Die US-Regierung hat Russland aufgefordert, den Whistleblower Edward Snowden umgehend auszuliefern. "Wir erwarten, dass die russische Regierung Herrn Snowden in die USA zurückschickt", teilte das Weiße Haus mit.

Auch die lateinamerikanischen Staaten wurden zur Zusammenarbeit bei der Fahndung nach Snowden aufgerufen. Dem Prism- und Tempora-Enthüller dürfe nicht erlaubt werden, sich zu verstecken oder in ein anderes Land außer den USA weiterzureisen. Sein Reisepass wurde für ungültig erklärt. Auf Ecuador, in dem Snowden politisches Asyl beantragt hat, werde der Antrag noch geprüft, sagte ein Sprecher der ecuadorianischen Regierung.

Die russischen Behörden sehen allerdings keinen Grund, Snowden festzuhalten. Dennoch hielt der Whistleblower sich am frühen Montagmorgen noch im Transitbereich des Moskauer Flughafens auf, berichtete die Nachrichtenagentur Itar-Tass unter Berufung auf einen Flughafensprecher. Von Moskau aus wolle er zunächst nach Kuba weiterreisen, hieß es. Die nächste Maschine nach Havanna soll am heutigen Montagnachmittag abheben.

Snowden wird von der US-Justiz der Spionage beschuldigt, weil er geheime Daten über die globalen Spähprogramme Prism und Tempora an Medien weitergegeben hat. Er hatte am gestrigen Sonntag sein bisheriges Exil in Hongkong verlassen und war am Nachmittag auf dem Moskauer Scheremetjewo-Flughafen gelandet.

Das US-Justizministerium äußerte sich verärgert über die Hongkonger Behörden, weil sie seine Ausreise erlaubten. Es sei enttäuschend und beunruhigend, dass die Behörden dem Auslieferungsantrag der USA nicht nachgekommen seien. 

Zwischen Hongkong und den USA wurden in den vergangenen zwei Wochen Unterlagen für eine Auslieferung Snowdens ausgetauscht. Die Behörden in Hongkong gaben an, der Auslieferungsantrag habe Formfehler enthalten. Washington bestreitet das.

Derweil wurde ein mysteriöses Detail der Abreise Snowdens bekannt. Er soll nach Darstellung seines Anwaltes Albert Ho vor dem Flug nach Russland zur Ausreise aus Hongkong aufgefordert worden sein. Ein Mann habe sich bei Snowden gemeldet und angegeben, die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone zu vertreten. Dieser Mann habe gesagt, Snowden könne Hongkong verlassen und sollte dies auch tun. "Das ist ein sehr ungewöhnlicher Vorgang", sagte Ho, der auch Abgeordneter im chinesischen Regionalparlament ist.