SyrienFrankreich sieht Giftgas-Einsatz als erwiesen an

Frankreich hat laut Außenminister Fabius eindeutige Beweise für einen Sarin-Einsatz in Syrien. Das Assad-Regime soll in mindestens einem Fall verantwortlich sein.

Stadtteil von Aleppo nach einem Angriff der syrischen Regierungstruppen

Stadtteil von Aleppo nach einem Angriff der syrischen Regierungstruppen  |  © Haleem Al-Halabi/Reuters

Die französische Regierung ist sich sicher, dass im syrischen Bürgerkrieg das Giftgas Sarin eingesetzt worden ist. Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte: "Frankreich hat nun die Gewissheit, dass das Gas Sarin in Syrien mehrfach und lokal begrenzt eingesetzt wurde."

Fabius sagte, er habe die Analyseergebnisse an den Chef der UN-Untersuchungskommission zum Einsatz von Chemiewaffen in Syrien, Ake Sellström, übergeben. In den Proben sei das Nervengas Sarin nachgewiesen worden, das in einer Dosis von einem halben Milligramm zum Tod führen kann. Die Schuldigen für diesen Chemiewaffen-Einsatz müssten zur Verantwortung gezogen werden.

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Zunächst machte Fabius keine Angaben dazu, ob Regierungstruppen oder Rebellen das Giftgas eingesetzt haben. Später sagte er dem Fernsehsender France 2, es bestehe kein Zweifel, dass Sarin mindestens ein Mal durch "das Regime und seine Komplizen" eingesetzt wurde.

Die Untersuchungskommission hatte kurz vor Fabius' Aussage in ihrem neuesten Bericht mitgeteilt, dass es glaubwürdige Hinweise für den Einsatz von Chemiewaffen durch beide Konfliktparteien gebe. Chemiewaffen wurden demzufolge bei mindestens vier Gelegenheiten in begrenzter Menge eingesetzt. Allerdings seien weder die Art der Kampfstoffe noch der Typ der Waffensysteme noch die Urheber bekannt. Der Einsatz von Chemiewaffen ist laut internationalen Abkommen ein unter Strafe stehendes Kriegsverbrechen.

USA halten Beweise für unzureichend

Regierung und Opposition in Syrien beschuldigen sich gegenseitig, Chemiewaffen einzusetzen. Bislang war stets nur von "Hinweisen" oder "starken Hinweisen" auf einen solchen Einsatz die Rede. US-Präsident Barack Obama hatte das Regime von Baschar al-Assad gewarnt, mit dem Einsatz von Chemiewaffen werde eine "rote Linie" überschritten. Sobald ein definitiver Beweis dafür vorliege, würden die USA mit ihren Alliierten über Konsequenzen beraten.

Den USA reichen die Beweise Frankreichs für ein Eingreifen in Syrien jedoch nicht aus. Jay Carney, der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, sagte: "Wir müssen die vorliegende Beweislage erhärten, bevor wir irgendwelche Entscheidungen treffen können." Dafür seien aber weitere Untersuchungen notwendig.

Frankreich und Großbritannien drängen seit Längerem auf ein Eingreifen in Syrien und hatten sich für ein Auslaufen des EU-Waffenembargos eingesetzt. Mit dem Ende des Embargos ist es seit dem 1. Juni jedem EU-Staat selbst überlassen, Waffen an die syrische Opposition zu liefern.

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Leserkommentare
  1. ...Assad ist verantwortlich für den Einsatz, dann muss er weg, denn er hat die rote Linie überschritten, oder nicht, dann muss er auch weg, denn dann hat er keine Kontrolle im Land über die eigenen Waffen, damit keine Staatsgewalt, mittelbar oder unmittelbar, und kann kein legitimer Verhandlungspartner oder Regierungschef mehr sein.

    3 Leserempfehlungen
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    Müssen Sie denn immer alles so einseitig betrachten?

    Sie wissen doch ganz genau, daß Assad nicht der einzige ist, der Sarin besitzt.
    Und daß die beiden Burschen, die man in der Türkei mit Sarin erwischt hat, keine von Assads Leuten waren wissen Sie auch!

    Aber 1 und 1 zusammenzuzählen weigern Sie sich standhaft.
    Immer schön bei der schwarz-weiß-Denke bleiben - sonst könnte ja das eigene, simple Weltbild in's wanken geraten...

    Super Idee! Wenn Assad nicht mehr die volle Kontrolle hat, dann weg mit ihm. [...]

    Gekürzt. Bitte äußern Sie sich differenziert. Danke, die Redaktion/sam

  2. Ich habe 2 große türkische Zeitungen recherchiert:

    http://gundem.milliyet.co...

    http://hurarsiv.hurriyet....

    Warum schreiben die westlichen Medien nichts darüber?

    Liebe ZEIT, gibt es einen Grund, warum uns diese Informationen vorenthalten wurden?

    16 Leserempfehlungen
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    Bitte verlinken Sie auf seriöse Quellen. Danke, die Redaktion/fk.

    ein solcher Fund wäre OPCW-meldepflichtig und es hat keine solche Meldung gegeben, daher wars wohl ein "Behälter" ohne tatsächliche Füllung mit Kampfstoff.

    Hat etwa den Glaubwürdigkeitsgehalt wie das gerade in Irak aufgefunden "Kampfstofflabor",:

    http://www.bbc.co.uk/news...

    Da die Festgenommenen unverletzt zu sein scheinen, stellen sich natürlich noch einige Fragen!

    Peter

    • shtok
    • 04. Juni 2013 21:22 Uhr

    gestreut durch das syrische Regime und den vertrauensunwürdigen Iran.
    Auch passen ihre genannten Meldungen nicht in das politische Weltbild der dt. Leitmedien, denn man hat es dieser Tage schon nicht leicht offensichtlichere Taten wie in London (http://www.aljazeera.com/...) oder Paris (http://www.wienerzeitung....) respektive den Ausschreitungen in Schweden (http://www.guardian.co.uk...) unter den Dhimmitisch zu kehren.
    Denn der in GB gerade beginnende rw (http://www.telegraph.co.u...) könnte schnell nach Europa überschwappen.

    • toyak2
    • 05. Juni 2013 10:24 Uhr

    Zeit selbst diese Berichte nicht überprüfen kann. Dafür gibt es aber die Möglichkeit die Kollegen bei Zaman anzurufen und zu befragen oder man fliegt hat nach Adana, wo die 5 festgenommenen in Untersuchungshaft sitzen.

    Wenn irgendwelche Berichte auftauchen, die die syrische Regierung belasten würden, wird darüber ausführlich und wie immer einseitig berichtet.
    Sogar die Interview mit Assad wird verfälschend dargestellt. Als Überschrift nimmt man: Assad droht Israel!!!!.
    Was für Unverschämtheit ist denn, wenn Assad sagt, dass Militärschläge seitens Israel nicht - wie in Vergangenheit - unbeantwortet bleiben. Diese Äußerung wird unserem Weltbild entsprechend angepasst und uns als Drohung verkauft.
    [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

  3. Die Botschaft der Zeit ist eindeutig.
    Zeit- Zitat: "Frankreich und Großbritannien drängen seit Längerem auf ein Eingreifen in Syrien .." und Frankreich liefert "Beweise" für die Notwendigkeit.

    Das alles in einer Phase, wo alle auf die kämpfenden Parteien einwirken sollen, die Waffen niederzulegen. Unveröffentlicht bleibt die Botschaft von Pinheiro:

    "Independent UN panel calls for diplomatic surge to end ‘daily reality’ of war crimes in Syria"
    "“Syria is in a free-fall,” Mr. Pinheiro told the Council this morning. “No one is winning and will not win the war. More weapons will only lead to more civilians dead and wounded.”

    Mr. Pinheiro stressed that dialogue is the only way to find a solution to the conflict ....

    “We ask that States exert influence over the parties to the conflict to compel them to protect civilians,” he added. "

    http://www.un.org/apps/ne...

    Die Kommission fordert auch dazu auf, keine weitere Waffen zu liefern

    "The Commission also calls on the international community to counter the escalation of the conflict by restricting arms transfers, especially given the clear risk that the arms will be used to commit serious violations of international human rights or humanitarian law"

    Langsam wird es langweilig, die unvollständige Berichterstattung mit falscher Schwerpunktwahl zu monieren. Aber es scheint nötig zu sein.

    18 Leserempfehlungen
  4. ...dass Russland die MIGs und die Raketen verkauft, damit sich Assad in Ruhe um "sein Volk" kümmern kann :(

    Eine Leserempfehlung
  5. "wie wissen nicht welche Substanz und von wem!"?

    Bitte helfen Sie mir die Widersprüche in dieser Aussage zu finden!

    Peter

    13 Leserempfehlungen
  6. 6. [...]

    Bitte verlinken Sie auf seriöse Quellen. Danke, die Redaktion/fk.

    6 Leserempfehlungen
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    • eras
    • 04. Juni 2013 21:38 Uhr

    Der Kommentar, auf den Sie kritisch Bezug nahmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/fk.

  7. auch ein herr bush hatte unumstößliche beweise...

    öh: was haben wir jetzt dazu gelernt?!

    mir fällt da "dinner for one" ein: same procedure as every year ,-(((((

    9 Leserempfehlungen
  8. ein solcher Fund wäre OPCW-meldepflichtig und es hat keine solche Meldung gegeben, daher wars wohl ein "Behälter" ohne tatsächliche Füllung mit Kampfstoff.

    Hat etwa den Glaubwürdigkeitsgehalt wie das gerade in Irak aufgefunden "Kampfstofflabor",:

    http://www.bbc.co.uk/news...

    Da die Festgenommenen unverletzt zu sein scheinen, stellen sich natürlich noch einige Fragen!

    Peter

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  • Quelle AFP, dpa, cw
  • Schlagworte Frankreich | Laurent Fabius | Syrien | Bürgerkrieg | Gas | Kriegsverbrechen
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