SyrienRegierung wählt Flüchtlinge nach Qualifikation aus

Akademiker, Christen, Journalisten: Die Bundesregierung will bestimmte Flüchtlinge aus Syrien bevorzugen. Nur ein Drittel soll aus humanitären Gründen aufgenommen werden.

Syrische Flüchtlinge im Libanon

Syrische Flüchtlinge im Libanon  |  © Omar Ibrahim/Reuterss

Die Bundesregierung macht die Aufnahme syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge in Deutschland nach einem Zeitungsbericht auch von deren Qualifikation abhängig. Rund 1.600 Syrer sollen eine Aufenthaltserlaubnis bekommen, die einen "besonderen Beitrag für den Wiederaufbau des Landes nach dem Konflikt" leisten können, berichtete der Tagesspiegel unter Berufung auf eine interne Anweisung an deutsche Auslandsvertretungen und das UN-Flüchtlingshilfswerk. 

Neben Akademikern, Kulturschaffenden und Journalisten gehe es dabei auch um politische Aktivisten, sagte ein Sprecher des Innenministeriums dem Blatt. Nur etwa ein Drittel der Flüchtlinge solle nach humanitären Kriterien ausgewählt werden. Die Regierung hatte angekündigt, in diesem Jahr mindestens 5.000 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Auch die Religion soll bei der Auswahl eine Rolle spielen.

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Wegen des Bürgerkriegs sind derzeit 1,6 Millionen Syrer ins Ausland geflohen, bis Ende des Jahres könnten es nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks 3,45 Millionen Menschen werden. Innerhalb des Bürgerkriegslandes sind bereits 4,25 Millionen Menschen auf der Flucht.

In dem Konflikt deutet zurzeit wenig auf eine politische Lösung hin. Die Gruppe der sogenannten Freunde Syriens kommt am Samstag zu Beratungen in der katarischen Hauptstadt Doha zusammen. Die elf Außenminister wollen ihre Hilfen für die syrische Opposition koordinieren. Dabei dürfte es vor allem um militärische Unterstützung gehen. Die syrischen Rebellen hatten insbesondere um Abwehrwaffen gebeten. Die westlichen Staaten sind aber uneins, ob sie den Rebellen Waffen liefern sollen. Während Frankreich und Großbritannien darauf drängen, ist Deutschland skeptisch bis ablehnend. Die USA hatten kürzlich erklärt, sie wollten den Rebellen militärische Unterstützung leisten.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen differenzierteren Kommentarstil. Die Redaktion/mak

    Eine Leserempfehlung
  2. Welchen Beitrag leisten denn bitte Kulturschaffende beim Wiederaufbau eines total zerstörten Landes? Oder Journalisten?
    Dieses Auswahlprinzip kann man auf die Zuwanderung anwenden, bei Flüchtlingen ist soetwas zynisch.

    Ich hätte mir eher gewünscht, daß elternlose Kinder und Jugendliche aus solchen Lagern geholt werden, die am meisten unter den zuständen dort zu leiden haben. Sie könnten hier in Betreuungen und Ausbildungen kommen und - wenn die Umstände es zulassen - beim Wiederaufbau ihres Landes gute Chancen haben, in ihrer Heimat eine Zukunft beginnen können.

    16 Leserempfehlungen
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    dass man Menschen aufnimmt, um diesen zu helfen, um ihnen Sicherheit zu bieten, ohne einen eigenen Vorteil zu sehen. So entsteht der Eindruck, dass Menschenleben unterschiedlich viel wert seien. Eklatant, falls sich diese Meldung bestätigen sollte.

    Vor allem sollte man mal fragen, was für eine Chance gerade Kulturschaffende in einem Land der Muslimbrüder haben sollten. Das sind doch genau die Leute, die dann im Westen bleiben und den Rest ihrer Lebenszeit der gekaperten Revolution hinterherweinen.

  3. Humanitäre Gesichtspunkte spielen also eine untergeordnete Rolle !

    Selektion nach "Verwertbarkeit" der Menschen?
    Sind nicht alle Menschen gleich?

    Wie verhält es sich mit unserem Grundgesetz der Religionsfreiheit?
    Ist dieses Vorgehen mit der Genfer Konvention vereinbar?

    Als ich diesen Artikel las, dachte ich daran, ob vielleicht demnächst bei Bränden zuerst die gut qualifizierten Christen gerettet werden dürfen, danach erst die Anderen?

    Was haben meine Eltern uns Kindern bloß für weltfremdes Zeugs beigebracht, als sie sagten, wir müssen allen Menschen, egal welcher Hautfarbe und Religion, unabhängig von ihren geistigen Fähigkeiten denselben Respekt entgegenbringen.

    19 Leserempfehlungen
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    ist ein Flüchtling also nicht mehr ein Mensch, der "aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt" sondern ein Akademiker der "aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen seiner politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt".

    Also, quasi Universitätsabschluss sticht Menschsein.

    Ich schäme mich für unsere Regierung.

    aber da dieser Krieg auch ein Religionskrieg ist (insbesondere Sunniten gegen Shi'iten), wäre es duraus möglich, dass Angehörige besonders schwer verfolgter Religionen/Konfessionen bevorzugt werden. (ist aber nur eine Vermutung)

    Dass es allerdings Menschen nach "Verwertbarkeit" ausgewählt werden, finde ich ebenfalls sehr bedenklich ...

    Andererseits, nach irgendwelchen Kriterien muss man ja vorgehen :-/

    Und schliesslich [Ironie an] wollen wir ja in Deutschland auch nicht so viele Ausländer haben [Ironie aus].

    Aber, wenn ich so darüber nachdenke, ganz so ironisch ist der vorangegangene Satz dann doch wieder nicht ...

    Ist es denn nicht verwunderlich, dass der Westen lernt? Hier bei uns in Bremen haben wir massive Probleme mit mafiösen Clans, die damals in den Achtzigern auch arme Flüchtlinge waren (Libanon). Sie durften nicht arbeiten, also mussten sie ja kriminell werden, so die Logik der Grünen hier. Also muss man das auch akzeptieren.

    Wenn Sie gerne Flüchtlinge aufnehmen wollen, können Sie das doch gerne organisieren. Aber die meisten haben Bettler vor dem heimischen Biomarkt nicht so gerne und ihre Kinder werden dann auch nicht in die Brennpunktschulen geschickt. Soweit geht Solidarität dann doch nicht. Die sollen schön in den Hartz IV Stadtvierteln bleiben.

  4. dass man Menschen aufnimmt, um diesen zu helfen, um ihnen Sicherheit zu bieten, ohne einen eigenen Vorteil zu sehen. So entsteht der Eindruck, dass Menschenleben unterschiedlich viel wert seien. Eklatant, falls sich diese Meldung bestätigen sollte.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "blöde Auswahl"
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    • subse
    • 21. Juni 2013 21:13 Uhr

    Aber vielleicht ist es ja gewollt aus der Plage anderer einen Nutzen zu ziehen, oder etwa nicht?

    • shtok
    • 21. Juni 2013 22:58 Uhr

    sind diese Auserwählten ja nur 1/3 der gesamten Flüchtlinge, die dieses Jahr aus Syrien aufgenomme werden, 2/3 werden also nicht diesen Kriterien unterworfen. Auch hat ihre Regierung aus den Fehlern der Vergangenheit anscheinend gelernt, denn was im Libanon Konflikt Mitte der 80iger nach D kam, sorgt dieser Tage für größere Probleme (Stichworte: Miri, Abou-Chaker). Auch stellt sich die Regierung wohl die Frage , wie lange sich der soziale Frieden in D bei unkontrollierter Zuwanderung noch erhalten lässt, auch aufgrund der zu erwartenden sozialen Probleme als Folge der Agenda 2010. Denn wenn das Fass explodiert, dürfte es für viele Migranten ein böses Erwachen geben, wenn man die dt. Geschichte betrachtet.

    Eine Frage die Sie sicherlich gut beantworten können, wieviel Flüchtlinge werden eigentlich in den Staaten auf der arabischen Halbinsel aufgenommen und wieviele Christen, Nusairier und Shiiten sind darunter.

    Was machen Sie eigentlich im Rahmen dieses Konfliktes, haben Sie sich schon mal überlegt, sich als Helfer für diese Leute anzubieten, vlt. haben sie auch noch einige Räume in ihrem Haus frei oder fragen in ihrer Umgebung, ob dort nicht noch Wohnraum zur Verfügung gestellt werden kann. Wäre ein erster Schritt.

    Vielleicht könnten sie dann auch in einer Serie in der ZEIT darüber berichten und so andere Menschen zum Helfen motivieren.

  5. Es ist davon auszugehen, dass der syrische Bürgerkrieg mittelfristig nicht beendet werden wird. Deshalb darf man annehmen, dass die Flüchtlinge zu großen Teilen nicht zurückkehren werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass es sich bei den Flüchtlingen um Menschen handelt, die sich in Deutschland integrieren können.

    Um die anderen Flüchtlinge muss man sich nicht sorgen, weil die reichen arabischen Staaten des Nahen Ostens sicherlich ihrerseits Flüchtlinge aufnehmen werden.

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    und schauen. Die Nachbarländer von Syrien haben entweder bereits ein massives Flüchtlingsproblem, sind in den Krieg in Syrien verwickelt oder befinden sich selber in einem Konflikt. Oder sie sind Israel und nehmen keine syrischen Flüchtlinge auf. Die aufnehmende Nachbarländer beherbergen bereits über 700.000 Flüchtlinge, neben palästinensischen, irakischen Flüchtlingen etc. Die Flucht über das Meer ist da tatsächlich ein Option. Vorallem für Flüchtlinge, die nicht erst quer durch Syrien (höhö) und den Irak ziehen wollen um nach Saudi-Arabien zu kommen (wohnt ja nicht jeder bequem an der Grenze). Tatsächlich nimmt auch Saudi-Arabien Flüchtlinge auf. Die ans Mittelmeer grenzenden europäischen Länder haben bereits ein massives Problem, Flüchtlinge unterzubringen. Und ja, die Ölscheichs sind uns allen nicht supersympathisch. Trotzdem - ist es realistisch, dass sie gleich 3 000 000 Menschen aufnehmen?

    • Tom S.
    • 21. Juni 2013 21:41 Uhr

    Falls sich die Schätzung Ende des Jahres werden 3,45 Mio Syrer auf der Flucht sein bewahrheiten sollte, dann wären die 5.000 nicht mehr als eine nette Geste. Ob die "reichen arabischen Staaten des Nahen Ostens" so viele Flüchtlinge aufnehmen können und wollen bezweifle ich.

    Nachdem ich zuerst entsetzt war über den Artikel stimme ich Ihrem Kommentar aber zu. Falls man nicht alle aufnehmen kann, kann man danach gehen wer hier (auf längere Sicht) am besten klar kommt. Da in Deutschland die Glaubensfreiheit i.A. gegeben ist, sollte die Konfession eigentlich keine Rolle spielen.

    Es gibt aber noch eine andere Betrachtungsweise:

    Wer wird in anderen Ländern (Saudi Arabien, ...) vermutlich am wenigsten zu Recht kommen? In vielen Ländern in dieser Region haben Christen es einfach sehr schwer. Die Entscheidung aus diesem Grund bevorzugt Christen nach Deutschland zu holen könnte ich voll unterstützen.

  6. das auswahlkriterium sollte der grad der gefährdung sein, nicht der beruf und SCHON GAR NICHT DIE KONFESSION!
    vielleicht hab ich unrecht, aber ich bezweifle, dass die christen grundsätzlich die schutzbedürftigsten syrer sind. ob ein syrischer christ aufgrund seiner konfession in gefahr ist, hängt sehr davon ab aus welcher region er kommt. pauschal zu sagen, dass man christen bevorzugt liegt womöglich eher an den religiösen überzeugungen unseres allseits geschätzten innenministers friedrich.

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    Ich meine mich zu erinnern, vor einigen Wochen, möglicherweise sogar in der Print-ZEIT, einen Artikel über das Bundesinnenministerium gelesen zu haben, in dem beschrieben wurde, dass sich dort, im Windschatten unseres geschätzten Innenministers Friedrich, momentan ein Netzwerk erzkonservativer Christen an den wichtigen Schaltstellen einnistet, welches z.B. bei Neueinstellungen weniger auf fachliche Kompetenz als auf linientreue Gesinnung achtet und auch, wie ich es verstanden habe, eher wenig mit demokratischen Prinzipien am Hut hat. Das ganze hörte sich stark nach einer schleichenden Unterwanderung an.

    Eine Bevorzugung christlicher Flüchtlinge aus Syrien, unter Missachtung humanitärer Gesichtspunkte, würde da nur allzu gut ins Bild passen.

    Als Baschar al-Assad fest im Sattel saß, waren Christen natürlich keine schutzbedürftigen Syrer, mittlerweile dürften sie aber als verfolgte,religiöse Minderheit gelten, jedenfalls in den Gebieten, in denen der Einfluß der sogenannte Opposition noch vorhanden ist.

    Flüchtlinge sollten ausschließlich aus humanitären Gründen aufgenommen werden,Qualifikationen sollten und dürften dabei keine Rolle spielen.

    Die Konfession dürfte einen erheblichen Einfluss auf die Gefährdung haben. Siegen die Rebellen, so werden sie an Aleviten (der Kofession des Assad-Clans, eine religiöse Minderheit) und Christen, die als Profiteure des Systems gelten, möglicher Weise auch an Schiiten verüben, auch wenn diese Gruppen sich längst vom Regime losgesagt haben sollten.
    Hätte der Westen rechtzeitig interveniert (Flugverbotszone o.ä), hätte er vielleicht noch Einfluss nehmen können, nun aber bleibt nur die Aufnahme von Flüchtlingen - und da spielt die Konfession eine große Rolle.

  7. Ich meine mich zu erinnern, vor einigen Wochen, möglicherweise sogar in der Print-ZEIT, einen Artikel über das Bundesinnenministerium gelesen zu haben, in dem beschrieben wurde, dass sich dort, im Windschatten unseres geschätzten Innenministers Friedrich, momentan ein Netzwerk erzkonservativer Christen an den wichtigen Schaltstellen einnistet, welches z.B. bei Neueinstellungen weniger auf fachliche Kompetenz als auf linientreue Gesinnung achtet und auch, wie ich es verstanden habe, eher wenig mit demokratischen Prinzipien am Hut hat. Das ganze hörte sich stark nach einer schleichenden Unterwanderung an.

    Eine Bevorzugung christlicher Flüchtlinge aus Syrien, unter Missachtung humanitärer Gesichtspunkte, würde da nur allzu gut ins Bild passen.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "warum christen?"
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    Ich glaube es war dieser Artikel:
    http://www.zeit.de/2013/2...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, tis
  • Schlagworte Bundesregierung | Aufenthaltserlaubnis | Außenminister | Flüchtling | Konflikt | Opposition
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