weltkriegs.

  4. Jacke und Krawatte farblich abgestimmt und schon klappt es mit der Harmonie.
    Und dann noch gemeinsames Kaffeetrinken.
    Was gibt es übrigens?
    Bitte, Redaktion, nicht wegstreichen.
    Ich habe mich so an den Liveticker gewöhnt.

    3 Leserempfehlungen
  5. Putin ja mal kräftig auf das Näschen gepurzelt. Erst den starken Mann machen und - wenn das nicht den gewünschten Erfolg zeigt - wird ein schneller Rückzieher gemacht. Auf die Erklärung der Beiden bin ich gespannt...

    3 Leserempfehlungen
  6. den Eindruck, dass Putin umgefallen ist. Mundtot hat sich die Merkel nicht machen lassen, sonst hätte man nicht so öffentlichkeitswirksam die Reden abgesagt.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Dann."
    • TDU
    • 21. Juni 2013 16:56 Uhr

    Das mag ich an ihr. Sie sagt, was ihr nicht passt, ohne sich beleidigt zurückzuziehen und das Zeichen ist gesetzt. Zwar Besuch aber unter geäussertem Vorbehalt. Das hätte sie beim türkischen Ministerpräsidenten nach seinen Reden in der Kölner Sporhalle auch machen können, aber der ist nicht Putin und Putin hat eben nicht die Tendenz, die beleidigte Leberwurst zu spielen.

    Die offizielle Begründung muss nicht unbedingt sein. Ist vielleicht leider dem Wahlkampf geschuldet und sie kennt ja ehemalige Landsleute mit der unverbrüchlichen Freundschaft. Ich finde es jedenfalls gut, wenn die beiden miteinander reden können.

    6 Leserempfehlungen
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    ...das mögen Sie an Ihr... :-)

    Ich finde, wir sollten Angela Merkel mal das Vertrauen aussprechen!!!

    Entfernt, bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/se

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, tis
  • Schlagworte Angela Merkel | Wladimir Putin | Bundeskanzler | Kunst | Russland | Soldat
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