AfghanistanKarsai boykottiert Friedensgespräche mit Taliban

Der afghanische Präsident überwirft sich mit USA: Er lehnt geplante Verhandlungen mit den Taliban ab. Auch die Militärkooperation mit den USA nach 2014 ist gestoppt.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai

Afghanistans Präsident Hamid Karsai  |  © Shah Marai/Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Die afghanische Regierung von Präsident Hamid Karsai will sich nicht an Friedensgesprächen mit den Taliban im Golf-Emirat Katar beteiligen. Der Hohe Friedensrat werde nicht an Verhandlungen teilnehmen, solange nicht die Afghanen die Führung dabei hätten, teilte der Präsidentenpalast mit. Afghanistan wolle Friedensgespräche mit den Taliban auf der Basis der Errungenschaften der vergangenen zehn Jahre, hieß es weiter. "Aber von diesem Büro (der Taliban) geht eine Botschaft von Krieg und Blutvergießen aus." Laut Washington Post sollten die Gespräche schon am Donnerstag beginnen.

Die Taliban hatten am Dienstag ein Verbindungsbüro in Katars Hauptstadt Doha eröffnet. Die US-Regierung kündigte daraufhin direkte Gespräche mit den Aufständischen dort an. Karsai sagte daraufhin die Gespräche mit den Taliban ab. Denn er besteht darauf, dass die Taliban mit seiner Regierung verhandeln. Die Aufständischen wiederum lehnten dies bislang ab.

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Ob es wirklich zu Gesprächen kommt, ist damit wieder offen: Die Taliban hatten angekündigt, ihre Angriffe und Anschläge in Afghanistan trotz der bevorstehenden Gespräche mit den USA fortzusetzen. Das wiederum wäre ein Ausschlussgrund für die USA, an den Gesprächen teilzunehmen. Sie hatten die Aufgabe von Gewalt zur Bedingung für Gespräche gemacht. 

 Der Präsidentenpalast in Kabul hatte zuvor auch die Verhandlungen mit den USA über ein Sicherheitsabkommen ausgesetzt. Es sollte regeln, wie die Zusammenarbeit mit den USA nach dem Abzug der Nato-Truppen ab 2014 aussieht. Es gebe "hinsichtlich der Friedensverhandlungen für Afghanistan einen Widerspruch zwischen dem, was die US-Regierung sagt, und dem, was sie macht", sagte ein Sprecher Karsais zur Begründung. Zentraler Teil des Abkommens ist das Truppenstatut, das ausländischen Soldaten auch nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes Immunität zusichert. Ohne das Abkommen steht die geplante Folgemission infrage. 

US-Präsident Barack Obama sagte während seines Besuches in Berlin, die Friedensgespräche zwischen Afghanen und Taliban dürften sich schwierig gestalten. Es herrsche tiefes Misstrauen zwischen beiden Seiten. Letztendlich würden aber "Afghanen mit Afghanen darüber sprechen", wie sie den Kreislauf der Gewalt beenden könnten, um ihr Land wiederaufzubauen, sagte er.

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Leserkommentare
  1. Taliban?
    Waren das nicht diese bösen, die Osama bin Ladn versteckt haben?
    Den Mastermind des Massenmordes 9/11?
    Deren Ideologie Frauen und Mädchen schändet?

    Ideology: Islamism, Islamic fundamentalism, Takfiri, Strict Sharia law
    http://en.wikipedia.org/w...

    Und die haben jetzt ein schickes beflaggtes Büro in Qatar.
    "Most ethnic Qatari practice Wahhabism."
    http://en.wikipedia.org/w...

    [...]

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    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "wie viele schiitische Selbstmordattentäter hat es gegeben?"

    beispielsweise in http://www.welt.de/politi... auch ganz offiziell anerkannte.

    Was allerdings nichts daran ändert, dass die schiitische Variante auch mir augenblicklich weniger aggressiv und gefährlich erscheint als die sunnitische.

  2. "wie viele schiitische Selbstmordattentäter hat es gegeben?"

    beispielsweise in http://www.welt.de/politi... auch ganz offiziell anerkannte.

    Was allerdings nichts daran ändert, dass die schiitische Variante auch mir augenblicklich weniger aggressiv und gefährlich erscheint als die sunnitische.

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  3. "Verbindungsbüro der Taliban" in Doha ist wohl leicht untertrieben, es handelt sich, auf Fotos der internationalen Agenturen vom Eröffnungsakt gut zu lesen, um die Vertretung des "Islamischen Kalifats von Afghanistan" - eine Blaupause dafür, wie sich katarische Diplomaten sicher auch die Vertretung radikaler syrisch-irakischer islamistischer Gruppierungen a la "Islamisches Kalifat von al Shams" vorstellen können.

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    • Soruz
    • 20. Juni 2013 10:38 Uhr

    Hätten die USA vor 12 Jahren so verfahren, wie ihre Top-Strategen empfholen hatten, wären wir nun ein Stück vorwärsts. Die Einsicht war damals, dass Afghanistan ein föderales System wird und das Land wird wieder in sieben großen Staaten (Bundesländer) geteilt, wie das Land vor 1919 in Sieben großen Provinzen war (Kabul, Kandahar, Maschriqi (Osten), Junubi (Süden), Herat und Turkistan (einst Turan Völker mit Altaischen Sprachen).

    10 nach 11. Semptember hieß es, dass Land in Nord- und Südafghanistan zu teilen.

    Mit der Anerkennung der Taliban als "Friedensfaktor" haben die USA diese Erkenntnis, dass Paschtunen einen eigenenn Staat haben wollen und zwar als Original und nicht als Synonyme. Paschtunen werden im nicht-indischen Sprachraum als "Afghan" (Klagende, Schreiende usw) und im indischem Sprachraum als "Pathan" bezeichnet.

    250 Jahre haben Afghanen =Paschtunen unter fremden Namen geherrscht und ca. 110 Jahren unter dem Namen "Afghanistan". Auch dieser Name ist eine fremde Bezeichnung.

    Paschtunen haben genauso das Recht wie die Deutschen auf Wiedervereinigung. Die Grenze unter Durrand-Linie war eine aufgezwunge Linie, genauso wie die Grenzen im Westen und Norden des Landes, die die Völker, Nationen und Stämme geteilt haben: England und Rußland sollten einsehen, was sie gemacht haben: teile und herrsche

    Afghanistan’s Unavoidable Partition: in http://www.project-syndic...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hamid Karsai | Barack Obama | USA | Afghanistan | Anschlag | Botschaft
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