Ankara : Polizei geht mit Gewalt gegen Demonstranten vor

Mit Wasserwerfern und Tränengas ist die Polizei in Ankara gegen Demonstrierende vorgegangen. Zuvor hatte die türkische Regierung einen weniger harten Kurs angekündigt.

In der türkischen Hauptstadt Ankara ist es am Mittwoch erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Rund um den zentralen Kizilay-Platz seien Wasserwerfer und Tränengas gegen Protestierende eingesetzt worden, berichteten Aktivisten und türkische Medien.

Zuvor hatte die türkische Regierung einen weniger harten Kurs angekündigt. An der Demonstration in Ankara hatten sich bis zum Abend vor allem Gewerkschaften beteiligt. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolou wurden neun Menschen festgenommen. Auch in Istanbul demonstrierten Tausende.

Die Zahl der Verletzten sei inzwischen auf weit über 4.000 gestiegen, teilte der türkische Ärzteverband TTB mit. Bisher seien drei Menschen gestorben, weitere 43 Patienten befinden sich zurzeit in einem kritischen Zustand, hieß es vom Ärzteverband nach Angaben der Zeitung Hürriyet.

Die Bundesregierung forderte die türkische Regierung erneut auf, angemessen mit protestierenden Bürgern umzugehen. Meinungs- und Versammlungsfreiheit seien universell akzeptierte Grundrechte, die zu gewähren seien, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Reaktionen des Staatsapparates müssten immer verhältnismäßig und angemessen sein.

Erstmals seit Beginn der Proteste gegen die türkische Regierung ging die Polizei auch mit Festnahmen gegen im Internet aktive Regierungsgegner vor. In der westtürkischen Stadt Izmir seien mindestens 29 Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter in Gewahrsam genommen worden. Derweil legten Hacker der Internet-Aktivisten Anonymus die Internetseite des türkischen Ministerpräsidenten lahm.

Vertreter der Demonstranten sagten nach einer Nacht mit neuer Gewalt in mehreren Städten, die Proteste würden fortgesetzt. Auch Gewerkschaften riefen ihre Anhänger auf die Straßen. Eine der führenden Protestinitiativen, die Taksim-Plattform, kündigte nach einem Treffen mit Vizeregierungschef Bülent Arınç in Ankara an, ihren Kampf fortsetzen zu wollen, bis die Regierung auf ihre Forderungen eingehe.

Die Aktivisten verlangen unter anderem den Erhalt des Gezi-Parks in Istanbul, der einem Einkaufszentrum weichen soll. Außerdem müsse der Einsatz von Pfefferspray und Tränengas verboten werden und alle für die Gewalt gegen Demonstranten verantwortlichen Funktionäre sollten entlassen werden. Inzwischen richten sich die Demonstrationen vor allem gegen den als immer autoritärer empfundenen Kurs von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan, der Extremisten für die Demonstrationen verantwortlich gemacht hatte.

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Kommentare

46 Kommentare Seite 1 von 4
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zum 2. Punkt

In Deutschland war es möglich in ganz Stuttgart über den Bahnhof abstimmen zu lassen. Wieso also dann nicht in Istanbul?

Der Park liegt in Istanbul, also kann ihn jeder Istanbuler nutzen, also darf er darüber entscheiden. Außerdem sind Volksentscheidungen schwer angreifbar. Was kann man also dagegen haben, es sei denn, man weiß , dass man eine Minderheit ist und die Mehrheit anders denken könnte?

Zum einen ist ein Hauptbahnhof einer

Stadt, die zugleich die Hauptstadt eines Bundeslandes ist etwas anders, als einen Park.
Insoweit müsste dies Ihnen doch klar sein.
Zum anderen nutzen auch die Touristen in Istanbul diesen Park, also müssen wir sie auch abstimmen lassen.
Es liegt doch auf der Hand, dass man differenzieren muss oder?
Warum beschränken Sie die Abstimmung auf Istanbul. Sie gehen auch davon aus, dass nicht jeder abzustimmen hat. Haben Sie etwa selbst Angst, dass die Mehrheit der unmittelbar Betroffene den Bau nicht unterstützen?
Hauptsächlich wird diese Park von den Einwohner des Bezirks benutzt, wo er liegt, daher haben die unmittelbar Betroffene darüber zu entscheiden.

Na aber

gerne doch ;-)

Hier spontan eine Rede des verehrten Herrn Erdogan, in der er meinte, wieder einmal als Big Daddy aller Türken auftreten zu müssen (was natürlich überhaupt nichts damit zu tun hatte, sich Briefwähler zu sichern ^^ ):

http://www.sueddeutsche.d...

Assimilation ist die Angleichung verschiedener, gesellschaftlicher Gruppen, oft des richtigen Einlebens von Minderheiten in eine Mehrheitsgesellschaft.

Und was macht Herr Erdogan?

Er stellt sich hin und bezeichnet das als ,,Verbrechen gegen die Menschlichkeit".
Womit er seinen türkischstämmigen Zuhörern vermittelt:,,Hey, ihr seid Türken, immer, ihr seid das absolut beste Volk überhaupt, das müsst ihr bewahren, ihr dürft euch nicht integrieren, ihr dürft euch nicht in Deutschland anpassen! Und ICH bin euer Präsi!"

Er behindert mit solchen Botschaften meiner Ansicht nach eindeutig die Aufgabe der Integration in Deutschland in schwerwiegender Weise.
Herr Erdogan selbst ist immer schnell wieder weg - in Deutschland aber muss sich die Gesellschaft täglich mit Integration auseinandersetzen, mit Assimilation.

Da sind solch separierende Aussagen Gift!

Genauso ist es mit seinem Vorschlag, die (türk.) Kinder sollten in Deutschland erstmal richtig Türkisch lernen, dann Deutsch.

Diese Kinder und ihre Eltern leben in Deutschland! Welche Sprache werden sie wohl gewöhnlich in der Gesellschaft häufiger benötigen?

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