Man würde gern wissen, was Zsuzsa Breier über Viktor Orbán zu sagen hat. Der ungarische Regierungschef wird in ganz Europa heftig angegriffen, weil er die Verfassung geändert hat und mit Vorliebe gegen Europa und Brüssel wettert. Die hessische Staatssekretärin Breier, geboren 1963 in Ungarn, hat früher für den ungarischen Staat gearbeitet – in Berlin hat sie 2000 eine Kulturabteilung der ungarischen Botschaft aufgebaut. Seit einem Jahr arbeitet Breier für Deutschland – sie ist die erste Staatssekretärin, die keinen deutschen Pass hat. 

Breiers Biographie ist europäisch: Sie ist in Ungarn geboren und hat einige Zeit in Deutschland studiert. Inzwischen arbeitet sie für den deutschen Staat, hat aber einen ungarischen Pass. Klingt modern und einfach, führt aber in Zeiten wie diesen häufig zu Loyalitäts- und Gewissenskonflikten. 

Einmal hat sich Zsuzsa Breier zu ihrem Heimatland geäußert: Als die FDP sie vergangenen Sommer als Hessens neue Staatssekretärin für Europaangelegenheiten vorstellte, nahm sie Orbán in Schutz. "Viktor Orbán ist ein Demokrat", sagte sie damals, die Vorwürfe gegen ihn seien "perfide Behauptungen". Zuvor schrieb sie in einem Gastkommentar der Welt, dass sie die Unterstellungen gegen Orbán so einordne: Ja, Orbán sei gefährlich – aber nur für die politische Opposition. "Orbáns politische Gegner empfinden den beispiellosen demokratischen Wahlerfolg des Nicht-Kommunisten als unheimlich und breiten ihre Missgunst aus" – auch in den ausländischen Medien.

Sie ist vorsichtiger geworden

Sofort stürzten sich die Medien und Politiker der Opposition auf ihre Aussagen. Europaminister Hahn solle sich sehr genau überlegen, ob Breier die richtige Person im Europaministerium sei, sagte Sigrid Erfurth, Landtagsabgeordnete der Grünen. "Wer Orbán als Demokraten bezeichnet und um Verständnis für die aktuelle ungarische Politik wirbt, hat das Demokratieverständnis der in Hessen lebenden Menschen und der europäischen Union nicht verstanden."

Sie stehe noch immer zu dem, was sie damals gesagt habe, sagt Breier heute. Dennoch ist sie vorsichtig geworden mit dem, was sie sagt. Als nach einem Treffen in Berlin noch Fragen zu der ungarischen Regierung offen sind, will sie darauf nur per E-Mail antworten. Sie misstraut den deutschen Medien. 

Breiers Antworten fallen knapp aus. Ihre Aussagen seien oft zerrissen worden, komplexe Inhalte auf wenige Sätze reduziert worden. Sie fühlt sich oft unverstanden. "Wenn heute der nationale Stolz der Osteuropäer von Westeuropäern als rückständiger Nationalismus aufgefasst wird, zeigt dies, wie wenig man voneinander versteht, wie wenig man die Geschichte dahinter kennt."

Politik für Hessen, nicht für Ungarn

Ihre politischen Gegner wollen es nicht hinnehmen, dass Breier sich nicht zu Orbán äußert. "Sie schweigt auffällig", sagt die Grünen-Politikerin Erfurth. Dabei sollte doch gerade sie als Ungarin klar Position beziehen, findet die Grüne. Breier, die fließend beide Sprachen spricht, sollte dabei helfen, die Differenzen zwischen den beiden Ländern zu überbrücken.  

Es ist eine Aufgabe, die Breier offenbar nicht übernehmen möchte. Mit der sie als Staatssekretärin, die sich mit Europafragen befasst, aber ständig konfrontiert wird. 

Breier betont gern, dass sie Politik für Hessen, nicht für Ungarn mache. "Die Opposition will mir anhand meiner ungarischen Abstammung und ungarischen Staatsbürgerschaft einen Interessenkonflikt aufdrücken", sagt sie. Ihre deutsche und ihre ungarische Identität widersprächen sich nicht.