Protest in IstanbulPolizei feuert Tränengas auf Demonstranten

Die Protestbewegung um den Taksim-Platz in Istanbul wächst, die Regierungskritiker werben mit Zeitungsanzeigen. Die Polizei ging hart gegen Demonstranten vor.

Protest auf dem Taksim-Platz in Istanbul

Protest auf dem Taksim-Platz in Istanbul  |  © Uriel Sinai/GettyImages

In Istanbul haben erneut tausende Menschen gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan protestiert. Im Arbeiterviertel Gazi setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten ein. Sie sollen Feuerwerkskörper und Sprengsätze auf die Sicherheitskräfte geworfen haben.

Zahlreiche Menschen kamen mit Lebensmitteln und Decken zum Taksim-Platz, dem Zentrum der Proteste, wo sich seit Tagen eine Zeltstadt immer weiter vergrößert. Die Demonstranten trotzten der Aufforderung Erdoğans vom Freitag, die Proteste sofort zu beenden.

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Ihre Botschaft hatte die Bewegung zuletzt in einer Zeitungsanzeige verkündet. "Die Bevölkerung der Türkei hat gesprochen, wir werden uns nicht unterdrücken lassen", heißt es. Für die in der New York Times erschienene ganzseitige Annonce sammelten die Organisatoren mehr als 100.000 Dollar.


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Die Proteste hatten am Freitag vergangener Woche nach einer gewaltsamen Polizeiaktion gegen Demonstranten begonnen, die ein Bauprojekt am Taksim-Platz verhindern wollten. Seitdem weiten sie sich auf das ganze Land aus. In der Kritik steht zunehmend Erdoğan, dem die Demonstranten einen autoritären Regierungsstil vorwerfen. Bei den Protesten wurden Rettungskräften zufolge landesweit drei Menschen getötet und nahezu 5.000 verletzt.

"Bewährungsprobe für die türkische Regierung"

Die Verantwortlichen für die unverhältnismäßige Polizeigewalt müssen bestraft werden, forderte der EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle am Freitag in Istanbul. "Wichtig ist nun, nicht nur schnelle und transparente Ermittlungen zu führen, sondern auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen." Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mahnte die Türkei. Ministerpräsident Erdoğan forderte er auf, die Bürgerrechte zu achten. "Das ist eine Bewährungsprobe für die türkische Regierung, Europa und der Welt zu zeigen, dass die Herrschaft des Rechts und die Freiheitsrechte ihr etwas gelten."

Solidaritätsveranstaltungen

Am Freitag hatte Erdogan ein sofortiges Ende der Proteste gefordert. Die Demonstrationen seien in Vandalismus und Gesetzlosigkeit umgeschlagen, sagte er. Der Regierungschef kündigte an, am umstrittenen Umbau des Taksim-Platzes festzuhalten.

In mehreren Städten Nordrhein-Westfalens bekundeten türkische Vereine und Gruppen ihre Solidarität mit den Demonstranten in der Türkei. Die Demonstrationen und Kundgebungen mit insgesamt mehr als 2.000 Teilnehmern verliefen friedlich.

In Düsseldorf zogen zwei Vereine mit insgesamt rund 1.200 Teilnehmern durch die Innenstadt. In Oberhausen kamen nach Polizeiangaben etwa 800 Menschen in der Innenstadt zusammen.

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Leserkommentare
    • adco
    • 08. Juni 2013 14:56 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/sam

  1. Es kursieren mittlerweile verschiedene Flugblätter in denen Forderungen aufgelistet sind.

    Übereinstimmend sind 4 Punkte.

    - Aufnahme von Ermittlungen gegen die Verantwortlichen der Polizeigewalt und sofortige Suspendierung der Gouvarneure und Polizeipräsidenten.

    - Annullierung der Pläne für den Gezi Park, Verzicht auf den Bau des Einkaufszentrums sowie anderer Bauvorhaben (Wie Wasserkraftwerke und Öffnung der Waldflächen für den Bau).

    - Gewährleistung der Meinungsfreiheit und ein Ende der Zensur und politischen Drucks auf Medien.

    - Abschaffung der 10% Wahlhürde für eine gerechtere und vielseitigere Repräsentation im Parlament.

    2 Leserempfehlungen
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    Interessant, dass sich diese Forderungen der Demonstranten genau mit der Kritik von anderen Staaten decken. Die Wasserkraftwerke sollen nicht gebaut werden, damit die Türkei zumindest was Energie angeht abhängig von anderen Staaten ist. Die neue Brücke soll nicht gebaut werden, damit die Wirtschaft dort nicht floriert. Der neue Kanal soll nicht gebaut werden, damit die Verträge nicht ablaufen und jede Nation wunderbar völlig steuerfrei dort durchfahren kann. (Im übrigen wurde die Türkei damals gezwungen diesen Vertrag zu unterzeichen. Der Panamakanal und weitere zählen nicht zu internationalen Gewässern. Der Bosporus schon. Eine Frechheit!)
    Der neue Flughafen soll nicht gebaut werden, weil ansonsten die Deutsche Lufthanse von der Türkisch Airlines übertrumpft wird. Ständig wurden die Projekte der Türkischen REgierung kritisiert, dabei geht es denen nur um ihr eigenes Intresse. Auf welcher Seite die Demonstranten stehen ist soweit klar. Als die Autobahn in der Schwarzmeerregion gebaut wurde, versuchte die Opposition auch stets diese Vorhaben zu beenden.
    Die Forderungen sind allesamt komplett inaktzeptabel.

    • Lefty
    • 08. Juni 2013 19:14 Uhr

    wirkt dünnhäutig und schimpft.Langsam sollte auch Gutmenschen klar werden,dass er ein,sagen wir es vorsichtig,ein autokratisches System aufgebaut hat.Doch er ist keineswegs "alternativlos"....
    Kein weiterer Kommentar,der geneigte Leser kann sich den Rest denken.

  2. Ich wünsche den Türken viel Kraft und Ausdauer bis Erdogan erkennt das er als Ratte auf einem untergehenden Schiff sitzt!

    Türkey yo are not alone!

    Diese Nachricht übermitteln: Griechenland, Portugal, Spanien,Italien,Schweden,England.......um nur einige zu nennen.

  3. Interessant, dass sich diese Forderungen der Demonstranten genau mit der Kritik von anderen Staaten decken. Die Wasserkraftwerke sollen nicht gebaut werden, damit die Türkei zumindest was Energie angeht abhängig von anderen Staaten ist. Die neue Brücke soll nicht gebaut werden, damit die Wirtschaft dort nicht floriert. Der neue Kanal soll nicht gebaut werden, damit die Verträge nicht ablaufen und jede Nation wunderbar völlig steuerfrei dort durchfahren kann. (Im übrigen wurde die Türkei damals gezwungen diesen Vertrag zu unterzeichen. Der Panamakanal und weitere zählen nicht zu internationalen Gewässern. Der Bosporus schon. Eine Frechheit!)
    Der neue Flughafen soll nicht gebaut werden, weil ansonsten die Deutsche Lufthanse von der Türkisch Airlines übertrumpft wird. Ständig wurden die Projekte der Türkischen REgierung kritisiert, dabei geht es denen nur um ihr eigenes Intresse. Auf welcher Seite die Demonstranten stehen ist soweit klar. Als die Autobahn in der Schwarzmeerregion gebaut wurde, versuchte die Opposition auch stets diese Vorhaben zu beenden.
    Die Forderungen sind allesamt komplett inaktzeptabel.

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    Hören Sie auf aus den Demonstranten Staatsfeinde zu machen, nur weil Sie sich den wünschen der Konservativen widersetzen. Kritik ist unerwünscht und die wollen ja der Türkei nur schaden...
    Vielleicht sind diese Menschen auf der Straße, gerade WEIL sie die Türkei lieben.

    Und diese Forderungen sind durchaus akzeptabel.
    - Polizisten, Beamte und Politiker stehen nicht über dem Gesetz. Wenn diese bei Polizeigewalt keine Konsequenzen fürchten müssen, schadet es der Demokratie.
    -Meinungsfreiheit ist essentiell für die Demokratie
    -durch die 10% Hürde wird der Wille von sehr vielen Bürgern ignoriert.
    -Gerade bei diesen großen Bauvorhaben, die von der Regierung durchgedrückt werden, profitieren angeblich regierungsnahe Kreise.

  4. Hören Sie auf aus den Demonstranten Staatsfeinde zu machen, nur weil Sie sich den wünschen der Konservativen widersetzen. Kritik ist unerwünscht und die wollen ja der Türkei nur schaden...
    Vielleicht sind diese Menschen auf der Straße, gerade WEIL sie die Türkei lieben.

    Und diese Forderungen sind durchaus akzeptabel.
    - Polizisten, Beamte und Politiker stehen nicht über dem Gesetz. Wenn diese bei Polizeigewalt keine Konsequenzen fürchten müssen, schadet es der Demokratie.
    -Meinungsfreiheit ist essentiell für die Demokratie
    -durch die 10% Hürde wird der Wille von sehr vielen Bürgern ignoriert.
    -Gerade bei diesen großen Bauvorhaben, die von der Regierung durchgedrückt werden, profitieren angeblich regierungsnahe Kreise.

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    Ich sehe die Demonstranten nicht als Staatsfeinde, unterstellen sie mir nicht so etwas. Es war lediglich eine interessante Feststellung das die Opposition mal wieder nichts anderes mehr zu bieten hat als die Interessen anderer Staaten zu vertreten. Und sie können sicherlich nicht Behaupten, dass die von mir oben genannten Punkte nicht zutreffen. Sicherlich würden die anderen Nationen davon profitieren, wenn der wirtschaftliche Erfolg in der Türkei ausblieb.

    Zitat:
    [- Polizisten, Beamte und Politiker stehen nicht über dem Gesetz. Wenn diese bei Polizeigewalt keine Konsequenzen fürchten müssen, schadet es der Demokratie.
    -Meinungsfreiheit ist essentiell für die Demokratie
    -durch die 10% Hürde wird der Wille von sehr vielen Bürgern ignoriert.
    -Gerade bei diesen großen Bauvorhaben, die von der Regierung durchgedrückt werden, profitieren angeblich regierungsnahe Kreise.]

    Gegen diese Forderungen habe ich nichts! Sondern gegen die von mir im vorherigen Post genannten! Denn diese sind in der Tat, selbstzerstörend und daher vollkommen inaktzeptabel! Und wenn ich vom Profit von "angeblich" regierungsnaher Kreise höre muss ich schmuntzeln, hat die Opposition doch grad mal vor 12 Jahren mafiöse Strukturen in der Polizei aktiv unterstütz. Ironischerweise hat es damals niemanden interessiert, sofern die Herren am Bosporus sich selbst gegenseitig in Schmiergeldern ersäufen.

  5. Ich sehe die Demonstranten nicht als Staatsfeinde, unterstellen sie mir nicht so etwas. Es war lediglich eine interessante Feststellung das die Opposition mal wieder nichts anderes mehr zu bieten hat als die Interessen anderer Staaten zu vertreten. Und sie können sicherlich nicht Behaupten, dass die von mir oben genannten Punkte nicht zutreffen. Sicherlich würden die anderen Nationen davon profitieren, wenn der wirtschaftliche Erfolg in der Türkei ausblieb.

    Zitat:
    [- Polizisten, Beamte und Politiker stehen nicht über dem Gesetz. Wenn diese bei Polizeigewalt keine Konsequenzen fürchten müssen, schadet es der Demokratie.
    -Meinungsfreiheit ist essentiell für die Demokratie
    -durch die 10% Hürde wird der Wille von sehr vielen Bürgern ignoriert.
    -Gerade bei diesen großen Bauvorhaben, die von der Regierung durchgedrückt werden, profitieren angeblich regierungsnahe Kreise.]

    Gegen diese Forderungen habe ich nichts! Sondern gegen die von mir im vorherigen Post genannten! Denn diese sind in der Tat, selbstzerstörend und daher vollkommen inaktzeptabel! Und wenn ich vom Profit von "angeblich" regierungsnaher Kreise höre muss ich schmuntzeln, hat die Opposition doch grad mal vor 12 Jahren mafiöse Strukturen in der Polizei aktiv unterstütz. Ironischerweise hat es damals niemanden interessiert, sofern die Herren am Bosporus sich selbst gegenseitig in Schmiergeldern ersäufen.

    Antwort auf "Hören Sie auf"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, afp, dpa, nsc
  • Schlagworte Polizei | Protest | Guido Westerwelle | Istanbul | Außenminister | Ermittlung
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