Bewohner von Aleppo schützen sich gegen giftige Gase © Muzaffar Salman/Reuters

Die Regierung in Damaskus hat die von den USA vorgebrachten Vorwürfe eines Einsatzes von Chemiewaffen durch die syrische Armee als unwahr zurückgewiesen. Die Erklärung des Weißen Hauses sei "mit Lügen gespickt", sagte ein Vertreter des syrischen Außenministeriums laut amtlicher Nachrichtenagentur Sana. Den US-Angaben lägen "erfundene Informationen" zugrunde. 

Zuvor hatte bereits die russische Regierung die US-Vorwürfe angezweifelt: Die Berichte seien "an derselben Stelle fabriziert" worden wie die "Lüge" über Massenvernichtungswaffen des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein, schrieb Alexej Puschkow, Chef des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma, via Twitter. US-Präsident Barack Obama gehe damit den gleichen Weg wie sein Vorgänger George W. Bush vor dem Irak-Krieg, so Puschkow.

Auch ein Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin nannte die Beweise "nicht überzeugend". Die USA hätten Russland Informationen über einen Einsatz von C-Waffen zur Verfügung gestellt, sagte Juri Uschakow. Eine Ausweitung der militärischen Unterstützung der Rebellen unterminiere aber die gemeinsamen Bemühungen für eine Friedenskonferenz.

CIA soll Rebellen koordinieren

Die USA hatten immer wieder deutlich gemacht, dass Sie die Regimegegner mit Waffen unterstützen, sobald die Armee von Präsident Baschar al-Assad Chemiewaffen einsetzt. Nach Informationen des Wall Street Journal hat Obama bereits erste Waffenlieferungen an "moderate Rebellen" genehmigt. Der Geheimdienst CIA sei mit der Koordinierung der Unterstützung beauftragt worden.

Russland zögert noch mit Gegenmaßnahmen: Die russische Regierung erwäge "noch nicht", Assad als Reaktion auf die US-Haltung Flugabwehrraketen vom Typ S-300 zu liefern. Die UN-Vetomacht Russland ist einer der wichtigsten Partner Syriens und verfügt dort unter anderem über einen Militärstützpunkt

Die US-Regierung hatte wissen lassen, es gebe keine Zweifel mehr daran, dass das syrische Regime mehrfach Chemiewaffen gegen die Rebellen eingesetzt hat. In kleinerem Umfang seien Kampfstoffe wie das Nervengift Sarin verwendet worden, bei mehreren Angriffen seien zwischen 100 und 150 Menschen getötet worden. Obama habe daher entschieden, die Rebellen künftig stärker militärisch zu unterstützen und auch Waffen zu liefern.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen begrüßte die klare Position der USA in Bezug auf einen Chemiewaffeneinsatz. Nun müsse das syrische Regime UN-Ermittler ins Land lassen, um den Berichten über den Waffeneinsatz nachgehen zu können, schrieb er bei Twitter.

"Keinen Mangel an Waffen"

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sieht dagegen Militärhilfe für die syrischen Rebellen kritisch. "In Syrien gibt es viel Mangel. Es gibt an einem keinen Mangel, und das sind Waffen", sagte Steinmeier im Inforadio des RBB. Er sei vorsichtig, was die US-Haltung angehe. Es brauche eine Syrien-Konferenz, die eine politische Lösung vorbereitet.

Die syrische Opposition begrüßte die Pläne der US-Regierung. Der Generalstabschef der von Deserteuren gegründeten Freien Syrischen Armee (FSA), General Salim Idriss, hofft auf möglichst schnelle Waffenlieferungen. Der Interimsvorsitzende der Oppositionsplattform Nationale Koalition, George Sabra, sprach von einem "positiven Schritt".