Neuer US-Botschafter : Ein Wall-Street-Banker für Berlin

Barack Obama hat einen neuen Botschafter für Deutschland berufen. Die Wahl fiel auf John B. Emerson, einen Wahlkampfhelfer des US-Präsidenten.

Hat Barack Obama eine versteckte Agenda in Deutschland und will den ramponierten Ruf der amerikanischen Finanzelite aufpolieren? Erst schickte er Phil Murphy als US-Botschafter nach Berlin. Der war früher Investmentbanker bei Goldman Sachs und erwies sich als Sympathieträger. Aus den Jahren 1993 bis 1997, in denen er deren Niederlassung in Frankfurt am Main leitete, hat er sich die Liebe zur Bundesliga und gute Sprachkenntnisse bewahrt. Murphy geht in wenigen Wochen zurück nach Amerika. Noch bevor Obama am Dienstagabend in Berlin landet, hat er den Nachfolger nominiert: John B. Emerson, wieder ein Schwergewicht der US-Finanzindustrie.

Emerson leitet die Abteilung Vermögensverwaltung bei der Capital Group in Los Angeles, Kalifornien, die unter anderem American Funds managt, eine der größten Gruppen offener Investmentfonds in den USA. In Deutschland besitzt sie große Aktienpakete von Bayer, Bijou Brigitte, Continental, Deutsche Bank, Fraport, Infineon, Linde, SAP, Siemens und Volkswagen.

Diese Wirtschaftskompetenz war wohl nicht der einzige Grund für die Berufung Emersons. Entscheidend bei der Auswahl künftiger Botschafter ist in den USA oft ein anderes Kriterium: Der Präsident belohnt Menschen, die ihm in herausragender Weise im Wahlkampf geholfen haben. Murphy war in den Jahren vor Obamas erster Wahl 2008 Finanzchef der Demokratischen Partei gewesen. Emerson gehörte vor der Wiederwahl 2012 zu den größten Spendeneintreibern in Kalifornien. Unter anderem beschaffte er Geld von Hollywood-Stars und Unternehmen. 

In Europa rümpft man mitunter die Nase über "die Spur des Geldes", die zu Botschafterposten führen kann. Amerikaner sehen in der persönlichen Beziehung dagegen einen Vorteil: Solche Botschafter finden eher Gehör beim Präsidenten als Karrierediplomaten und können deshalb mehr für die Beziehungen erreichen.

Posten in der Clinton-Regierung

Emerson hat Erfahrung in der Innen- wie der Außenpolitik. In Bill Clintons Regierung war er von 1993 bis 1997 für die Zusammenarbeit mit den Gouverneuren der Bundesstaaten verantwortlich und sein Sonderbeauftragter für Kalifornien, den mit Abstand bevölkerungsreichsten Staat der USA. Seit 2010 gehört er zu Obamas Beraterkreis für Handelsfragen. Seit Jahren ist er im Pacific Council aktiv, einem Think Tank, der die Beziehungen nach Asien pflegt. Ehrenamtlich leitet er den Verwaltungsrat des Konzert- und Theater-Zentrums von Los Angeles.

Nach dem Jurastudium in Chicago trat Emerson 1978 in eine Anwaltskanzlei in Los Angeles ein und wechselte später in die Anklagebehörde der Stadt. Seine Frau Kimberly ist ebenfalls Juristin und in der Demokratischen Partei aktiv. Sie arbeitet für gesellschaftliche Organisationen wie Human Rights Watch, den Nationalen Frauenverband, den Kinderschutz und den Zoo von Los Angeles.

Erschienen im Tagesspiegel

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Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

So isoliert erlebe ich die USA nun nicht

USA ist nach wie vor die einzige Supermacht mit Welteinfluss, vielleicht rückt China in den nächsten Jahren langsam an Nummer 2. Solange Europa seine Strukturen nicht strafft, und eine Aussenvertretung mit Handlungsfreiheit wählt, kann es sein Potential nicht entgegensetzen.

Wie wir gerade in diesen Tagen lernen, dominieren amerikanische Hardware, Server, Suchmaschinen, Graphikprogramme, Netzwerke das Internet als Symbol der Moderne schlechthin. Eigentlich clever gemacht.

Freiwillig und um cool zu wirken, werden nach wie vor neue Amerikanismen für Begriffe verwandt, die man früher deutsch benannte, z.B. service point. Vom freiwilligen Konsum amerikanischer Musik, Filme, Literatur nicht zu reden. Und der neoliberale Umbau der gesamten Gesellschaft ist american-like, Frankreich stellt sich dagegen und wirkt eher isoliert.

Ansonsten teilen wir ja viele Werte, die nach modernem Verständnis Menschenrechte darstellen. Damit stimmen viele Interessen per se überein.
Und nicht vergessen: Amerika hat das alte, zerstrittene Europa aus zwei Weltkriegen unter erheblichen Opfern "herausgehauen", namentlich auch aus dem Ersten 1917/18 (den 2. Wk hätte die Sowjetunion m.e. auch so gewonnen, aber dann wäre Westeuropa Satellit der Sowjetunion geworden).

Es wäre schon viel erreicht, wenn Europa nicht alles übernehmen, auf freiheitlich-demokratischer und möglichst friedlicher bis pazifistischer Grundlage seine eigene Meinung besitzen und danach handeln würde.

Super-Bush

Die über den Steuerzahler finanzierte Belohnung von Wahlkampfhelfern hat lange Tradition in den USA.
http://nachrichten.rp-onl...

Neu ist nur, dass der vermeintliche "Anti-Bush" sich noch wesentlich größere Exzesse leistet; Zitat 2011: "Ausgerechnet Obama, der stets beteuerte, nicht käuflich zu sein, hat nun schon mehr Großspender eingestellt als Vorgänger George W. Bush in acht Regierungsjahren."
http://www.spiegel.de/spi...

Und wer nicht nur 2008, sondern auch 2012 zu Obamas größten Spendern gehörte, nämlich z.B. JP Morgan und Goldman Sachs, ist ja auch bekannt.
http://www.deutsche-mitte...

Aus diesen Kreisen kennt man ja auch die Private-Equity-Fonds, die Firmenübernahmen auf Pump finanzieren, um sich dann durch die Veräußerung des Unternehmensvermögens gesund zu stoßen. Auf Kosten der Firma und deren Mitarbeiter. Bis hin zur Zerschlagung.

Dasselbe Prinzip findet nun in der Politik Anwendung.

Was für ein Banker?

Der Mann ist Jurist-kein Banker.Seine Aktienauswahl mit DBK,Siemens und Infineon beweist das.Arme Anleger dieses Fonds,die Performance spottet sicherlich jeder Beschreibung.
Nun ja- er hatte sein mangelndes Talent wohl eingesehen und versuchte sich anschließend in der Politik, als Geldbeschaffer für Obama.
Fazit-Es hat sich für ihn gelohnt-mal sehen ,welche Spitzel er im Bundeskanzleramt sitzen hat.Der Letzte lieferte ja "ausgezeichnete"Analysen über fast jeden dt.Spitzenpolitiker.